Triebel macht auch mit 80 Jahren im Hochsprung noch Musik

Arnstadt  Der Arnstädter Hubertus Triebel, Erfinder von Hochsprung mit Musik, feiert am Sonntag runden Geburtstag mit vielen Gästen und bleibt als Trainer weiter aktiv.

Die Schwedin Kajsa Bergqvist sorgte vor einem Jahrzehnt mit ihrem Hallenweltrekord in Arnstadt für die sportlichen Sternstunde im Leben von Hubertus Triebel. Der Sportlehrer erfand den Hochsprung mit Musik. Foto: Hans-Peter Stadermann

Die Schwedin Kajsa Bergqvist sorgte vor einem Jahrzehnt mit ihrem Hallenweltrekord in Arnstadt für die sportlichen Sternstunde im Leben von Hubertus Triebel. Der Sportlehrer erfand den Hochsprung mit Musik. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Hubertus Triebel ist in Topform. „Nein, wie 80 fühle ich mich wirklich nicht“, sagt der hoch aufgeschossene, fidele Rentner. Das Jubiläum findet trotzdem am morgigen Sonntag statt. Für seine über 80 geladenen Gäste wartet der Erfinder von Hochsprung mit Musik in der Arnstädter Stadtbrauerei. „Ich hätte auch mit meiner Frau Alida, mit der ich über 50 Jahre glücklich verheiratet bin, verreisen können. Aber dann hätten danach die Glückwünsche nicht mehr aufgehört“, lacht Triebel.

Der frühere Sportlehrer wurde zu einer Thüringer Institution, weil er vor 39 Jahren eine großartige Idee hatte, die Arnstadt noch weltberühmter machte. Hochsprung mit Musik – ein Sportfest, dass bis 2014 die besten Athleten der Welt in die älteste Stadt Thüringens lockte.

Dabei interessierte der Hochsprung den einstigen 400-Meter-Läufer eigentlich gar nicht. „Ich bin mal 1,68 Meter auf Sand gesprungen. Das war‘s“, erzählt er.

Die Liebe zum Flug über die Latte entwickelte sich, als in Arnstadt in der Goethestraße eine neue Schule gebaut wurde. Natürlich sollte in der Halle auch hochgesprungen werden.

Zur „Hochsprung mit Musik“-Premiere 1977 war dann alles etwas komfortabler. Auf die Idee für den Wettbewerb hatte Triebel eine Übertragung aus Prag gebracht. „Dort wurde Musik gespielt und die Sprünge mit Trommelwirbel begleitet. Da dachte ich mir, die Springer könnten doch auch ihre Musik zum Sprung wählen“, erzählt Triebel, dem sein Nachbar – ein Diskotheker beim Schneiden der Hits auf Band half. Der erste Hochsprung mit Musik der Sportgeschichte war geboren.

Nachdem auch das DDR-Fernsehen 1979 aufmerksam geworden war, gastierten die Hochsprung-Asse wie Henry Lauterbach, Rolf Beilschmidt oder Gerd Wessig, Rosemarie Ackermann und sogar Heike Drechsler in der kleinsten Hochsprung-Halle der Welt.

Nach der Wende fanden sich neue Mitstreiter wie der Frankfurter Trainer Günter Eisinger, der als Manager die Weltklasse nach Arnstadt holte. Gekrönt wurde das Meeting 2006 vom Hallenweltrekord der Schwedin Kajsa Bergqvist mit 2,08 m. „Meine und ihre Sternstunde“, sagt Triebel zum zehnjährigen Jubiläum, dass im Februar in den schwedischen Zeitungen noch einmal groß gewürdigt wurde. Denn Bergqvists 2,08 m wurden bis heute nicht übertroffen.

Als es schwieriger wurde, die besten Athleten und das Geld dafür zu besorgen, machte Triebel 2014 mit 78 Lenzen Schluss, als es am schönsten war. Beim Abschied sprangen die Russen Iwan Uchow und Aleksej Dmitrik über 2,40 Meter und erfüllten Triebel den letzten Traum.

„Da wäre sogar der Weltrekord drin gewesen, wenn ich die beiden gleich zu dieser Höhe gezwungen hätte. Das ärgert mich noch heute. Dmitrik versuchte sich erst am Europarekord und Uchow wurde in der Pause kalt“, erinnert sich Triebel.

Blinddarm-Entzündung kostete ihn fast das Leben

Dass auch das erfolgreiche Leben eines sportlichen Menschen schnell vorbei sein kann, erfuhr Triebel vor genau 21 Jahren. Ein geplatzter Blinddarm wurde erst nach einem Tag entdeckt und der 69-Jährige wurde notoperiert. „Das war 50 zu 50. Fünf Ärzte haben mich damals neun Stunden unter Leitung meines Freundes Dieter Rose operiert, hatten wegen der Sepsis über einen halben Meter Darm entfernt. Sie wollten mich schon aufgeben, da fiel ihnen ein Stück Kunstdarm ein. Der war aber in Deutschland damals noch nie eingesetzt worden. Mir hat er das Leben gerettet“, erzählt Triebel, der nach weiteren Komplikationen mehrere Wochen im Koma lag und ein halbes Jahr brauchte, um wieder richtig auf die Beine zu kommen.

„Doch jetzt können wir alle zusammen richtig feiern und die Leute müssen nicht auf den Friedhof gehen und sagen, heute wäre der Triebel 80 geworden“, macht der Jubilar einen seiner bekannten kleinen Scherze.

Triebel ist auch im hohen Alter immer noch vom Hochsprung-Virus befallen. Begeistert berichtet er von dem bereits 40. Kinder- und Jugend-Cup auf dem schwingenden Arnstädter Parkettboden. „Mit mehr als 80 Teilnehmern und zehn Bestleistungen“, bilanziert Triebel.

Der Pensionär trainiert immer noch Talente wie den erst 13 Jahre alten Oskar Trebeß aus Alkersleben und den 17 Jahre alten Maksim Annacker aus Bad Berka. Ein Auge für sehr gute Hochspringer hat Hubertus Triebel schließlich – auch mit 80 Jahren.

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