Schiedsrichter Leroy Schott: „Fußball gerechter machen!“

Treffurt.  Kommt der Videoschiedsrichter bald auch für Amateurkicker? Treffurts Oberliga-Schiedsrichter findet die Idee der Fifa gut.

Schiedsrichter Benjamin Brand steht in der Schalker „Veltins-Arena“ an einem Monitor und überprüft eine Szene. Solche Bilder  könnte ins in einigen Jahren nach Vorstellung der Fifa auch im Amateurfußball geben.

Schiedsrichter Benjamin Brand steht in der Schalker „Veltins-Arena“ an einem Monitor und überprüft eine Szene. Solche Bilder könnte ins in einigen Jahren nach Vorstellung der Fifa auch im Amateurfußball geben.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Mal angenommen in der Fußball-Kreisoberliga hätten die Schiedsrichter digitale Hilfsmittel. Da wird in Ifta schnell mal eine kalibrierte Abseitslinie gezogen, die ein kassiertes Tor als irregulär entlarvt. Oder in Wutha-Farnroda schaut sich ein Referee minutenlang auf einem Bildschirm eine Strafraumszene an, um in der Nachspielzeit auf Elfmeter zu entscheiden. Mit Videobeweis hätten Ifta wie Ruhla, die beide dreimal mit nur einem Tor Unterschied verloren, womöglich den einen oder anderen Punkt mehr auf dem Konto.

Was hier so kurios klingt, sind reale Gedankenspiele des Fußball-Weltverbandes. Die Fifa-Arbeitsgruppe für Innovation plant einen sogenannten „Video Assistant Referee (VAR) light“, eine abgespeckte Variante, die bis zur untersten Spielklasse eingesetzt werden soll. Kostengünstigere Systeme sollen sich auch kleine Dorfverein leisten können. Gestützt auf Tests des asiatischen, französischen und europäischen Verbands will die Fifa demnächst Empfehlungen für die nächsten Schritte zur Umsetzung des Konzepts vorlegen. Der Zeitpunkt ist allerdings noch unklar.

Bei vielen Amateurkickern und Funktionären sorgte diese Meldung für Kopfschütteln oder zumindest für Stirnrunzeln. Ist der „VAR light“ nun eine sinnvolle Idee oder doch eher nicht umsetzbarer Unfug? Oberliga-Schiedsrichter Leroy Schott aus Treffurt hat dazu eine klare Meinung. „Von Blödsinn würde ich nicht reden. Alles was den Fußball gerechter macht, ist prinzipiell eine gute Lösung“, betont der 24-Jährige, der für Neuerungen sehr offen ist. Auch in der Bundesliga ist die Debatte um den Videobeweis noch nicht beendet. Doch Schott stellt klar, dass es trotz der nie zu schaffenden 100-prozentigen Genauigkeit inzwischen weniger Fehlentscheidungen bei den Profis gebe. Allein dafür hat sich die Einführung schon gelohnt, meint der für die SG Falken pfeifende Schott.

Viele Fragen offen

Natürlich gibt es noch unzählige organisatorische Fragen. Wer soll die Geräte bezahlen, zumal viele Vereine ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind? Wird zusätzliches Personal benötigt? Werden es ältere Schiedsrichter, die oft nicht gerade technikaffin sind, überhaupt nutzen können? Schott: „Mir ist klar, dass das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt und völlig offen ist, wann es kommen könnte. Aber die reine Idee der Fifa dahinter ist nachvollziehbar und macht Sinn.“ In Regional -und Oberliga sei eine zeitnahe Einführung durchaus denkbar, glaubt er.

Denn schon jetzt werden im Amateurbereich in einigen Bundesländern ganze Spielklassen live gestreamt und dementsprechend per Video überwacht. Meist allerdings nur mit einer auf Höhe der Mittellinie installierten, automatisierten auf den Ball fixierten Kamera. Dass damit nur schwer knifflige Situationen in den Sechzehnern oder weit weg vom Ballgeschehen sowie Abseitsentscheidungen bewertet werden können, liegt auf der Hand. Man müsste wohl abwägen, welche Szenen für den „VAR light“ in Frage kämen, so Schott. Interessant wäre sicher eine Statistik, ob es dank dieser „Überwachung“ weniger Tätlichkeiten und Spielabbrüche gibt. Auch das könnte ein positiver Nebeneffekt sein.

Torlinientechnik wäre erster Schritt

Sich die komplizierte Technik auf schrägen, buckeligen Dorfwiesen vorzustellen, fällt schwer. Ein erster kleiner Schritt, so Schott, könnte jedoch eine überall einsetzbare automatisierte Torlinientechnik sein, sofern sie bezahlbar ist. „Das wäre auf Kreisebene schon eine große Unterstützung für die Schiedsrichter. So würde Fußball wieder ein Stück weit gerechter“, meint Schott, der in seiner Laufbahn erfahren hat, wie rasant technischer Fortschritt im Fußball voranschreitet. Als er als Teenager 2010/11 seine ersten Partien im Männerbereich leitete, gab es beispielsweise noch keinen elektronischen Spielberichtsbogen, der bei seiner Einführung übrigens auch von einigen Leuten kritisch beäugt worden sei.

Der Innovationsplan bei der Fifa läuft noch bis 2022. Ehe Unparteiische wie Matthias Böttger oder Tobias Claus auf dem Hartplatz in Thal zur berühmten Videobeweis-Geste ansetzen und dann zwischen wütenden Rentnern sich an der Seitenlinie auf einem Monitor eine spielentscheidende Szene angucken, wird jedoch noch ganz viel Wasser der Werra hinunter fließen. Bis dahin bleibt der Fußball zwischen Unterbreizbach und Treffurt das einfache Spiel mit 22 Akteuren und einem Ball – und vielen Diskussionen rund um jede Schiedsrichter-Entscheidung.

Zur Person

Seit 2008 steht Leroy Schott als Fußball-Schiedsrichter auf dem Platz. 2017 stieg der Treffurter in die Oberliga auf, wo er inzwischen 51 Partien geleitet hat. Außerdem pfeift er Spiele der DFB-Junioren-Bundesligen und ist im Schiedsrichterausschuss des KFA Westthüringen verantwortlich für das Beobachtungswesen. Doch der Feldfußball ist nicht alles für den Leiter der Wartburgsparkassen-Filiale in Wutha-Farnroda, der auch in Futsal und Beachsoccer als Unparteiischer fungiert