Erfurts Zweitliga-Volleyballerinnen bezwingen MTV Stuttgart II

Erfurts Zweitliga-Volleyballerinnen bezwingen zu Hause nach Bad Soden (3:0) auch den MTV Stuttgart II sicher (3:1). Maria Völker erneut überragend. Erster Einsatz für die erst 14-jährige Mareike Reindanz.

In den Kader der Jugendnationalmannschaft ist Mareike Reindanz berufen worden und durfte mit ihren 14 Jahren Zweitliga-Luft schnuppern. Foto: Sascha Fromm

In den Kader der Jugendnationalmannschaft ist Mareike Reindanz berufen worden und durfte mit ihren 14 Jahren Zweitliga-Luft schnuppern. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. Sie war schon ein bisschen erschrocken, als sie von ihrem Trainer Heiko Herzberg beim Stande von 2:1 nach Sätzen und 17:12 für die etatmäßige Zuspielerin Lisa Breitsprecher ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen wurde. "Obwohl ich zum ersten Mal im Kader war, hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet, dass mich unser Trainer bringt. Als das Signal kam, war mir doch ganz schön mulmig", bekannte - schüchtern lächelnd - das noch 14-jährige Zuspiel-Talent Mareike Reindanz, das inzwischen auch zum Kader der deutschen Jugend-Nationalmannschaft gehört. Nach zwei, drei Wackel-Aktionen aber hatte sich ihre Nervosität gelegt. Auch, "weil mir alle auf dem Parkett Mut zugesprochen haben." Das half.

Die Damen des SWE Volley-Teams hatten den MTV Stuttgart II wie im Hinspiel mit 3:1 (23, -19, 15, 21) in die Schranken verwiesen.

Ein hartes Stück Arbeit in einer irgendwie zwiespältigen Partie aber war es schon. Denn die jungen Damen aus dem Schwabenlande (Altersdurchschnitt 17 Jahre) besaßen Qualitäten, die wider ihren momentanen Abstiegsplatz sprachen. Sie waren über ihre Angreiferinnen Jelena Wlk (14 direkte Punkte) und Frauke Neuhaus (15) im Angriff sogar variabler und wuchtiger als die Einheimischen. Nur gut aus Erfurter Sicht, dass sie - bei Nachwuchsmannschaften aber normal - auf dem Level ihres gewonnenen dritten Satzes nicht weiter zu spielen vermochten.

In dem Maße, wie die SWE-Damen, bei denen die dienstlich verhinderte Linkshänderin Annika Müller auf Diagonal schmerzlich vermisst wurde, in Durchgang vier ihre Aufschlageffektivität wieder zu stabilisieren vermochten, war’s um die Erfolgsaussichten der Gäste geschehen. Deren Annahme nämlich war alles andere als zweitligatauglich. Jede Menge Fehl-Aufschläge kam hinzu. Die produzierten diesmal auch die Erfurterinnen. Aber sie besaßen ein Trumpf-Ass, dass alle auf dem Parkett überragte: Maria Völker. Wie vor einer Woche beim 3:0 gegen Bad Soden blieb sie in Angriff (tolle 23 direkte Punkte) und Annahme fehlerfrei und wurde so zum Stabilisator nach wackeligen Situationen. "Ich fühle mich gut und endlich auch rundum fit", strahlte sie nach der Partie. "So kann es weiter gehen!"

Neben der gebürtigen Schwerinerin, die ihre Schulterprobleme ausgestanden hat, überragte die 18-jährige Mittelblockerin Ekaterina Soloninkina. Schlagtechnisch noch nicht ausgereift, veredelte die 1,88 m große junge Dame 13 ihrer Angriffe nach Kreuzen. Für eine Mittelblockerin eine tolle Quote!

Dies kaschierte die diesmal nicht immer optimalen Aktionen der Saskia Leonhardt und Juliane Flessa im Angriff, der Lisa Breitsprecher auf Zuspiel sowie die der allerdings durch eine vorausgegangenen Magen-Darm-Infekt noch geschwächten Libera Jana Illiger in der Annahme. "Jule" Flessa, mit Hochs (vor allem in der Feldabwehr) und Tiefs (in den Abschlusshandlungen), hatte eine Erklärung parat: "Ich habe für Anni (die diesmal fehlende Annika Müller/d. Red.) auf Diagonal gespielt. Da habe ich mich doch nicht so wohl gefühlt wie sonst auf Außen. Obwohl ich wusste, dass ich das gegen Stuttgart spielen sollte und das die Woche über trainiert hatte. Aber am Ende hat es gereicht. Und ich denke, dass wir den Sieg auch verdient hatten."

Recht hat sie. Aber in der Schlussphase wurde es nochmals spannend. Besser gesagt: Die Erfurterinnen machten die Tür zweimal noch einen Spalt breit auf. Bei klarer Führung von 14:6 und 20:16 fingen sie konzentrativ an zu wackeln. Indes: Sie hatten eine Maria Völker. Die übernahm Verantwortung und punktete beim Stande von 20:19 doppelt. Den Rest besorgten Antonia Stautz mit "Schmackes" und Juliane Flessa per Aufschlag.

Ein Vergleich zwischen den Partien gegen Bad Soden und Stuttgart ist eigentlich unstatthaft. Eines aber hat sich wieder einmal bestätigt: Kommt ein Favorit wie Bad Soden nach Erfurt, sind die SWE-Damen konzentriert bis in die Haarspitzen. Das waren sie in etwa auch gegen den vermeintlichen schwäbischen Underdog. Aber eben nur bis zum Haaransatz!

Und nun kommt zum dritten Heimspiel am Stück zur selben Zeit (Samstag, 19.30 Uhr) am selben Ort (Riethsporthalle) der Tabellenzweite aus Lohhof!

Was spricht gegen die Haarspitzen? Kaum etwas! Oder doch? Erfurts Trainer Heiko Herzberg erklärt das Doch so: "Wir haben uns all die Jahre gegen Lohhof immer schwer getan. Ich kann das Warum nicht erklären. Es ist Fakt. Zum Glück müssen wir nicht auswärts ran. Da haben wir die Punkte immer liegen gelassen. Aber zu Hause haben wir immer eine Chance."

Auch Küken Mareike Reindanz hat "Blut gerochen": "Ich würde mich riesig freuen, erneut dabei sein zu dürfen."

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