Die lähmende Angst vorm Siegen: Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt verlieren gegen VfB Suhl

Erfurt  Erfurts Volleyballerinnen unterliegen in einem lange offenen Derby dem VfB Suhl mit 1:3. Rekordkulisse in Riethsporthalle.

Enttäuschung bei den Erfurter Spielerinnen nach der Niederlage.

Foto: Sascha Fromm

Die Szenen, die sich nach dem finalen Ballwechsel vor der Rekordkulisse von 1250 Zuschauern in der Riethsporthalle boten, waren an Extremen in den Gefühlswelten nicht zu überbieten. Auf der einen Seite des Netzes das jubelnde Freudenknäuel der Suhlerinnen, auf der anderen das zu Tode betrübte Jammertal der ge- und erschlagen auf dem Parkett liegenden Erfurterinnen.

Die auf Grund der situativ unterschiedlichen Formkurven leicht favorisierten Damen aus dem Thüringer Wald hatten soeben ihren Matchball gegen den sich vergeblich streckenden Zweierblock der sich schon auf der Siegerstraße wähnenden Schwarz-Weißen auf deren Parkett-Seite zum 25:21 und damit 3:1-Erfolg (-22, 19, 22, 21) versenkt. Gefühls-Extreme satt auch deshalb!

Aber der Reihe nach.

Die Suhlerinnen fanden – trommelgewaltig angefeuert von ihren rund 300 Fans – schneller in die Partie und waren willens, den Einheimischen möglichst frühzeitig den Zahn zu ziehen. Bis zum 16:11 lief alles nach ihrem Geschmack. Ihr Plus verdankten sie zu diesem Zeitpunkt vor allem den gefährlichen Aufschlägen der McKenzie Jacobson, Tereza Patockova und Claudia Steger, die die Schwarz-Weiß-Annahme oft genug in Nöte brachten. Auffällig besonders das zierliche, gar nicht mal so große „Sprungwunder“ aus den Niederlanden, Anniek Siebring, die im Angriff ein ums andere Mal traf, später aber abbaute.

Bis zum 11:16 waren die Schwarz-Weißen noch auf der Suche nach sich selbst. Dann aber nahm vor allem Außenangreiferin Tess Rountree ihr Herz in beide Hände und brachte ihr Team mit ihren nun von den Gästen nicht zu kontrollierenden Angriffen nicht nur zurück in den Durchgang, sondern führte die Schwarz-Weißen zum Satzgewinn von 25:22. Vor allem gegen ihre Angriffe aus der Mitte des Hinterfeldes war kein Suhler Kraut gewachsen.

Claudia Steger, Suhler Urgestein und erstaunliche zehn Jahre schon im Team, brachte es nach der Partie auf den Punkt: „Den Satz hätten wir nie und nimmer mehr verlieren dürfen.“ Und mit dem charmanten Lächeln der finalen Siegerin: „Warum wir die Sätze drei und vier gewonnen haben, kann ich aber auch nicht so richtig erklären. Wohl, weil wir einfach nur dran geblieben sind.“

Und die Schwarz-Weißen? Sie blieben in ihrem Alltagsrhythmus und „gönnten“ sich beim folgenden 19:25 ihren allzeit gewöhnlichen Erholungssatz. Da aber wurde schon deutlich: Um das Spiel zu gewinnen, gilt es, die baumlange McKenzie Jacobson (2,03 m) auf Mittelblock auszuschalten, ergo sie mit Angriffsvarianten zu bewegen. Das gelang bis dato nicht optimal, so dass die US-Amerikanerin, am Ende zur besten Spielerin gekürt, immer wieder – fast aus dem Stand – ihre Arme ausfahren und blocken konnte.

Nach dem 1:1-Gleichstand begann die Partie von vorn. Und da schienen die jungen Erfurterinnen lange die besseren Karten zu besitzen. Da liefen sie unter dem Jubel ihrer Anhänger regelrecht heiß. Da klappte alles: das Passspiel der Clarisa Sagardia, die variablen Angriffe der Sindy Lenz, das veredelte erste Tempo der unorthodox schlagenden Wivian Gadelha und der Emily Thater und weiter auch die sicher ihre beste Partie abliefernde Tess Rountree. Bis zum 21:16 lief das Erfurter Spiel wie geölt. Dann kam der Bruch! Vom 21:16 zum 22:25 vergaben sie neun Punkte in Folge und verloren einen Satz zum 1:2, den sie nie mehr hätten abgeben dürfen! Typisch dafür der Suhler Anschlusspunkt zum 20:22: Ein „Danke-Ball“ fällt auf die Position sechs, und alle gucken sich zu Salzsäulen erstarrt an.

Damit aber nicht genug. Auch im Folgesatz besaßen die wieder konzentrierter zu Werke gehenden Schwarz-Weißen bis zum 19:15 alle Vorteile auf ihrer Seite. Und wieder waren sie vom Kopf her nicht stabil genug. Die Suhlerinnen, aus härterem Holz geschnitzt, nutzten noch einmal die erneut um sich greifende Verunsicherung auf der anderen Seite und drehten auch diesen Durchgang mit 25:21 zu ihren Gunsten.

Während die wie ein Häufchen Unglück am Boden kauernde Sindy Lenz schluchzte und zu keinem Wort fähig war, fasste sich die nur den Kopf schüttelnde Clarisa Sagardia etwas, ohne eine Antwort auf das Warum zu finden. SWE-Coach Jonas Kronseder geknickt, aber ruhig: „Wir hatten alle Trümpfe in der Hand, aber leider den Sack nicht zugebunden.“ Und nach kurzem Sinnieren: „Woran das liegt? Ich denke, es ist unsere Unerfahrenheit.“

Kommentar: Der Sog des Misserfolges

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