Derby der Hoffnungen beim Thüringer Volleyball-Gipfel

Erfurt  Am Sonnabend treffen sich Schwarz-Weiß Erfurt und der VfB Suhl vor vollem Haus zum Thüringer Volleyball-Gipfel. Die Südthüringenbahn setzt eigens einen Sonderzug ein.

Revanche oder erneuter Coup? Beim Hinspiel in der Suhler Wolfsgrube bejubelte Erfurt einen 3:0-Sieg.

Foto: Sascha Fromm

Das Derbyfieber steigt. Auch wenn sich alle Beteiligten vor dem Thüringer Volleyballgipfel um Normalität bemühen. „Ein Spiel wie jedes andere“, sagt Suhls Außenangreiferin Claudia Steger.

„Wir bereiten uns vor wie auf jede andere Mannschaft auch“, meint Jonas Kronseder, Trainer der Erfurter Schwarz-Weiß-Damen. Und sein Suhler Kollege Mateusz Zarczynski fügt an, dass er selbstverständlich jedes Spiel gewinnen will. Egal nun, ob es Derby heißt oder nicht.

Hoffnungen knüpfen sie alle an dieses Thüringenderby, das Einzige übrigens in der Beletage der ersten Bundesliga der Ballsportarten. Suhl möchte den Aufwärtstrend des Januars bestätigen, Platz sieben und damit die Playoffs absichern. Drei gewonnene Spiele hintereinander sprechen für die gute Form der Südthüringerinnen, die am Mittwoch beinahe Sieg Nummer vier eingefahren hätten. In einem dramatischen, knapp zweieinhalbstündigen Match unterlagen sie ih­rem Tabellennachbarn Münster nach umkämpften fünf Sätzen nur knapp mit 2:3.

Zählbares können die Erfurterinnen am Sonnabend nicht mitnehmen auf das Parkett der Riethsporthalle. Doch die Satzgewinne beim 1:3 gegen Dresden und dem gleichen Ergebnis am Mittwoch in Schwerin haben das angekratzte Selbstvertrauen der Schwarz-Weißen zumindest etwas wieder aufgebaut. „Im ersten Moment ist man nach Niederlagen natürlich immer enttäuscht“, sagt Erfurts Außenangreiferin Paula Reinisch, „aber letztlich helfen uns solche Satzgewinne gegen die Favoriten, an uns zu glauben und stark zu bleiben.“

Dabei geriet ausgerechnet das Hinspiel zu einem denkwürdigen Kulminations- und Wendepunkt. Dem ebenso grandiosen wie historischen 3:0-Sieg der Erfurterinnen Mitte November in der Wolfsgrube folgte der unerklärliche Fall aus allen Wolken: neun Niederlagen am Stück, die die Schwarz-Weißen zurück in den Keller und auf den Abstiegsplatz stürzten.

Suhl wiederum zog ausgerechnet aus der Niederlage gegen den regionalen Rivalen die Kraft, um nach durchwachsenem Start in der Liga eine furiose Aufholjagd zu starten.

„Vielleicht haben wir uns damals zu sehr unter Druck gesetzt und sind dann mehr und mehr verkrampft“, sinniert Kronseder.

Doch Erfurts Trainer blickt lieber nach vorn. Auch wenn er mit seinen Spielerinnen derzeit nur „von Spiel zu Spiel denkt“ – Straubing, nur drei Punkte voraus, wollen sie noch einfangen und damit zugleich das rettende Ufer erreichen. Die drei Schlüsselspiele, die Kronseder mit seiner Mannschaft dafür ausgemacht hat, sind nicht schwer zu erraten: in Berlin, in Straubing – und eben gegen Suhl. „Die wollen wir gewinnen“, sagt der 31-Jährige. „Die werden wir gewinnen“, korrigiert Paula Reinisch selbstbewusst ihren Trainer. Sicher? „Ja“, meint das 20 Jahre junge Erfurter Eigengewächs, „wir haben wieder Spaß am Spiel und wachsen an unseren Aufgaben.“

Die Freude zurückgefunden hat die Mannschaft auch dank der Zusammenarbeit mit einer Mentaltrainerin. Gestern saßen die Spielerinnen mit ihr wieder in großer Runde zusammen und konnten sich dort alles von der Seele reden – ohne Trainer.

Wobei groß in Erfurter Volleyballmaßstäben relativ ist. Auch im sonnabendlichen Derby haben die Schwarz-Weißen wohl gerade ein Zehner-Aufgebot beisammen – vorausgesetzt die in Schwerin wegen Rückenproblemen pausierende Wivian Gadelha kehrt zurück. Weil auch Sabrina Krause mit einer erst jetzt diagnostizierten Stressfraktur im Fuß definitiv ausfällt, wäre sonst mit Emily Thater nur eine von drei Mittelblockerinnen dabei.

Voll besetzt werden dagegen ohne Frage die Ränge der Riethsporthalle sein. „Ein ausverkauftes Haus“, kündigte Erfurts Manager Heiko Herzberg gestern froh gelaunt an. Allein aus Suhl werden 300 Fans erwartet, die Südthüringenbahn setzt eigens einen Sonderzug ein „Die Euphorie bei uns ist groß“, sagt Jens Ellmrich. Suhls Geschäftsstellenchef spricht vom „Spiel der Spiele“ und wagt ei­nen kühnen Vergleich: „Das ist ähnlich dem Fußballderby zwischen Schalke und Dortmund.“

Die steigende Stimmung wiederum wissen auch Claudia Steger und Jonas Kronseder zu schätzen. Vor vollem Haus spielt es sich einfach besser. Und es gewinnt sich schöner.

SW Erfurt – VfB Suhl Sonnabend, 18 Uhr, Riethsporthalle

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