Schwarz-Weiß Erfurt verliert gegen Bundesliga-Spitzenreiter aus Stuttgart

Erfurt  Personell arg geschwächte Erfurter Volleyballerinnen leisten beim 1:3 gegen Allianz MTV Stuttgart begeisternden Widerstand.

Canace Finley war die beste Erfurterin. Archivfoto: Sascha Fromm

Foto: Sascha Fromm

Sie in den Dunstkreis der „glorreichen Sieben“ zu erheben, bekäme sicherlich den Anstrich einer maßlosen Übertreibung. Aber das „Häuflein der sieben Aufrechten“ im Erfurter Schwarz-Weiß-Look – mehr gab der klamme Personalstand aktuell nicht her – leistete beim 1:3 (-17, 24, -15, -20) gegen den ungeschlagenen Bundesliga-Spitzenreiter Allianz MTV Stuttgart einen geradezu heroischen Widerstand. Der wurde sogar von den sieggewohnten Gäste-Fans per anerkennendem Abklatschen einer jeden Erfurterin honoriert. Man stelle sich dies einmal beim Fußball vor!

Ja, Schwarz-Weiß-Coach Jonas Kronseder, ohnehin aus finanziellen Gründen nicht mit einem üppigen Kader gesegnet, musste neben den Langzeitverletzten, Mittelblockerin Sabrina Krause und Außenangreiferin Tess Rountree (beide fußverletzt), zudem auf die an der Schulter lädierte Zuspielerin Antonia Greskamp sowie auf die grippal angeschlagene Libera Carly Kan verzichten.

Beide waren für alle Notfälle im schwarz-weißen Dress wenigstens vor Ort. Außenangreiferin Paula Reinisch, ebenfalls mit Schulterproblemen, spielte immerhin, wurde vom Trainer auf die Libera-Position beordert, in der sie „nur“ anzunehmen brauchte und ihre Schulter zumindest etwas schonen konnte.

Die Annahmespezialistin, ohnehin derzeit mit ständigem Wohlfühllächeln unterwegs, erledigte ihren Tagesjob sehr gut. Für sie kam Paula Mertten, Universalspielerin des Regionalliga-Teams, zu ihrem ersten Einsatz. Auch sie mischte mit, als sei sie schon immer dabei gewesen.

Trumpf in Schwarz-Weiß aber war Canace Finley

Der Trumpf in Schwarz-Weiß aber war Canace Finley. Die 1,93 m große Diagonale, von Zuspielerin Clarisa Sagardia immer wieder perfekt eingesetzt, traf, wie sie wollte. Diesmal sogar aus dem Hinterfeld. Mit tollen 21 Angriffspunkten, vier per Block, stellte sie den eigentlich mit allen Wassern gewaschenen Stuttgarter Blockriegel immer wieder vor neue Rätsel. Ihr Lohn: Auszeichnung als wichtigste Erfurter Spielerin.

Ihr Pendant hieß Krystal Rivers. Die Amerikanerin knallte ihre Angriffe auf die Erfurter Seite, als gäbe es kein Morgen. Einer schoss in die Dreimeterzone, sonstige Männerdomäne, so dass Paula Reinisch, an der der Ball vorbeizischte, befand: „Der war so schnell, den habe ich nicht mal im Ansatz gesehen.“ Der kleine, feine Unterschied zwischen Finley und Rivers: Die Erfurterin blieb stabil, die Stuttgarterin wurde das eine oder andere Mal geblockt und folgerichtig ausgewechselt.

Genau das war auch diesmal der Unterschied: Stuttgart vermochte verlustfrei nachzulegen, konnte jede Schwäche personell korrigieren. Auch ein, nein der entscheidende Grund, weshalb die Schwarz-Weißen ihr Niveau selten über die Gesamtdistanz stabil halten können. Neben dem mit tosendem Beifall gefeierten, mit 26:24 gewonnenen zweiten Durchgang waren die Einheimischen auch im ersten wie vierten Satz lange gut dabei. Zwei, drei nicht so optimale Aktionen aber brachten den beständig durchwechselnden Gast final in die Vorhand.

Am Ende blieb trotz des guten Spiels die traurige Gewissheit, dass Abstiegskonkurrent Straubing seine drei Pflichtpunkte in Berlin geholt hat. Nun bedarf es neben dem Pflichtsieg in Straubing noch eines weiteren Erfolges, wenn Erfurt die Bundesliga halten will. Gelegenheiten dazu gibt es noch vier. Die kleine Hoffnung heißt: Wiederholung der Leistung gegen Stuttgart.

Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt: Drei Pflichtpunkte verpasst

Zu den Kommentaren