Sportler im Ilmkreis müssen andere Prioritäten setzen

Arnstadt/Ilmenau.  Juniorenweltmeister Max Barchewitz, Fußballer Benny Linse, Eishockeyspieler Florian Pietsch und Torwart Christopher Sünkel zeigen Auswege auf.

Fußballer Benny Linse ist zum Auslandspraktikum in Costa Rica.

Fußballer Benny Linse ist zum Auslandspraktikum in Costa Rica.

Foto: Privat

Durch Corona ist alles anders geworden. Das gesellschaftliche Leben kommt zunehmend zum Erliegen, nicht nur der Sport. Wir erkundigten uns bei Sportlern aus Vereinen des Ilm-Kreises wie sie mit diesen Problemen umgehen.

Junioren-Weltmeister Max Barchewitz

ist zu Hause in Geschwenda. „Also unsere Saison ist ja noch zu Ende gegangen, wenn auch etwas plötzlich.“ Max Barchewitz, der für Eintracht Frankenhain startet, feierte Ende Januar seine bisher größten Erfolge. Der 21-Jährige wurde in Lenzerheide Junioren-Weltmeister im Einzel über 15 Kilometer und holte auch noch Staffel-Silber. „Besser konnte das Jahr nicht beginnen, dann das! Nun hoffen wir alle, dass schnell wieder Normalität einzieht, wir uns alle bald auch wieder ungehindert bewegen können, gesund bleiben und jeder seinen Pflichten nachkommen kann.“ Auch Barchewitz muss sich trotz des vorzeitigen Saisonendes als Leistungssportler fit halten. „Natürlich trainiere ich etwas vermindert weiter und hatte gerade mit meiner Family eine ziemlich anstrengende Trainingseinheit im Garten, denn da gibt es ja bekanntlich im Frühjahr einiges zu tun. Bäume beschneiden, Holz hacken und hier und da was zusammenrechen. Ich war aber auch mit meinem Bruder sportlich unterwegs, mit dem Rad oder joggend durch den Wald.“

Eishockey-Stürmer Florian Pietsch

kann wie sein Bruder Tobias, der das Tor der Kickelhahn Rangers Ilmenau hütet, noch seinem Beruf nachgehen. „Ich arbeite in einem großen Feinkost- und Brotzeitgeschäft in der Braunlager Innenstadt, mein Bruder ist bei einer Garten- und Landschaftsbaufirma angestellt. Wir können beide noch arbeiten, darüber sind wir sehr froh.“ Die Eishockey-Saison hingegen ist beendet. „Etwas zu früh“, wie Florian Pietsch meint. „Dieses Wochenende hätten wir das Thüringenpokal-Turnier in Erfurt gehabt, im April wollten wir mit den Ilmenauern endlich einmal in Braunlage ein Spiel absolvieren. Das muss jetzt warten.“ Die Pietsch-Brüder gehören seit anderthalb Jahren als Gastspieler bei den Ilmenauer Cracks zum Stammpersonal. Sie reisen mit ihren drei Freunden Joshua Heister, Maximilian Stadel und Maximilian Deisting zuverlässig jedes Spiel durch Deutschlands Mitte. „Das wollen wir auch nächstes Jahr hinkriegen. Schade, dass wir uns vor der langen Pause nicht richtig verabschieden konnten. Mit solchen Umständen hat niemand gerechnet.“ Fit hält sich Florian Pietsch ganz bewusst, trotz seines Vollzeitjobs als Hausmeister: mit Joggen, Fahrradfahren oder 14-Kilometer-Inline-Skating an der Rappbodetalsperre. „Wichtig ist, dass wir alle aufpassen, und uns nicht anzustecken.“ Im Sommer will Florian Pietsch mehr Zeit mit seiner Freundin, Kumpels, der Familie und dem Hund verbringen. „Die kamen zuletzt viel zu kurz.“ Und er hat noch ein großes Ziel: „Ich möchte beim Inlineskating-Marathon in Berlin teilnehmen. Wenn das diesen Sommer nicht geht, dann hoffentlich nächstes Jahr.“

Fußball-Torwart Christopher Sünkel

vom SV 09 Arnstadt ist gar nicht begeistert über die Zeit ohne den geliebten Fußball. „Wir haben uns hart und gut vorbereitet, uns in einen guten körperlichen und mentalen Zustand gebracht, mit dem Ziel, eine gute Rückrunde zu spielen. Und dann konnten wir nur ein Spiel austragen. Wir müssen leider davon ausgehen, dass das viele Wochen so bleibt. Sünkel ist ein Vollblutfußballer, feurig und ehrgeizig. Die Situation ist auch für ihn neu. „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen. Jobs und Existenzen sind bedroht. Deswegen tritt der Fußball absolut in den Hintergrund, wir müssen jetzt andere Prioritäten setzen.“ Fit hält sich der Keeper dennoch, nicht nur weil der Trainer das kontrolliert. „Es gab bei uns Überlegungen, sich in kleinen Laufgruppen von zwei bis vier Leuten zu treffen. Aber nach Rücksprache auch mit einzelnen Spielern haben wir uns dagegen entschieden und jeder sollte für sich möglichst fit bleiben. Wir sollten da dem Rat der Experten einfach mal folgen und möglichst viele Kontakte vermeiden, alles andere wäre irgendwie auch egoistisch, verantwortungslos und stur.“ Allein zu trainieren, fällt dem 29-jährigen Hünen nicht ganz leicht. „Ich persönlich bin sicher nicht der fleißigste, muss meinen inneren Schweinehund besiegen. Deswegen habe ich mir in unserem Vereinsheim ein paar Trainingshilfen geholt, um nicht nur stupide Läufe abspulen zu müssen. Ich habe noch die gute, alte Gymnastikmatte für Stabilisations- und Kraftübungen, mache da zusätzlich mindestens alle zwei Tage nebenher 60 Minuten lang was, um nicht einzurosten.“ Außerdem läuft Sünkel täglich 40 bis 45 Minuten. „Ich habe eine passende Runde gefunden, die ist etwa acht Kilometer lang.“

Fußball-Weltenbummler Benny Linse

nahm im Februar eine Auszeit beim Fußball-Thüringenligisten SpVgg. Geratal, um im Rahmen eines Auslandspraktikums nach Costa Rica zu reisen und dort an der deutschen Schule in der Hauptstadt San José zu unterrichten. Der 29-jährige Erfurter wollte in Zentralamerika zudem gerade jetzt mit „Spirits of Football“ und unterstützt von der Friedrich-Ebert-Stiftung das Projekt „The Ball Costa Rica 2020“ ins Leben rufen. „Wir hatten schon alles geplant. Dieser Tage wollten wir starten. Es gab bereits feste Absprachen mit einer costa-ricanischen Fußballerin, die in Paris Fußball spielt und nun nach Saisonschluss in ihre Heimat reisen wollte. Sie kommt aber aus Frankreich einfach nicht raus“, teilte Benny Linse gestern aus San José mit. Ihm geht es gut, aber die Situation ist auch in Costa Rica derzeit enorm angespannt. Die Vorsorgemaßnahmen sind wie weltweit auch in Zentralamerika riesig. „Auch in Costa Rica dürfen die Schulen nur noch online den Unterricht gewährleisten.“ Benny Linse will dennoch aushalten. „Ich werde bis Juli hier bleiben, verfolge die Entwicklung in der Heimat aber auch sehr genau. Wir müssen jetzt alle sehr vorsichtig sein und durchhalten.“