Sebastian Möhlhenrich: Ein Leben für den SC Heiligenstadt

Heiligenstadt.  Er hat in seinem Leben nur für den SC Heiligenstadt gespielt – Kapitän Sebastian Möhlhenrich hält seinem Verein bereits seit 24 Jahren die Treue.

Als Kapitän und Spieler unverzichtbar: Sebastian Möhlhenrich (links) läuft bereits seit 24 Jahren für den SC Heiligenstadt auf.

Als Kapitän und Spieler unverzichtbar: Sebastian Möhlhenrich (links) läuft bereits seit 24 Jahren für den SC Heiligenstadt auf.

Foto: Eckhard Jüngel

Sucht man im Wörterbuch nach einem Synonym für den Begriff „Vereinstreue“, dann könnte dort sein Name aufgelistet sein: Sebastian Möhlhenrich spielt bereits seit 24 Jahren für den aktuellen Fußball-Verbandsligisten SC Heiligenstadt. Als Elfjähriger trat der heute 35-Jährige Kapitän des SCH dem Club bei, schnürte seitdem nie die Schuhe für einen anderen Verein. „Ich glaube, das ist heute nicht mehr so selbstverständlich“, sagt Möhlhenrich, der auch in Heiligenstadt geboren wurde.

Erst mit elf Jahren schloss er sich dem SCH bei, rückte in das damalige D-Junioren-Team der Kurstädter. „Ich habe zwar schon vorher gekickt, aber nur mit Freunden auf der Wiese“, erinnert sich Möhlhenrich. Dass 1996 eine Liaison begann, die bis zum heutigen Tag anhält und auch keinerlei Abnutzungserscheinungen erkennen lässt, war zum damaligen Zeitpunkt nicht vorauszuahnen.

Bund fürs Leben

Doch das SCH-Urgestein, das die erste Mannschaft inzwischen in der zehnten Saison als Kapitän anführt, fühlte sich von Anfang an wohl in seinem Verein, mit dem er scheinbar einen Bund fürs Leben eingegangen ist.

„Ich hatte nie den Drang, etwas anderes ausprobieren zu wollen“, erklärt der Routinier, der beruflich bei der VR Bank Mitte in Heiligenstadt als Vermögensberater tätig ist. Frei nach dem Motto: Warum etwas ändern, wenn doch alles perfekt ist?

Perfekt ist die sportliche Situation des SCH derzeit mitnichten. Als einziges Team stehen die Kurstädter in der Verbandsliga noch ohne Sieg da und daher auch im Tabellenkeller. Doch ihr Kapitän, der die aktuelle Situation nicht als Krise, sondern als „kleines Tal“ bezeichnet, ist „guten Mutes“, dass sich bald Besserung einstellen wird, denn: „Ich weiß, was in der Truppe steckt.“

Wie oft der SCH in dieser Corona-geplagten Spielzeit aber überhaupt noch mal wird antreten können, ist noch ungewiss. „Ich glaube nicht, dass wir alle 34 Saisonspiele bestreiten werden“, prophezeit Möhlhenrich.

„Paradebeispiel für einen Amateurfußballer“

Der ist trotz seines inzwischen reifen Fußball-Alters nach wie vor unverzichtbar – als Kapitän, Führungsperson und Leistungsträger auf dem Platz. „Sebastian ist für mich das Paradebeispiel für einen Amateurfußballer. Seine Einstellung zu seinem Hobby kommt dem eines Profis gleich. Er lebt den Sport auf und neben dem Platz, ist nicht umsonst seit Jahren Kapitän der ersten Mannschaft“, erklärt SCH-Teambetreuer und Vizepräsident Christoph Rodenstock, der Möhlhenrich schon lange kennt.

Für den Dauerläufer, der wahlweise im defensiven Mittelfeld oder im Sturm zum Einsatz kommt, sind sein immenser Einsatz und sein vorbildliches Pensum eine Selbstverständlichkeit: „Ich will für die Jungs auf dem Platz ein Vorbild sein. Wenn die sehen, dass ich mit meinen 35 Jahren noch unermüdlich unterwegs bin, dann ziehen die auch mit.“

Abseits des Rasens ist das Urgestein omnipräsenter Ansprechpartner. „Als Kapitän möchte ich den Zusammenhalt fördern“, unterstreicht der Bayern München-Fan, den beim SCH alle nur „Möhle“ nennen.

Und diese Aufgaben füllt der Mann mit der Rückennummer 18, der eines der bisherigen sieben Heiligenstädter Saisontore erzielte, laut Rodenstock vorbildlich aus. „Er hat jederzeit ein offenes Ohr und Ratschläge für seine Mitspieler, die das auch gerne annehmen und schätzen.“

Als Youngster überzeugt

Als Möhlhenrich als Jungspund in die erste Mannschaft aufrückte, überzeugte er den damaligen Trainer Burkhard Venth auf Anhieb. Die Plätze im Kader und in der Startelf waren umkämpft und der Sprung in den Herrenbereich für Möhlhenrich groß, doch der biss sich mit seinen Fähigkeiten und seinem Willen fest.

Dass der Heiligenstädter Thomas Müller als einen seiner Lieblingsspieler angibt, verwundert nicht, sind sich beide doch ähnlich. „Er ist auch nicht der beste Techniker, aber das, was er macht, wie er draufgeht und antreibt, das macht er gut“, sagt Möhlhenrich über den Bayern-Star, beschreibt sich damit aber auch ein stückweit selbst.

Dass Möhlhenrich in der ersten Mannschaft „gleich Fuß gefasst“ hat und mit seiner Mannschaft seit 2005 ununterbrochen in der Thüringenliga um Punkte kämpft - am erfolgreichsten in der Saison 2010/11, die mit der Vizemeisterschaft und dem Einzug in das Landespokalfinale gekrönt wurde –, ist auch ein Verdienst des aktuellen Trainers Daniel Papst. „Er hat mich an die Hand genommen und sich viel um mich gekümmert“, erinnert sich Möhlhenrich.

Bis zum heutigen Tag pflegen der Kapitän und Papst ein enges Verhältnis, das von Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist. „Er sagt mir auch mal, wenn ich Mist gebaut habe, aber hinterher trinken wir zusammen ein Bier und alles ist wieder gut“, verrät Möhlhenrich.

„Wenn der FC Bayern anrufen würde….“

Wie lange das Urgestein noch für den SCH spielen will? „So lange ich mich noch fit fühle und die Beine in Ordnung sind“, sagt der 35-Jährige: „Die Leistung muss aber stimmen. Ich will kein Klotz am Bein sein, der die Mannschaft behindert.“

Aktuell ist eher das Gegenteil der Fall. Ein SCH-Team ohne Möhlhenrich ist kaum vorstellbar. Einen Grund, dem SCH den Rücken zu kehren, gibt es für ihn aber doch, verrät der Kapitän: „Wenn der FC Bayern anrufen würde, dann wäre ich wohl weg.“ Bleibt für die Heiligenstädter Verantwortlichen wohl nur zu hoffen, dass Münchens Trainer Hansi Flick Möhlhenrichs Handynummer nicht kennt.