Thüringer Sport vor der Rückkehr zur Geisterkulisse

Erfurt.  Das Eichsfeld untersagt den Wettkampfbetrieb, die Regionen Hildburghausen, Sömmerda und Erfurt verbannen Zuschauer wieder aus dem Sport. Die Branche bangt.

Langweilig: Sportveranstaltungen ohne Zuschauer drohen mehreren Regionen in Thüringen.

Langweilig: Sportveranstaltungen ohne Zuschauer drohen mehreren Regionen in Thüringen.

Foto: René Röder

Der Landessportbund (LSB) appelliert mit Nachdruck an seine gut 3000 Mitgliedsvereine, weiter verantwortungsvoll mit den Infektionsschutzmaßnahmen umzugehen. Die Politik zieht regional Konsequenzen nach den steigenden Coronafällen. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Der Landkreis Eichsfeld hatte vorige Woche verfügt, Sportanlagen für den Wettkampfbetrieb zu schließen. Sömmerda lässt Sport im Freien zu und in Hallen noch mit bis zu zehn Leuten, verbietet aber Zuschauer wie inzwischen auch der Kreis Hildburghausen. Die Stadt Erfurt hat genauso auf die in den roten Bereich gestiegenen Infektionszahlen reagiert und untersagt bis Ende November Publikum bei Sportveranstaltungen. Als „rote Zone“ aufgrund einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 gelten zudem das Altenburger Land, der Saale-Holzland-Kreis, Schmalkalden-Meiningen, der Unstrut-Hainich-Kreis und Jena. Der Sport zittert.

Fehlende Planbarkeit und fehlende Einnahmen

Um eine generell drohende Zwangspause abzuwenden, hat die Aufrechterhaltung des Trainings- und Wettkampfbetriebes für den Landessportbund Priorität, er bedauert indes das Zuschauerverbot. Wettkämpfe und Spiele lebten von Emotionen, Freude und Motivation durch die Fans. Zudem stünden Vereine erneut vor fehlender Planbarkeit und fehlenden Einnahmen.

Die Unsicherheit macht führenden Klubs zu schaffen. Michael Panse, Präsident der Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen, zeigt aufgrund der kritischen Lage Verständnis für den Besucherstopp. Sein Bundesliga-Team aber treffe die Rückkehr zur Geisterkulisse in Erfurt hart. Der Aufwand ist so gut wie der gleiche, den der Verein mit rund 40 Helfern am Spieltag stemmen muss, um die Halle herzurichten sowie um Vorsichtsmaßnahmen umzusetzen. Die Einnahmen aber liegen bei null. Am schwierigsten sei es aber für die Mannschaft selber, ohne die psychologisch starke Kraft von den Rängen in die Spiele zu gehen.

Millionen-Hilfspaket für Thüringer Top-Vereine

„Schade, aber wir werden in den sauren Apfel beißen müssen“, akzeptiert Panse die Entscheidung und zieht Parallelen. Die Hälfte der Volleyball-Bundesliga der Frauen spiele bereits ohne Zuschauer. Nicht alle werden von ihren Ländern unterstützt wie die Top-Vereine durch die Thüringer Regierung mit einem Sechs-Millionen-Hilfspaket. Und überhaupt: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir noch Sport machen dürfen“, so Panse.

Während der Diskussion in Erfurt sollen stärkere Einschnitte thematisiert worden sein. Eine landesweit neue Verordnung für den Sport in Thüringen scheint zunächst vom Tisch, nachdem Landessportbund und Sportministerium am Montag beraten hatten. Die Frage ist, wie verhält sich die Bundesregierung nach der Bund-Länder-Runde?

LSB-Präsident Stefan Hügel hofft, dass es nicht flächendeckend und dauerhaft zu erneuten Einschränkungen für den Sportbetrieb kommt. „Gerade in der aktuellen Situation ist der Stellenwert des Sports umso wichtiger“, warb er für dessen Erhalt und hielt die Vereine dazu an, „diszipliniert alle notwendigen Hygienevorkehrungen umzusetzen und vorsichtig zu bleiben“.

Kritisch betrachtet der LSB regional unterschiedliche Maßnahmen durch Landrats- und Gesundheitsämter wie den pauschalen Wettkampfstopp im Eichsfeld bis 31. Oktober. Er wirbt dafür, sich mit Kreis- und Stadtsportbünden vor Ort in Verbindung zu setzen. „Oft können strengere Maßnahmen wie das Tragen von Mund-Nasen-Masken in bisher nicht notwendigen Bereichen, das Einschränken von Zuschauerzahlen oder das Sperren von Duschbereichen ein Schließen des Sportbetriebes verhindern.“

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