Thüringer Fußball ruht wegen Corona-Pandemie bis 23. Januar 2021

Erfurt.  Kein Spielbetrieb mehr in diesem Jahr in Thüringenliga und Landesklasse. Hauptziel von Verband und Vereinen bleibt es, zunächst die Hinrunde zu Ende spielen zu können.

Sven Wenzel, Vorsitzender des Spielausschusses des Thüringer Fußball-Verbandes.

Sven Wenzel, Vorsitzender des Spielausschusses des Thüringer Fußball-Verbandes.

Foto: Sascha Fromm

Nein, den Ausweg aus der Ausweglosigkeit vermag auch Sven Wenzel nicht zu weisen. Das wäre vermessen. Aber ein kleines Licht in ungewisser Zeit hat der Vorsitzende des Spielausschusses des Thüringer Fußballverbandes (TFV) anzünden können. Immerhin. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Mehr noch als mit der nahe liegenden Entscheidung, den Spielbetrieb in Thüringenliga und Landesklassen in diesem Jahr nicht mehr aufzunehmen, sind die Hoffnungen des Thüringer Fußballs mit dem Datum des 23. Januars verknüpft. Frühestens dann soll es mit den Punktspielen weitergehen, um den Mannschaften im Fall des Falles wenigstens eine Vorlaufzeit von zwei Wochen einräumen zu können. Neben der Hoffnung bleibt freilich die Ungewissheit, weil über allem letztlich die Frage der politischen Entscheidung schwebt. „Wir verstehen den 23. Januar zunächst als Signal an die Vereine“, sagt Wenzel.

Mit seinem Spielausschuss hatte er sich vor der Entscheidung vom späten Freitagabend ein landesweites Meinungsbild verschafft – mit einem acht Fragen umfassenden Papier an die Vereine und zwei vorgeschalteten Online-Videokonferenzen, eine mit den Thüringenligisten und eine mit Landesklässlern. Man habe die Sache getrennt, weil die Zeitfenster verschieden sind – die einen haben 34 Spieltage zu absolvieren, die anderen nur 30.

Die Alternativen waren begrenzt

Es gab weitgehend Konsens. Was auch sonst, mag man einwenden. Die Alternativen waren ja begrenzt. „Die Politik hat es so entschieden, anders als im Sommer hatte der Thüringer Fußball keinen Einfluss darauf“, sagte Christian Stieglitz, Trainer von Thüringenliga-Aufsteiger FC Erfurt Nord.

Und doch darf es der Verband nach den Zerreißproben und Kratzern des Sommers als Erfolg werten, in dieser wichtigen Planungsfrage, so ergebnisoffen sie auch bleibt, weitgehend Gemeinsamkeit erreicht zu haben. „Sehr positiv finde ich, dass diesmal eine Entscheidung unter Einbeziehung aller Vereine getroffen wurde“, sagt Ronny Koch, Geschäftsführer des FSV 06 Ohratal und lobt Wenzels Präsentation der verschiedenen Saisonmodelle, die zunächst aber erst einmal nur Gedankenspiele sind.

Einig sind sich alle, dass die Saison, wenn möglich, am 23. Januar mit dem 10. Spieltag der Thüringenliga und dem achten der Landesklassen weitergeht – also an der Stelle, wo sie Anfang November unterbrochen werden musste. „Der 23. Januar ist zwar sehr optimistisch angelegt, vom Grundgedanken her aber absolut nachvollziehbar“, sagt Louis Rochler, Trainer des Landesklässlers TSG Kaulsdorf.

Erste Halbserie unter Dach und Fach zu kriegen, sei erste Fußballerpflicht

Denn das ist der Strang, an dem ausnahmslos alle ziehen und das auch noch in die gleiche Richtung: Die erste Halbserie komplett zu Ende gespielt unter Dach und Fach zu kriegen sei erste Fußballerpflicht. „Unser wichtigstes Echo, unser größter Konsens“, sagt Wenzel. Was danach kommt, liegt freilich im Nebel wie dieses erste Adventswochenende. Wie eine zweite Halbserie aussieht, wann sie gespielt werden kann und welches Format in ihr angewendet wird, hängt einmal mehr vom Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen politischen Entscheidungen ab.

Während Ronny Koch vom FSV Ohratal eine Quotientenregelung favorisiert mit der Maßgabe, so viele Spieltage zu absolvieren, wie möglich sind, könnte sich Wismut Geras Trainer Marcus Dörfer Auf- und Abstiegs-Playoffs als sportlich faire Lösung vorstellen und sieht eher den März als realistischen Wiederbeginn der Saison.

So lange wie möglich spielen und nicht nur auf die Hinrunde schauen möchte Matthias Springer, Präsident von Eintracht Sondershausen. Springer ist froh, nun wenigstens etwas Planungssicherheit zu haben und ist sich mit Kaulsdorfs Trainer Louis Rochler einig, dass es so schnell wie möglich wieder losgehen möge. Dass alle Spieltage noch absolviert werden können, glaubt Springer aber eher nicht.

„Es war für alle kein schönes Jahr“, sagt Erfurt Nords Trainer Christian Stieglitz und schwankt in der Zwangspause zwischen Ungeduld und willkommenem Luftholen. Sein Kollege Roger Fritzsch vom Ligarivalen FSV Schleiz teilt die beklemmende Ohnmacht: „Obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche, als so schnell wie möglich auf den Platz zurückzukehren, habe ich momentan einfach kein Gefühl dafür, wann das sein wird.“

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