Neuer Ärger für Rot-Weiß Erfurt: Gericht kippt Kündigung von Ex-Sportdirektor Bornemann

Axel Lukacsek
| Lesedauer: 5 Minuten
Nicht mehr lustig: Oliver Bornemann (links) streitet mit Volker Reinhardt vor Gericht um seinen Arbeitsvertrag.

Nicht mehr lustig: Oliver Bornemann (links) streitet mit Volker Reinhardt vor Gericht um seinen Arbeitsvertrag.

Foto: Frank Steinhorst

Erfurt.  Die Kündigung von Sportdirektor Oliver Bornemann beim FC Rot-Weiß Erfurt vor zwei Jahren wurde jetzt von einem Gericht für unwirksam erklärt. Welche Folgen das Urteil für den Verein hat.

Am Sonntag startet die Oberliga, aber die Vergangenheit holt den FC Rot-Weiß Erfurt immer wieder ein. Das Thüringer Landesarbeitsgericht hat die Kündigung von Sportdirektor Oliver Bornemann durch Insolvenzverwalter Volker Reinhardt zum 31. Juli 2019 für unwirksam erklärt. Wir erklären, welche Folgen das Urteil für den Verein hat.

Unter welchen Voraussetzungen begann Bornemann in Erfurt?

Am 3. Mai 2018 – wenige Wochen nach Beantragung eines Insolvenzverfahrens beim FC Rot-Weiß – wird Oliver Bornemann als Sportdirektor vorgestellt. Er solle ohne feste Vergütung anfangen, sagte Verwalter Volker Reinhardt damals: „Wir haben mit ihm eine erfolgsbezogene Vereinbarung geschlossen.“

Wie kam es zum Bruch mit dem FC Rot-Weiß Erfurt?

Als am 30. April 2019 die Trennung öffentlich wird, hüllen sich alle in Schweigen. Weder Reinhardt noch Bornemann äußern sich. Die alt bekannte Sprachregelung greift: Man habe sich einvernehmlich getrennt und Stillschweigen vereinbart.

Welches Nachspiel hatte die Trennung?

Bornemann klagte gegen die Kündigung. Er verwies vor dem Arbeitsgericht Erfurt auf seinen Vertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2020 und einer Option für ein weiteres Jahr, der ein Kündigungsrecht ausgeschlossen habe. Dagegen argumentierte Reinhardts Anwalt, dass im Zuge der Insolvenz durchaus eine Trennung möglich sei und der Posten des Sportdirektors weggefallen ist. Das Arbeitsgericht bestätigte am 7. November 2019 die Trennung – Bornemann legte Revision ein.

Warum änderte nun das Landesarbeitsgericht das Urteil?

In einer offiziellen Stellungnahme zum Verfahren unter dem Aktenzeichen 4Sa293/19 heißt es: „Der Grund dafür ist, dass der Beklagte die zur Kündigung führenden Umstände nicht in der für eine gerichtliche Überprüfung notwendigen Genauigkeit darlegen konnte.“

Was sind die Konsequenzen aus dem Urteil in zweiter Instanz?

Eine Revision dagegen ist nicht zugelassen. Ist das Urteil rechtskräftig, muss Bornemann rein theoretisch seine Arbeit wieder aufnehmen. Angeblich soll eine Klausel in dessen Vertrag existieren, die bei der Bildung einer Spielbetriebs GmbH den Wechsel dorthin festschreibt. Als weitere Konsequenz muss das Gehalt seit der Kündigung zum 31. Juli 2019 nachgezahlt werden.

Was sagt Oliver Bornemann zu dem Urteil?

Er kann sich eine Rückkehr als Sportdirektor vorstellen. „Ich stelle meine Arbeitskraft gerne wieder zur Verfügung, denn meine Mission in Erfurt war ja nicht zu Ende“, sagt der 45-Jährige: „Ich habe eine gute Arbeit geliefert. Der FC Rot-Weiß hat die Saison 2018/19 immerhin als Tabellenfünfter abgeschlossen.“ Um Geld gehe es ihm auch jetzt nicht: „Mein Ziel war es nie, eine Abfindung zu bekommen, sondern meine Aufgabe als Sportdirektor erfolgreich zu gestalten.“

Was bedeutet das Urteil nun für den FC Rot-Weiß Erfurt?

Der FC Rot-Weiß Erfurt e.V. organisiert nach der Neugründung der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH vor einem Jahr nunmehr allein die Nachwuchsabteilung und sieht sich vom Urteil nicht betroffen. „Oliver Bornemann war nie für den Nachwuchs verantwortlich und ist dort auch nie tätig geworden. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich für uns aus dem Urteil keine Verpflichtungen ergeben“, erklärt Präsidiumsmitglied Rolf Hildebrandt.

Ist damit die FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH in der Pflicht?

Im Oktober 2019 ist die erste Mannschaft in eine Spielbetriebs GmbH ausgegliedert worden. Damit wurden alle Verträge und das Spielrecht übernommen. Allerdings scheiterte dieses Projekt. Die Mannschaft zog sich am 29. Januar 2020 aus der Regionalliga zurück. Bei der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH handelt es sich dagegen um eine Neugründung, versichert deren Geschäftsführer Franz Gerber. Lediglich das Spielrecht, aber keine alten Verträge seien übernommen worden. „Aus diesem Grund sind wir ganz entspannt. Wir haben das juristisch prüfen lassen“, sagt Gerber.

Was sagt Insolvenzverwalter Volker Reinhardt zu dem Urteil?

Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts hat keine Konsequenzen für den Verein, ließ Reinhardt wissen. Gegenüber Bornemann sei im Zusammenhang „mit der Teilbetriebseinstellung des Profispielbetriebes eine weitere Kündigung“ ausgesprochen worden. Über diese Kündigung müsse das Arbeitsgericht erst noch entscheiden.

Wie geht es nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts weiter?
Nun müssen die Anwälte klären, wie und ob eine finanzielle Einigung zustande kommt und ob Bornemann als Sportdirektor tatsächlich zurückkehrt. Zudem ist über die weitere Kündigung noch nicht entschieden. All das macht es nicht einfacher, das Insolvenzverfahren bis zum Jahresende – wie von Reinhardt angestrebt – abzuschließen.

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