Thüringenligisten schauen nach Bad Blankenburg

Gera.  Vereine der Ostthüringer Region plädieren immer stärker für einen Saisonabbruch und baldigen Neuanfang

Wohl auch in der neuen Thüringenliga-Saison werden sich Wismut Gera mit Torjäger Rico Heuschkel (r.) und der SV 1879 Ehrenhain mit seinen Abwehrrecken Kai Müller und Andy Knutas (v.l.) begegnen.

Wohl auch in der neuen Thüringenliga-Saison werden sich Wismut Gera mit Torjäger Rico Heuschkel (r.) und der SV 1879 Ehrenhain mit seinen Abwehrrecken Kai Müller und Andy Knutas (v.l.) begegnen.

Foto: Jens Lohse

Bei den hiesigen Fußball-Thüringenligisten herrscht vor dem außerordentlichen Verbandstag am 18. Juli weiterhin Ungewissheit.

Erst an diesem Tag entscheidet der Thüringer Fußballverband, wie es mit der Saison 2019/20 weitergeht. Deshalb hängt man auch beim SV 1879 Ehrenhain in der Luft, der in der Tabelle derzeit Platz zwei einnimmt.

„Wir plädieren für einen Abbruch. Ansonsten hätten wir nach dem Aufstieg des FC An der Fahner Höhe noch ein Heimspiel weniger in der Rückrunde. Das ist für den Verein inakzeptabel“, so Trainer Jörg Böckel, der mit einem Trainingsauftakt für den 23. Juli plant. Viele andere Dinge sind aber auch noch ungeklärt.

In Sachsen zum Beispiel hat sich nach dem dort bereits verkündeten Saisonabbruch und der Bekanntgabe der Aufsteiger aus den Landesklassen bereits eine Mammut-Verbandsliga mit 21 Teams formiert. Ähnliches könnte auch in Thüringen passieren.

„Das muss dann nach der Entscheidung am 18. Juli in Bad Blankenburg alles ganz schnell gehen“, weiß Jörg Böckel, der darauf hofft, in Ehrenhain fast ohne Abgänge zu bleiben. Nur Florian Schmidt hatte schon zu Beginn der Coronakrise um Vertragsauflösung gebeten. Torwart-Routinier Eric Fleißner plant, ins Trainerteam zu wechseln.

Wismut: Unrühmlicher Umgang

Turbulente Tage hat man beim Tabellenvierten BSG Wismut Gera hinter sich. Die Orange-Schwarzen hatten sich an die Spitze der Saisonabbruch-Bewegung gestellt und liebäugelten bis zuletzt mit einer Rückkehr in die Oberliga Süd. Doch nach der Last-Minute-Entscheidung des FC An der Fahner Höhe – entgegen allen vorherigen Bekundungen im Falle eines Abbruchs doch noch im diesem Sommer aufzusteigen – ließen die Verbände die Geraer um ihren engagierten Präsidenten Frank Neuhaus wie eine heiße Kartoffel fallen.

Nicht einmal eine persönliche Information erhielt der Funktionär nach der Entscheidung der NOFV-Oberen. „Es ist schockierend, wie da mit uns umgegangen wurde“, äußerte sich Frank Neuhaus beim Wismut-Sponsorentreffen am Donnerstag, bei dem eine gewisse Aufbruchstimmung vermittelt wurde. Dabei hat man im Stadion am Steg während der Coronakrise gute Arbeit geleistet. Alle Sponsoren haben zur Stange gehalten. Sogar neue Verträge mit Förderern stehen in Aussicht. Finanzielle Verbindlichkeiten wurden durch enorme Fleißarbeit im Vorstand beseitigt, die Verträge mit den Spielern verlängert. „Spätestens 2021 zum 70. Geburtstag des Vereins wollen wir wieder in der Oberliga sein. Dort gehören wir hin. Dazu haben sich auch Trainer und Spieler klar bekannt“, so Frank Neuhaus.

Der 14. Juli bleibt der Termin des Trainingsauftakts in Gera. Testspiele sind seit 1. Juli ohne Zuschauer möglich. „Wir rechnen mit einem Saisonstart in der ersten September-Woche, wobei Spiele ohne Publikum keinen Sinn ergeben. Die Rahmenbedingungen dafür muss der Verband mit der Politik aushandeln“, blickt auch Trainer Marcus Dörfer nach Erfurt. Drei Zugänge haben die Orange-Schwarzen im Auge. Doch auch hier wird alles durch das Urteil des Verbandstags am 18. Juli bestimmt.

Seit vier Wochen am Ball

„Auch wir bewegen uns derzeit im luftleeren Raum. Seit vier Wochen trainieren wir wieder einmal in der Woche. Fußballtennis, Passformen – alles erfolgt sehr spaßbetont. Wir haben meist 18 Spieler vor Ort. Alle sind heiß auf Fußball“, sagt Westvororte-Co-Trainer Philipp Schlebe, dessen Team derzeit Tabellenelfter ist. Der Vertrag mit Trainer Frank Schäfer wurde verlängert.

Am 25. Juli soll der offizielle Trainingsauftakt vollzogen werden. Erste Testspiele hat man ins Auge gefasst, will sich mit dem Meeraner SV, Glauchau, Bad Köstritz und Roschütz messen. Drei Abgänge waren nicht zu verhindern. Niklas Sander wechselt nach zwei Jahren bei Westvororte zum FSV Grün-Weiß Stadtroda. Franz Gruber (zum SV St. Gangloff) und Jakub Dudko (zum Post SV Gera) kehren zu ihren Heimatvereinen zurück. Auch in der Saarbach-Arena will man den Saisonabbruch, allerdings auch ins neue Spieljahr unbedingt mit Zuschauern starten.

Innovative Wege in Weida

So sieht man die Sache auch bei der SG Thüringen Weida (15.). In der Osterburgstadt geht man nach der Wahl des neuen Präsidiums mit Präsident Hendrik Pohland an der Spitze neue innovative Wege. Nicht nur, dass man eine ambitionierte Frauenmannschaft in den Spielbetrieb eingliedern will, der Sportliche Leiter Christian Gerold hat auch die Verträge der Spieler auf Vordermann gebracht.

Noch stärker als bisher setzt man auf Kicker aus Weida um Umgebung. Verlängert hat man bereits mit Patrick Leutloff, Tobias Metzner, Christopher Lätz, Robert Müller, Nick Pohland, Kai Schumann, Maximilian Wetzel, Christoph Haase, Tsvetan Mihov und Marc Zausch. Das Traineramt hat Hendrik Penzel übernommen. Mit Sedric Haubner (Wismut Gera), Robin Paulick (JFC Gera) und Pascal Kache (eigener Nachwuchs) präsentierte man drei junge Zugänge. „Wir haben gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Es ist ein gutes Gefühl, wenn unser zuletzt meist dünner Kader aufgefüllt wird“, sagt Trainer Hendrik Penzel, der mit seinem Team am 4. August offiziell in den Trainingsbetrieb einsteigen will.

Zuvor haben sich die Spieler nach individuellen Vorgaben vorbereitet. „Wir müssen aufpassen und dosiert trainieren. Schließlich waren auch die Spieler fast fünf Monate im Lockdown. Da ist die Verletzungsgefahr groß“, weiß der Weidaer Coach, der wie alle Verantwortlichen am 18. Juli gespannt nach Bad Blankenburg blickt.