Interview der Woche

Tobias Busse: „Eine Liga höher zu schauen, erfordert noch einiges mehr“

Geraberg.  Tobias Busse, der Trainer des FC An der Fahner Höhe über Serien, den Pokal-Knaller gegen den FC Carl Zeiss, einen möglichen Oberliga-Aufstieg und die Konkurrenz

Tobias Busse, der Trainer FC An der Fahner Höhe gibt die Richtung vor

Tobias Busse, der Trainer FC An der Fahner Höhe gibt die Richtung vor

Foto: René Röder

Tobias Busse ist Master der Sportwissenschaften an der Technischen Universität in Ilmenau und dort tätig als Sportlehrkraft. Er plant Kurse und Belegungspläne für örtliche Vereine und Uni-Sportangebote, da besonders für Spiel- und Kampfsport. Der 38-jährige einstige Rot-Weiß-Fußballer trainiert seit Juli 2017, in Nachfolge von Albert Krebs, nun in der dritten Saison den Fußball-Thüringenligisten FC An der Fahner Höhe. Er wohnt in Elxleben bei Erfurt, arbeitet in Ilmenau und trainiert in Dachwig. Und er hat richtig Erfolg. Noch nie schaffte der Verein unter ihm eine solch beeindruckende Serie von elf unbesiegten Spielen in Folge. Fahner Höhe ist Spitzenreiter der Thüringenliga. Was seine Mannschaft auszeichnet, was noch geht und ob auch die Oberliga ein Ziel sein könnte, verrät er im Gespräch.

In Geraberg haben Sie mit Ihrem Team das vierte Mal in Folge gewonnen. Insgesamt war es seit dem 3:2 zum Saisonstart in Arnstadt der neunte Erfolg und nach elf Spielen sind Sie bei zwei Unentschieden weiter unbesiegt – unheimlich!

Wir sind gut drauf, wollten in Geraberg was mitnehmen, unsere Tabellenführung festigen. Es war knapp, nicht unheimlich, aber verdient.

Das Comeback der SpVgg. Geratal nach dem Fast-Aus im Sommer ist auch nicht ohne.

Dass sie sich sportlich so gefangen haben, war nach dem großen Umbruch im Sommer nicht zu erwarten, weil ja nur fünf sechs Spieler blieben.

Mit Zugang Al-Saeed standen immerhin sechs Spieler in der Startformation, die letztes Jahr noch Kreisoberliga spielten…

…Beachtlich, zeigt auch was möglich ist, wenn man seine Möglichkeiten ausschöpft. Geratal hat das gegen uns sehr gut gemacht. Ihr bester Mann war der Torhüter, auch wenn wir den irgendwie berühmt geschossen haben. Die haben richtig gute Fußballer, wenn ich an Paradies, Brandl, oder Thorwarth denke. Und wenn ein Bischof mit nach vorn geht, dann brennt schon die Luft.

Dennoch blieb es trotz zwei Lattentreffer ihrer Mannschaft bis zum Schluss ganz knapp.

Geratal hat alles versucht. Wir wussten, was uns hier erwartet. In den letzten Jahren waren wir jeweils in der ersten Hälfte stärker, diesmal nach der Pause. Wir hätten aber die Sache schon viel früher klar machen müssen.

Was machte den Unterschied aus?

Ich glaube schon, dass die spielerische Note entschieden hat. Wir haben in den letzten Wochen, gerade auch mit einer Führung im Rücken nicht so zielstrebig agiert, waren da zu passiv. Das war hier anders. Wir lagen zurück und haben vor allem nach der Pause enorm zulegen können, uns spielerisch unsere Chancen erarbeitet, den Ball schnell laufen lassen und so auch schnell ausgeglichen.

Unabhängig vom starken Abschluss Robert Lischkes, war der Ausgleich und noch mehr die Führung durch Carlo Preller stark von Gerataler Abwehrfehlern begünstigt.

Das war aber auch unserer enormen Tempoverschärfung in dieser Phase geschuldet. Die Abschlüsse waren perfekt.

Die Gerataler bemängelten die Härte. Barchewitz schied durch einen Ellenbogencheck mit dicker Lippe aus, Al-Saeed nach einem Foul mit Knöchelverletzung. War’s zu ruppig?

Das gehört auch dazu. Die Verletzungen waren eher unglücklich, keinesfalls absichtlich. In einem solch intensiven Spiel geht es schon mal etwas härter zu – es war nicht unfair.

Was läuft noch nicht so?

Ganz klar, die Effektivität im Abschluss. Da müssen wir uns stark verbessern.

Personell perfekt besetzt sind Sie im Moment aber auch nicht?

