Trainerin Nikoleizig: „Bin beim Rollstuhlfechten eine Lernende“

Nordhausen.  Susanne Nikoleizig ist Trainerin beim FSC Nordhausen. Mit dem Rollstuhlfechten hat sie und der Verein schon länger geliebäugelt.

Der Fechtsportclub Nordhausen unter Trainerin Susanne Nikoleizig integriert die erste Wettkampfmöglichkeit für SportlerI und Sportlerinnen mit Behinderung in Nordhausen. 

Der Fechtsportclub Nordhausen unter Trainerin Susanne Nikoleizig integriert die erste Wettkampfmöglichkeit für SportlerI und Sportlerinnen mit Behinderung in Nordhausen. 

Foto: Christoph Keil

Der FSC Nordhausen hat ein inklusives Pilotprojekt gestartet und bietet Rollstuhlfechten an. Im Interview der Woche spricht Vereinstrainerin Susanne Nikoleizig über diesen ungewöhnlichen Sport, einen weltmeisterlichen Besuch und ein Turnier in besonderen Zeiten.

Der FSC Nordhausen bietet Rollstuhlfechten an. Wie kam es dazu?

Rollstuhlfechten gehört zu den paralympischen Sportarten. Das ist ganz interessant, weil es nicht allzu viele Sportarten gibt, die man mit einem Rollstuhl betreiben kann. Mit dem Rollstuhlfechten haben wir als Verein schon länger geliebäugelt. Beruflich hatte ich mit Gina (Gina Maria Schneevoigt, Anmerk. d.Red.) ein Mädchen in der physiotherapeutischen Behandlung, deren Bruder Paul bei uns gefochten hat, wodurch mir die Idee kam, mit ihr Rollstuhlfechten anzufangen. Gina hat sich über mein Angebot sehr gefreut, sie war Feuer und Flamme.

Gina soll aber nicht die einzige Rollstuhlfechterin bleiben...

Ich dachte mir, wenn man einen hat, dann kann man das Angebot auch für andere Kinder öffnen. Weil es im Landkreis keine sportlichen Angebote für Rollstuhlfahrer gibt.

Gibt es Auflagen, die für das Rollstuhlfechten erfüllt werden müssen?

Wir brauchen einen rollstuhlgerechte Halle. Die Wertherhalle ist mehr oder minder rollstuhlgerecht. Es müssen Schwellen überschritten werden. Dazu brauchen wir Fechtrollstühle. Dahingehend sind wir auf einem guten Weg. Bis Ende Oktober brauchen wir einen für Gina, weil sie eine Einladung zu einem bundesweiten Lehrgang in Tauberbischofsheim erhalten hat. Dieser viertägige Lehrgang dient der Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften.

Diese Einladung hatte Ihnen Holger Haupt bei einem Besuch überreicht. Was war sein Anliegen?

Holger Haupt ist sehr engagiert, er verantwortet den Thüringer Rollstuhlfechtsport. Sein Sohn Julius aus Weimar ist international ein sehr erfolgreicher Rollstuhlfechter. Daher ist Holger Haupt sehr interessiert daran, dass es noch weitere Rollstuhlfechter in Thüringen gibt. Er möchte uns auf diesem Weg gern unterstützen. Ich bin optimistisch, dass wir weitere Kinder und Jugendliche dafür begeistern können.

Wie soll diese Unterstützung aussehen?

Es gibt relativ wenig Rollstuhlfechter in Deutschland. Sie können international relativ schnell erfolgreich werden. Bei Gina ist Holger Haupt optimistisch, dass sie es nach oben schaffen kann, wenn sie regelmäßig trainiert. So wird er mit seinem Sohn Julius einmal im Monat nach Nordhausen kommen, damit sein Sohn und Gina gemeinsam trainieren können. Mir fehlt die Erfahrung beim Rollstuhlfechten. Ich kann Fechter trainieren – das Rollstuhlfechten ist für mich aber Neuland. Da kann ich als Trainerin noch viel lernen. Und da habe ich bei ihrem letzten Besuch sehr viel mitnehmen können.

Und was war das konkret?

Die Rollstuhlfechter arbeiten gar nicht so sehr mit dem Handgelenk, sondern mit dem Oberkörper. Deshalb haben sie eine verkürzte Rückenlehne. Sie arbeiten ganz viel aus dem Rücken heraus. Sie müssen fast eine Brücke rückwärts können, damit sie sich dem Treffer entziehen und sich dann aus der Rücklage nach vorn schieben, um den Treffer zu setzen. Das waren für mich ganz neue Aspekte.

Holger Haupt hatte noch viel mehr im Gepäck. Über was dürften Sie sich noch freuen?

Er hat uns die alte Rollstuhlbahn aus Weimar mitgebracht, wo die Rollstühle arretiert werden und wir unter Wettkampfbedingungen ordentlich trainieren können. Sie wird bei unserem Turnier am 21. und 22. November erstmals zum Einsatz kommen. Wir können unser Turnier für Rollstuhlfahrer öffnen, wo dann auch ein Julius Haupt teilnehmen kann.

Wie sehen die aktuellen Turnier-Planungen aus?

Ich bin sehr skeptisch, ob wir das Turnier durchführen können. Wir haben das Hygienekonzept vom Deutschen Fechter-Bund (DFB), darüber hinaus will der Landesverband ein eigenes Konzept erstellen. Am Ende werden wir nach aktueller Infektionslage eine Entscheidung treffen müssen.

Wo sehen Sie Risiken?

Andere Landesverbände haben noch keine Turniere ausgeschrieben. Die Sicherheit aller Teilnehmer steht an oberster Stelle. Wir erwarten nach der langen Wettkampfpause ein sehr großes Starterfeld. Wir werden enorm viel Zeit für eine optimale Vorbereitung in unser Turnier investieren müssen, aber wir wissen nicht, ob es stattfinden kann. Das ist eine große Herausforderung.

Wie könnte aus Ihrer Sicht der erste Wettkampftag ablaufen?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Jahrgänge nacheinander fechten und wir einen Marathontag veranstalten. Beginnend mit der U 11, anschließend die U 13 und abschließend die U 15. So hätten wir immer nur eine Altersklasse in der Halle. Den jungen Fechtern könnten wir so trotzdem die Möglichkeit für ein Turnier eröffnen. Das würde für uns als Veranstalter zwar ein sehr anstrengender Tag werden, aber so könnten wir das Risiko minimieren. Der zweite Tag verläuft mit den Junioren und den Erwachsenen generell immer etwas ruhiger.