Triathlon: 50 Liegestütze und ein Post

Mit dem Ziel, erstmals ein Thüringer Triathlon-Team der Frauen zu schaffen, hat die bisher unterm Dach des LTV Erfurt startende Regionalliga-Mannschaft eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Eine Summe von 2500 Euro wollen sie bis Anfang Januar zusammenkriegen.

Emilia Schmidt (Triathlon Jena) erreichte in der abgelaufenen Regionalliga-Saison für die Mannschaft des LTV Erfurt mehrere Top-Ten-Plätze. Sie ist eine der Hoffnungsträgerinnen für das Triathlon Team Thüringen, das kommende Saison als gemeinsame Mannschaft starten soll.

Emilia Schmidt (Triathlon Jena) erreichte in der abgelaufenen Regionalliga-Saison für die Mannschaft des LTV Erfurt mehrere Top-Ten-Plätze. Sie ist eine der Hoffnungsträgerinnen für das Triathlon Team Thüringen, das kommende Saison als gemeinsame Mannschaft starten soll.

Foto: Jarno Müller

Erfurt. Die Triathletinnen aus Thüringen sind auf den Geschmack gekommen. Nach dem fünften Platz in der Premieren-Saison in der Regionalliga Ost streben die Frauen um Andrea Gießmann indes um mehr als nach regionaler Aufmerksamkeit. Ihr Ziel heißt zweite Bundesliga. Das nur nicht unter dem Banner des LTV Erfurt, sondern als „Triathlon Team Thüringen“.

Die Aufregung ist groß gewesen. Punkt 10 Uhr ist die Mission am Freitag offiziell gestartet. Da lief am eine sogenannte Crowdfunding-Aktion an, um die Idee eines ersten gemeinsamen Thüringer Frauen-Teams nach außen zu tragen und Unterstützer dafür zu finden. Eine Summe von 2500 Euro soll über die bei Start-up-Unternehmen beliebte Art der Schwarmfinanzierung via Internet zusammenkommen.

Das Budget, das es zu erreichen gilt, scheint überschaubar. Es beinhaltet einen minimal nötigen Betrag, um die Kosten für eine neue Teamkleidung sowie die Startgelder und Fahrtkosten zu den fünf Wettkämpfen in der kommenden Regionalliga-Saison decken zu können. „Damit machen wir keine großen Sprünge“, sagt Andrea Gießmann (42). Die über viele Jahre erfolgreiche Erfurter Triathletin ist so etwas wie der Kopf der aktuell aus elf Sportlerinnen bestehenden Mannschaft. Sollte es mehr Geld werden, wäre es dem Team genauso recht. 3000 oder 4000 Euro auszugeben wäre gar kein Problem, sagt die Erfurterin.

Die Devise heißt: Alles oder nichts

Grundlage ist allerdings, die geplante Summe überhaupt erst einmal vollzubekommen. Alles oder nichts lautet beim Crowdfunding die Devise. Wird das avisierte Spendenziel nicht erreicht, erhalten die Förderer ihre zugesagte Summe zurück.

Weil es sich nicht gerade um einen exorbitant hohen Betrag handelt, sind Andrea Gießmann und Co. guter Dinge, bis zum 6. Januar das Geld zusammenzukriegen. Einen Plan B haben sie in der Tasche, würden aber nur im Fall eines Nichterreichens die Option ziehen, wieder als LTV-Mannschaft an den Start zu gehen. Neue Teamkleidung müssten sie dafür nicht anschaffen. Unterstützung bei den Fahrten kämen sie weiter vom Lauf- und Triathlon-Verein.

Nur stünden sie damit weiter an dem Punkt, den die kreuz und quer aus Thüringen kommenden Teammitglieder eigentlich hinter sich lassen wollten. Die eine Seite bildet, dass sich nicht jede in der Mannschaft mit Erfurt als Vereinsnamen identifizieren kann und deswegen auch nicht muss. Weit wichtiger aber ist Andrea Gießmann wie der Nordhäuserin Katja Konschak (41) oder der Geraerin Maria Lehmann (33), dass die Thüringer Top-Talente in Thüringen eine sportliche Heimat behalten. Die Regionalliga stellt für die Emilia Schmidt (19/Jena), Emily Köpper (16/Gera-Zwötzen) und Sophie Gießmann (16/LTV Erfurt) keine Herausforderung für die Zukunft dar. Die Gefahr ist groß, dass sich die vielversprechenden Talente wie andere zuvor Thüringen verlassen und ambitionierteren Vereinen anschließen, sollte nicht mittelfristig ein Start in der zweiten Liga möglich sein. Helene Geßner (LTV) etwas zog es deswegen zum Erstligisten Dresden. Henrike Herzog, das zuvor größte Talent vom LTV, trägt des Trikot des Zweitligisten SV Witten.

Wer spendet, kriegt eine Gegenleistung

Sophie Gießmann lenkt den Blick schon mal vorsichtig zu höherklassigen Teams. „Ich würde mich zwar nicht anbiedern. Aber käme ein Angebot, würde ich dann auch in der Bundesliga starten“, sagte die ambitionierte Schülerin. Gerade, um die eigenen Talente in Thüringen zu halten, soll das übergreifende Team dienen.

Bis zum 6. Januar läuft die Crowdfunding-Aktion im Internet (www.toyota-crowd.de/triathlonteamthueringen). Mitte Januar muss das Geld zusammen sein, um dann bis Ende Februar eine Mannschaft für die kommende Regionalliga-Saison melden zu können. Nach wenigen Stunden waren bereits knapp 400 Euro gespendet worden.

Wer Geld gibt, bekommt wie bei dieser Art der Finanzierung eine Gegenleistung. Für 100 Euro gibt es etwa 50 Liegestütze und einen Post an den Spender. Bei einer Spende von 200 Euro taucht der Name des Geldgebers beim Erfurter Silvesterlauf in der Rubrik Vereinsname hinter dem Namen eines mitlaufenden Teammitglieds auf. Eine funktionelle Trainingseinheit oder ein Schwimmtraining gibt es für 150 Euro. Gruppenfitness oder den Statuts eines Goldpartners erhält man für 500 Euro. Die Chance besteht auch, Carbon-Partner zu werden und den Firmennamen auf der Wettkampfkleidung verewigt zu wissen. Genauso aber sind kleinere Beiträge willkommen, schickt Andrea Gießmann voraus. Die Anspannung steigt.

Zum geplanten Team gehören aktuell: Anna Feuer (18/LTV Erfurt), Anna Schreier (29/LTV Erfurt), Emilia Schmidt (19/Jena), Emily Köpper (16/Gera), Jana Blümel (15/Apolda), Katja Konschak (41/Nordhausen), Katrin Kaufmann (44/LTV Erfurt), Maria Lehmann (33/Gera), Maybritt Walter (16/LTV Erfurt), Sophie Gießmann (16/LTV Erfurt), Andrea Gießmann (42/LTV Erfurt).

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