Trainerwechsel beim FC Eisenach

Eisenach.  Paukenschlag beim Fußball-Landesklasseteam der Wartburgstadt: Sebastian Ruch tritt die Nachfolge von Werner Heidemüller an.

Sebastian Ruch (links) hat nun das Traineramt des Landesklasse-Team übernommen und den Männern des FC Eisenach kürzlich neue Winterjacken mitgebracht..

Sebastian Ruch (links) hat nun das Traineramt des Landesklasse-Team übernommen und den Männern des FC Eisenach kürzlich neue Winterjacken mitgebracht..

Foto: A. Zais

Wann Eisenachs Landesklasse-Fußballer wieder das Mannschaftstraining aufnehmen können, steht in den Sternen. Sicher ist aber, dass dann ein neuer Coach die Anweisungen gibt. Wie der Verein am Mittwoch bekanntgab, tritt Sebastian Ruch die Nachfolge von Werner Heidemüller an. Zuvor hatten Vorstand und bisheriger Coach „in beiderseitigem Einvernehmen“ die Zusammenarbeit beendet.

Mit dem 36-jährigen Hessen übernimmt ein im Westthüringer Raum weitgehend unbeschriebenes Blatt die sportlich angeschlagene Mannschaft. Nur wer den Fußball im Bad Hersfelder Raum oder die Kreisoberliga Erfurt-Sömmerda verfolgt, wo er zuletzt bei den Sportfreunden Marbach kickte und noch immer für deren Ü 35 auf dem Feld steht, kennt den Namen Sebastian Ruch. Unterstützt wird Ruch künftig von Andreas Kraiczi, der schon unter Vor-Vorgänger Michael Offenhaus als Co-Trainer fungierte. „Wir haben uns mit dem Vorstand zusammengesetzt und haben nach kurzer Überlegung relativ schnell zugesagt“, erklärt Ruch. Ihm sei durchaus bewusst, auf was er sich da eingelassen hat. „Die Aufgabe ist aus doppelter Sicht schwierig“, verweist Ruch erstens auf die kritische Tabellensituation – mit nur drei Punkten steht Eisenach auf einem Abstiegsplatz – und zweitens auf die coronabedingten Fragezeichen. Schließlich ist nicht nur offen, wann es weitergeht, sondern auch mit welchem Modus. Falls bloß die Hinrunde gespielt würde, wäre die Ausgangslage für den FCE noch prekärer.

Zumindest weiß Ruch bereits, wo die Stärken und Schwächen der Mannschaft liegen. Er habe bis auf das Kaltennordheim-Spiel, das 2:3 verloren ging, alle Heimpartien im Wartburgstadion gesehen. Der Grund: Ruch, der in Eisenach eine Versicherungsagentur betreibt, unterstützt den Club seit einigen Wochen als Sponsor. Den kompletten Männerbereich stattete er mit Winterjacken aus. Dass sich die Spieler aber nicht nur wegen niedriger Temperaturen warm anziehen müssen, lässt er durchklingen. „Wir müssen die nächsten Wochen nutzen, um die Fitness aufrecht zu erhalten und wenn möglich sogar zu verbessern, denn im gemeinsamen Training werden wir nicht viel Zeit haben, um uns vorzubereiten“, so Ruch. Deshalb soll in der geplanten virtuellen Mannschaftsrunde ein individuelles Programm für den Winter besprochen werden. Im Aufgebot werde sich voraussichtlich nichts ändern. „Wir haben mit allen Spielern geredet und gehen davon aus, dass in der Winterpause keiner geht“, sagt Ruch. Er besitzt den Trainer-C-Schein und war mal in einem DFB-Stützpunkt tätig, doch im Männerbereich hat er als Coach noch keine Erfahrung.

Für Heidemüller bleibt als Fazit, dass aller guten Dinge nicht immer drei sind. Nachdem er bereits von Dezember 1999 bis 2001 und in der Saison 2005/06 beim damaligen FC Wartburgstadt das Sagen hatte, endete sein drittes Engagement auf der Eisenacher Trainerbank diesmal nach nur sieben Partien. Dabei gelang lediglich ein Sieg. Neben jenem 3:0 gegen Steinach zeigte die Elf zwar auch in Suhl (2:3) und Herpf (1:2) gute Ansätze, schlug sich dort aber jeweils mit individuellen Aussetzern selbst. Die vorzeitige Trennung hatte sich spätestens nach dem 0:5 gegen Borsch abgezeichnet, als Heidemüller Leistung und auch Mentalität seiner Mannschaft heftig kritisierte. „Ich weiß nicht, wie wir mit dieser Grundeinstellung die Klasse halten wollen. Wenn wir so weitermachen, gewinnen wir kein Spiel“, klangen seine Worte wie eine Abrechnung.

Dass das Problem nicht die Füße sind, hat auch der in Heringen wohnenden Ruch erkannt. „Die Mannschaft hat deutlich mehr Qualität als es die Ergebnisse zeigen. Man hat aber gemerkt, dass der Kopf nicht mitspielt“, lautet seine Diagnose. Um die angeknackste Psyche zu reparieren, sei vor allem ein Erfolgserlebnis nötig. Den ersten Anlauf dazu wird der FCE unter Ruchs Regie wohl in Bad Salzungen unternehmen. Denn die Saison soll bekanntlich mit dem ersten ausgefallenen Spieltag fortgesetzt werden. Wann auch immer dies sein wird.

Zur Sache

Die Trainer des FC Eisenach seit Gründung 2011

2011/12: Martin Heß/Daniel Reich; Interimsduo Marc Janke/Ronny Fuhrmann, Roland Holick/Frank Holick.

2012/13: Jürgen Heun

2013/14: Jürgen Heun, Daniel Reich

2014/15: Daniel Reich

2015/16: Daniel Reich, Björn Venter, Stephan Koch

2016/17 bis 2019/20: Michael Offenhaus

2020/21: Werner Heidemüller, Sebastian Ruch.