Mit Machts hat uns ein Leuchtturm vorn gefehlt. Trübenbach durch Kreuzbandriss, Walter mit Muskelfaserriss fehlt schmerzlich. Was den Erfolg auch begründet, ist eine größere qualitative Breite im Kader. Das hat uns in den letzten Jahren gefehlt. So können wir das viel besser kompensieren.

Elf unbesiegte Spiele in der Thüringenliga, fünf Punkte Vorsprung, Tabellenführer. Das spricht eigentlich für eine Spitzen-Mannschaft. Sind Sie eine?

Da fehlt schon noch einiges. In dieser Liga machen wir das sehr gut. In den bisherigen elf Spielen waren wir fußballerisch immer die bessere Mannschaft. Von daher müssen wir auch so selbstbewusst sein und sagen, wir sind ein Spitzenteam für diese Liga. Aber wir wollen uns damit auch nicht zufriedengeben, machen aus unseren Chancen noch zu wenig. Einer echten Spitzenmannschaft gelingt da mehr. Eine Liga weiter hoch zu schauen, das erfordert eine noch bessere Umsetzung. Das erfordert wirklich eine Spitzenmannschaft.

Ist das der Aufstieg in die Oberliga ein Thema?

Im Moment noch nicht. Wir beschäftigen uns wirklich nicht damit. Wir müssen das im Winter wirklich machen, weil wir ja bis Ende März melden müssten. Wir haben jetzt noch vier Spiele bis zur Winterpause. In zwei Wochen das Viertelfinalpokal-Spiel gegen Carl Zeiss Jena, was für den Verein eine große Herausforderung ist. Wir haben die Nähe zu Erfurt, spielen gegen Jena. Da soll alles stimmen. In Sachen Sicherheit Organisation. Das ist eine Bewährungsprobe, ob das Umfeld schon für höheres taugt. Ich versuche das von der Mannschaft fern zu halten. Wir wollen ein Pokalfest und dann auch erfolgreich in die Winterpause rutschen.

Ist ein Aufstieg überhaupt lohnend, wenn man sieht, wie sehr sich gerade Martinroda müht, vor Jahren auch Gotha oder Eisenach sich schwertaten, besonders nach den Abstiegen enorm zu kämpfen hatten, wieder ins Gleichgewicht zu kommen?

Der Schritt Oberliga ist schon noch einmal ein großer Sprung. Das müssen auch alle wollen. Die Spieler besonders. Man muss mindestens dreimal in der Woche trainieren, lange Fahrten in Kauf nehmen. Ich habe regen telefonischen Kontakt zu Robert Fischer in Martinroda, weiß, dass das nicht jeder Spieler so annimmt oder kann. In Martinroda kam auch Pech hinzu, dass sich ganz wichtige für die Mannschaft unersetzbare Spieler lang verletzt ausfielen. Rudi Müller zum Beispiel. Ein typischer Oberliga-Spieler, der beißen kann, Zweikämpfe sucht. Alle drei Torhüter waren schon je zweimal verletzt oder gesperrt. Da kommt keine Ruhe rein. Für diese Klasse muss vieles stimmen. Da braucht man auch Glück. Spielerisch ist die Oberliga nicht wahnsinnig viel besser, als das was Martinroda letzte Saison gespielt hat. Und wenn man elf Spiele nicht gewinnt, wird es zudem immer schwieriger.

Vor vier Jahren verzichtete Ihr Verein als Vizemeister in die Oberliga aufzusteigen. War das wirklich gut so?

Als Trainer hat man natürlich den Leistungsgedanken, wenn du Erster wirst, auch eine Liga höher zu gehen. Wir sind ein kleiner Verein aus der Nähe Erfurts, der vor Jahren von der U23 des FC Rot-Weiß profitiert hat. Die gibt es seit drei Jahren nicht mehr. Es gibt auch längst nicht mehr so viele Spieler in Erfurt und Umgebung. Das macht es für kleinere Vereine im Umkreis nicht einfach. Auch Arnstadt hat ja Ambitionen höher zu spielen, zieht gute Leute an. Wie schon gesagt. Vieles muss stimmen, der Schritt wohl bedacht sein.

Sie arbeiten In Ilmenau, verfolgen Sie da auch die Situation bei Germania im Hammergrund?

Sehr! Ich bin oft im Hammergrund. Dieses Stadion, diese Tradition. Da kann man sich nur wünschen, dass der Totalabsturz verhindert werden kann. Horst Grohmann allein wird das nicht schaffen. Es ist eine Studentenstadt mit perfekter Infrastruktur. Firmen siedeln sich an. Da müssten doch Kräfte auch mit anderen Vereinen zu bündeln sein. Dann könnte sich wieder was bewegen. Unerklärlich, warum das einfach nicht gelingt.

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