Das Ende der Leidenszeit für Erfurter Volleyballerin

Erfurt  Sabrina Krause, Mittelblockerin von Schwarz-Weiß Erfurt, kann nach achtmonatiger Verletzung wieder voll trainieren.

Emotionsgeladen: Sabrina Krause schreit den Ärger nach einem verlorenen Punkt im Thüringenderby beim VfL Suhl heraus.

Emotionsgeladen: Sabrina Krause schreit den Ärger nach einem verlorenen Punkt im Thüringenderby beim VfL Suhl heraus.

Foto: Sascha Fromm

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Ihr Strahlen ist zurück. Selbst bei einem Treff zu einem schlichten Kaffee weicht es nicht. Nach acht Monaten vieler Selbstzweifel, jeder Menge verletzungsbedingter Aufs und Abs.

Sabrina Krause, Mittelblockerin des Erfurter Volleyball-Bundesligisten Schwarz-Weiß Erfurt, hat endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Besser unter ihrem Fuß, dem lädierten. Eine Ermüdungsstressfraktur im linken, zugezogen – das weiß sie, wie aus der Pistole geschossen – am 12. Dezember letzten Jahres. Zwei Tage vor der Auswärtspartie in Stuttgart. „Im Training bei einer seitlichen Bewegung im Blockversuch ist‘s passiert. Da ist der Schmerz urplötzlich reingezogen – und nie weggegangen“, sinniert die 1,97 Meter große, gerade mal 20 Jahre junge gebürtige Offenburgerin.

Bis dato ist sie voll neu erwachtem Tatendrang. Als Jungnationalspielerin in der deutschen Jugend- und später Juniorenauswahl, zudem nun in professionellen Händen beim deutschen Vorzeigeklub SSC Palmberg Schwerin, kennt sie nur eine Leistungs-Richtung: Stets nach oben!

Aber in Schwerin ist sie vorerst nur eine von vielen in Wartestellung. Die Konkurrenz ist bei all den Nationalspielerinnen riesengroß und Sabrina Krause erst am Anfang. Es gilt vorerst, erheblich an Muskelmasse zuzulegen. „Ich war dünn, ein langer Strich in der Landschaft“, lächelt sie rückblickend. Dennoch ist sie fast immer im Kader. Sie erinnert sich noch genau an ihre erste Saison und vor allem an ihr erstes Spiel 2015/16 in der Eliteliga. „Bleib‘ ruhig und bei dir“, sagt sie sich immer und immer wieder. Zwecklos. In der Kabine vor dem Spiel geht‘s los. Herzrasen, Bauchgrummeln. Nicht der Platz im Auftaktsechser, die Toilette wird ihr Stammplatz. Dann aber doch der Einsatz – und fortan war der Besuch des Örtchens kein Thema mehr. „Vom Klo aufs Parkett.“ Das bleibt für sie zumindest im ersten Jahr ihr Wegbegleiter.

Um mehr Spielpraxis zu bekommen, erhält Sabrina Krause ein Doppelspielrecht für Schwerin und den mit der deutschen Junioren-Auswahl identischen VC Olympia Berlin.

Wechselgedanken? Die hat sie jetzt nicht. Schließlich steht das Abi vor der Tür. Und das will sie in Schwerin zu Ende machen. Mit dem Abschluss in der Tasche lockt sie Ex-Schwarz-Weiß-Manager Heiko Herzberg für die Saison 2017/18 nach Erfurt. Sie sagt nach einigen schlaflosen Nächten zu: „Da habe ich am Ende doch auf mein Bauchgefühl gehört. Spielpraxis, die brauche ich und die bekomme ich in Erfurt. Da bin ich mir sicher.“ Ihre Freude verdoppelt sich, als sie erfährt, dass auch ihre Freundin beim VC Olympia Berlin, Sindy Lenz, in Erfurt unterschrieben hat.

Nach anfänglichen Abstimmungsproblemen mit ihren Ne­benleuten findet sie immer besser ins Spiel, wird trotz ihrer von Mitspielerinnen abhängigen Mittelblockerposition zum Leistungsträger.

Bis – ja – bis zum 12. Dezember 2018. Bis zu dieser Verletzung mit der bitteren Diagnose „Ermüdungsstressbruch im linken Fuß“, der sie für den Rest der Saison außer Gefecht setzt. Eingenheilung heißt das Zauberwort, das – so gesteht Sabrina – auch mit Selbstzweifeln, ob‘s das war mit professionellem Volleyball, einhergeht.

Völlig unbegründet. Seit dem 8. August dieses Jahres, dem Trainingsstart in die kommende Saison, ist sie bei allen noch so intensiven Übungen schmerzfrei, kann alles mitmachen. „Und auch kein Kopfkino gibt es mehr, kein In-mich-hinein-horchen“, atmet Sabrina, in ihren Kaffee hineinlächelnd, hörbar durch.

Und sie ist voller Zuversicht, dass die wieder neu formierte Mannschaft endlich den Bock umstößt und die Eliteliga sportlich zu halten im Stande sein wird. Woher rührt ihr solcherart Vertrauen? „Wir haben diesmal einen größeren Kader, der uns endlich Wechseloptionen gibt, und eine bessere Zusammensetzung als in der letzten Saison.“

Sabrina lehnt sich irgendwie zufrieden zurück. Und strahlt. So ist ihr Naturell. Die Tasse ist leer. Mit einem letzten Satz, ihre Gefühlswelt beschreibend, verabschiedet sie sich froh gelaunt in Richtung Trainingshalle: „Gesund bleiben, wieder auf mein Level kommen und einen Tick mehr und der Mannschaft helfen – das ist mein Ziel.“

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