Beschwerden über sexistische Werbung: „Lange Beine in der Prachtregion“

Erfurt  Die Werbung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit den Suhler Volleyballerinnen ruft Kritiker und auch wieder den Werberat auf den Plan.

So werben die Suhlerinnen auf der Hose.

So werben die Suhlerinnen auf der Hose.

Foto: Uwe Prinz

Der Po der Suhler Volleyballerinnen bewegt den Deutschen Werberat. Genau gesagt: Die Kampagne des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit dem Verein. Wie der Landkreis mitteilt, ist er zur Stellungnahme aufgefordert worden, weil mehrere Beschwerden eingegangen sind.

Stein des Anstoßes ist der Schriftzug „Prachtregion.de“ auf den Shorts der Spielerinnen, konkret: auf der Rückseite der Hosen. Von herabwürdigend bis sexistisch reicht die Klage der Beschwerdeführer.

Landrätin Peggy Greiser weist die Kritik der Werbewächter zurück: „Ich finde die Internetseite Prachtregion.de, um die es ja eigentlich geht, sehr gelungen – ebenso wie das witzige Wortspiel auf den Hosen.“ Die meisten Menschen hätten das auch verstanden, fügt die gebürtige Suhlerin, die einst selbst Leistungssportlerin war, hinzu. Bei Onlineumfragen hätten bis zu 90 Prozent der Nutzer die Idee als „gut“ bis „super“ bewertet. Über das Portal „Prachtregion.de“ sollen die wirtschaftlichen und touristischen Vorzüge der südwestlichen Region Thüringens beworben werden.

Po-Werbung seit vielen Jahren übliche Form des Trikot-Sponsorings

Po-Werbung gilt im Volleyball, aber auch im Boxen oder Handball, seit vielen Jahren als übliche Form des Trikot-Sponsorings. „Die Suhler Volleyballerinnen sind taffe Frauen und gestandene Leistungssportlerinnen, die entscheiden sehr selbstbestimmt, ob sie das gut finden oder nicht“, sagt die Landrätin. Bereits vor Jahresfrist hatten die Suhlerinnen die Gemüter erregt. Der Schriftzug „Beste Lage“ zierte die Shorts – und rettete den Verein vor dem Abstieg. Eine hohe fünfstellige Summe zahlte der Landkreis Schmalkalden-Meiningen damals für die Bewerbung des Industriegebietes „Thüringer Tor“ an der A 71.

Die Spielerinnen nahmen es gelassen. „Werbung auf Hosen ist im Volleyball üblich und stellt für uns kein Problem dar“, sagte Suhls Außenangreiferin Claudia Steger der Bild-Zeitung.

„Nicht überrascht“ von der Reaktion des Werberats zeigt sich derweil Michael Panse. Der Präsident der Erfurter Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen sieht die Po-Werbung des Liga-Konkurrenten zumindest als „grenzwertig“. Entscheidend sei bei Werbung in dieser Form, wie die unmittelbar Betroffenen damit umgehen, zumal sie nicht direkt auf die sportliche Leistung abziele.

Auch die Erfurter werben in diesen Tagen an Straßenbahnhaltestellen mit einem „Hingucker“ für ihren Verein. Fünf Volleyballerinnen im Abendkleid versichern per Plakat, dass Erfurts längste Beine in der Riethsporthalle zu Hause sind. Man habe unter den Spielerinnen gefragt, die fünf hätten gern mitgemacht, so Panse.

Und überhaupt: Dass Volleyballerinnen eher groß sind und somit längere Beine als andere haben, sei nun mal eine schwer zu leugnende sportliche Tautologie . . .

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