Ultra-Fantreffen in Erfurt endet ohne Ergebnis

Erfurt  Ohne greifbares Ergebnis endete am Sonntag in Erfurt ein Treffen von Ultra-Vertretern und Clubspitzen Deutscher Profi-Fußballvereine.

Fankoordinator Michael Gabriel (schwarze Hose) im Gespräch mit Ultras nach dem Treffen in Erfurt.

Fankoordinator Michael Gabriel (schwarze Hose) im Gespräch mit Ultras nach dem Treffen in Erfurt.

Foto: Kai Mudra

Sie haben einen halben Tag lang miteinander geredet. Schon das ist für die Gesprächsteilnehmer derzeit ein vorzeigbares Ergebnis. Völlig friedlich trafen sich am Sonntag am Rande von Gewächshäusern in Erfurt Vertreter der Ultra-Fanszene, um mit den Spitzen der Fußballverein zu beraten. Konkrete Ergebnisse brachte das Treffen aber nicht.

Die Aufforderungen für die Runde erging Mitte August von Fan-Gruppen der Ultras an die Vereinsspitzen. Die Gewalt in und rund um die Stadien eskaliert zusehends. Aber auch die Kommerzialisierung des Vereinsports Fußball schreitet immer weiter fort.

Die Initialzündung dafür war ein Aufruf der Ultras von Dynamo Dresden. „Es ist an der Zeit, einen letzten Versuch zu unternehmen, gemeinsam mit dem größtmöglichen Widerstand ge-gen die Verbände und ihre Helfer zu leisten“, heißt es darin, zitierte die Bild-Zeitung.

Streitthemen: Relegation, Strafen und Kommerz

Trotz dieser aufgeheizten Atmosphäre redeten am Sonntag in Erfurt im Kompetenzzentrum des Deutschen Hotel- und Gasstättenverbandes (Dehoga) die Spitzen von 25 Fußballvereinen aus den vier oberen Ligen mit Vertretern der harten Fanszene von etwa 50 Clubs.

Den Ultras sei es vor allem um „die Gesprächsbasis mit dem DFB und den Vereinen“ gegangen, sagte Rolf Rombach, Präsident des FC Rot-Weiß Erfurt, als er das Treffen wegen des gleichzeitig stattfindenden Familienfestes im Steigerwaldstadion vorzeitig verlassen musste. Er zeigte sich begeistert von der „sehr gut organisierten und auf einem hohen Niveau stehenden Veranstaltung“. Die Fans wollten gehört werden, so Rombach. Er sieht in der „Kommunikation auf Augenhöhe“ auch die einzige Möglichkeit, die aktuellen Probleme zu lösen.

Die konstruktive Gesprächsatmosphäre lobte auch Thomas Schönig. Der Strafrichter leitet beim 1. FC Köln die Arbeitsgruppe Fankultur.

Ähnlich war auch der Eindruck von Ralf Kühne, Manager des Halleschen FC: „Die Fanszene hat ihre Standpunkte vorgetragen und wir haben die Inhalte besprochen und uns darauf verständigt, wie wir weiter vorgehen und den Dialog führen wollen“, ergänzte er.

„Kein Kommentar“ oder völliges Schweigen kam dagegen immer als Antwort von den Ultras, als sie Sonntagnachmittag nach Beratungsende das Gebäude verließen. Die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Teilnehmer, hielten sich strikt an das selbst auferlegte Kontaktverbot gegenüber den Medien.

Ganz anders Michael Gabriel, von der Koordination Fanprojekte bei der Sportjugend. Ihm oblag die Moderation der Veranstaltung: „Ich kann sagen, dass der Tag getragen war von kons-truktivem Austausch, gemeinsamen Interessen, den Fußball als Sport für die Menschen auch zu erhalten.“ Nach seinen Worten sei aber eher darüber gesprochen worden, wie der Dialog zwischen den Ultras und anderen Fangruppierungen mit den Vereinen fortgeführt werden könne.

Nach Lösungen und Verständigung werde bei den Themen Kommerzialisierung, Strafensysteme sowie Relegation gesucht, so Gabriel. Der Dialog solle fortgesetzt werden, allerdings sei ein weiteres Treffen noch nicht vereinbart worden.