„Mr. Volleyball“ verlässt Bundesligist Schwarz-Weiß Erfurt

Erfurt  Volleyball-Erstligist Schwarz-Weiß Erfurt beendet die langjährige Zusammenarbeit mit Manager Heiko Herzberg. Die Verantwortlichen wollen neue Strukturen aufbauen – neue Erstliga-Lizenz so gut wie sicher.

Heiko Herzberg und Clarisa Sagardia nach dem Heimsieg im November 2018 über VCO Berlin. Archiv-

Foto: Sascha Fromm

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Schwarz-Weiß Erfurt und Manager Heiko Herzberg gehen künftig getrennte Wege. Wie der Verein mitteilt, beende man am Saisonende die Zusammen­ar­beit. Elf Jahre lang zog Herzberg, zunächst als Trainer, dann als verantwortlicher Geschäftsführer, die Fäden beim Volleyball-Bundesligisten. Doch nach dem in dieser Saison erneut verpassten sportlichen Klassenerhalt wollen die Verantwortlichen nun neue Strukturen aufbauen.

Nach der Trennung von Trainer Jonas Kronseder soll auch die Funktion des Geschäftsführers neu besetzt werden, sagt Vereinspräsident Michael Panse. Gespräche mit möglichen Kandidaten laufen bereits. Den neuen Trainer will der Verein schon heute bekannt geben, nachdem es von der Liga inzwischen deutliche Signale gab, dass Schwarz-Weiß die Erstligalizenz erneut erhalten wird.

Die Lizenzunterlagen hatte Herzberg noch mit auf den Weg gebracht, auch deshalb will Panse seinem bisherigen Geschäftsführer vor allem Dankbarkeit entgegenbringen: „Er hat in vielen Bereichen dafür gesorgt, dass wir uns im Bundesligaspielbetrieb und auch im Bekanntheitsgrad weiterentwickelt haben.“

Doch die Trennung deutete sich seit geraumer Zeit an. Angesichts der unsicheren sportlichen Zukunft musste der Verein im Winter zwei Szenarien berücksichtigen: neben dem Klassenerhalt auch den möglichen Abstieg in Liga zwei. Mit dem in diesem Falle deutlich niedrigeren Etat wäre die Position des Geschäftsführers hinfällig geworden. Auf das Angebot des Vorstandes, Zweitligatrainer und Geschäftsführer in Personaluni­on zu werden, wollte sich Herzberg nicht einlassen. „Ich habe nein gesagt, weil mir die Doppelbelastung nach elf Jahren an vorderster Front zu groß geworden wäre“, erklärt der 54-Jährige, der mit seiner Familie in Gifhorn lebt und zwischen Erfurt und Niedersachsen pendelt. Bei den Schwarz-Weißen war er als „Mr. Volleyball“ an praktisch allen Fronten unermüdlich stets selbst präsent und rieb sich dabei oftmals freilich auch auf.

Angesichts der einzuhaltenden Kündigungsfrist und gleichzeitigen Ungewissheit der künftigen Ligazugehörigkeit entschied der Vorstand Ende Februar, den unbefristeten Vertrag mit Herzberg aufzuheben. Seitdem stand ein Abschied im Raum und mit ihm der emotionale Zwiespalt seiner Protagonisten. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Herzberg trotz allem. „Aus menschlicher Sicht ist uns das sehr schwergefallen“, sagt Panse.

Einig sind sich beide unabhängig voneinander in einer Sache: die Trennung bietet beiden Seiten auch eine Chance. Der Verein möchte und kann die Verantwortung künftig auf mehr Schultern verteilen, der scheidende Geschäftsführer sich nach neuen Herausforderungen umsehen. „Ich schreibe Bewerbungen in alle Richtungen, möchte gern im Bereich Management tätig bleiben, egal, ob das im Volleyball ist oder Basketball oder jenseits des Sports“, zeigt sich Herzberg aufgewühlt und doch schon wieder gewohnt umtriebig.

Bis es aber soweit ist, wird er noch das ein oder andere Mal in der Riethsporthalle aufkreuzen. „In Sachen Lizenzierung sehe ich mich schon noch in Verantwortung“, sagt er und wünscht sich vor allem eines sehr: dass Erfurt als anerkannter Volleyballstandort mittelfristig auf gesunden Beinen stehen mag.

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