Von Commander B, Lordi und dem Tausl: Die Spitznamen der Westthüringer Fußballer

Eisenach/Gotha.  Bei „Tante Käthe“, „Prinz Poldi“ oder „Titan“ hat jeder Fußballfan das dazugehörige Gesicht der ehemaligen Profis vor Augen. Aber bei den Amatueren in Westthüringen?

Apfelstädts David Leischner (rechts  gegen Eisenachs Robert Kiesewetter)  wird auf dem Platz nur „Mechte“ gerufen.

Apfelstädts David Leischner (rechts  gegen Eisenachs Robert Kiesewetter)  wird auf dem Platz nur „Mechte“ gerufen.

Foto: Mike El Antaki

Manche tragen ihn wie eine zweite Haut. Jeden Tag, denn sie sind ihn nicht mehr losgeworden, seit sie ihn bekommen haben. Andere tragen ihn wie einen alten Hut. Wenn sich mal die Gelegenheit ergibt, wird er eben rausgeholt. Spitznamen begleiten manche Menschen ein Leben lang, mit lustigen oder rührseligen Erinnerungen, die sie damit verbinden.

Bei „Tante Käthe“, „Susi“, „Prinz Poldi“ oder „Titan“ hat sicher jeder Fußballfan direkt das dazugehörige Gesicht der ehemaligen Profis vor Augen. Aber natürlich kann nicht nur die Bundesliga mit solchen Namen aufwarten – auch in Westthüringen gibt es vermutlich keine Mannschaft ohne Spieler, die nur selten mit ihren richtigen Vornamen gerufen werden. Wir haben uns auf die Suche gemacht, ehemalige und aktiver Kicker zusammengetragen, die irgendwann einen Kosenamen verpasst bekamen.

„Künstler“ auf und neben dem Platz

Buchstäblich einen „Künstlernamen“ trägt Nick Walter von Thüringenliga-Spitzenreiter FC An der Fahner Höhe. Nicht nur für seine hervorragenden Ecken und Freistöße ist Walter bekannt, auch neben dem Platz zeigt er seine künstlerischen Qualitäten, ob beim musikalischen Entertainment der Mannschaft oder der Gestaltung von Flyern und der Website. Da lag der Spitzname „Künstler“ auf der Hand.

Eintracht Apfelstädts Kapitän David Leischner hört auf den Namen „Mechte“. Dieser ist beim 31-Jährigen ortsbezogen, denn Leischner wurde in Mechterstädt groß und begann bei der Victoria mit dem Fußball. Seinen Namen behielt er dann auch bei seinen weiteren Stationen FC Rot-Weiß Erfurt, SV 09 Arnstadt und dem FC Eisenach bei, obwohl er längst woanders wohnt.

Manchmal erklären sich die Kreationen auf den ersten Blick, oft wirken sie aber auch völlig absurd. Wie beim ehemaligen Rainer Behnke alias „Rambo Ramon“. Behnke, der sich als passionierter Eishockeyspieler zuletzt bei den Black Dragons um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gekümmert hat, war einst ein sehr guter Fußballtorwart. Ausgebildet beim FC Rot-Weiß, spielte er unter anderem bei Wacker Gotha zusammen mit dem vormaligen Zweitligastürmer Daniel Bärwolf in der Oberliga. Bärwolf war ein Fan der Sendung „TV Total“, in der Stefan Raab mal einen siebenjährigen Jungen wegen dessen seltsamen Namen Rambo Ramon Rainer auf die Schippe nahm. Behnkes Spitzname war geboren.

Natürlich werden auch Beteiligte neben dem Rasen nicht verschont. Ohratal Ohrdrufs Betreuer und Fitnesscoach Marcel Beese wird „Commander B“ genannt. Er tritt als selbst ernannter Feldwebel auf, der vor keiner Laufstrecke Halt macht und im vergangenen Jahr den kompletten Rennsteig bezwungen hat. Militärisch bleibt es auch bei Co-Trainer Lars Frankenberger – der „Colonel“ ist Berufssoldat bei der Bundeswehr. Dass Ohrdrufs Kapitän Philipp Kiebert von Teamkollegen und Fans nur „Kiwi“ gerufen wird, ist ebenfalls naheliegend. Sein Nachname wurde zunächst in „Kiebi“ abgekürzt und schließlich weiter verniedlicht. Deutlich kreativer klingt da schon „Tausl Junior“ für Oliver Thomann, was nichts anderes bedeutet als Thomann aus Luisenthal. Der „Tausl Senior“ ist sein älterer Bruder Robert.

Spitzname kann von Vorteil sein

Gibt es mehrere Akteure in einer Elf, deren Eltern die selbe Idee bei der Vornamenswahl hatten, kann so ein Spitzname von Vorteil sein. Um Franz Fiedler von Franz Burkhardt zu unterscheiden, entstand für den Erstgenannten anhand seiner Initialen „Effe“. Nur als „Lordi“ ist vielen Wacker-Verteidiger Kevin Helm bekannt, während bei seinen Teamkollegen Stefan Zielasko („Zille“) und Norman Bonsack („Bohne“) und Steffen Scheidler („Scheidel“) der Nachname Pate stand.

Manchmal geht ein Spitzname auf das Äußere eines Spielers zurück. Der noch in Treffurt wohnende Marco Braunhold, bis 2016 beim SV Normania aktiv, hatte eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Werder Bremens Marco Bode. „Bode“ spielte zusammen mit „Diego“, der in Wirklichkeit Philipp Richardt heißt. Als Jugendlicher ähnelte der relativ kleine Spieler mit seinem schwarzen Lockenkopf Diego Maradona. Hier war es die Statur, bei Andreas Amann der Spielstil, der erfinderisch machte. Der ehemalige Ruhlaer Kreisoberligaspieler, inzwischen in Hüpstedt aktiv, narrt seine Gegner gern, indem er die Kugel beim Dribbling unter den Füßen hin- und herzieht. Da bot sich „Sohle“ an.

Oftmals wissen jedoch nur wenige, woher ein Name kommt. Ein Beispiel aus einstigen Ruhlaer Zeiten. Als beim Training der damaligen TSG ein kleiner Junge mitmachen wollte, fragte Coach Werner Westh: Wer bist du? Der große Bruder Lars antwortete „Das ist Mompel.“ Und fortan wurde Andreas Dorn, der lange als Verteidiger beim EFC spielte, nur noch so genannt.

Der einst weit verbreitete Brauch Teamkollegen, mit lustigen, flapsigen oder auch schmeichelnden Namen auszustatten, ist allerdings etwas aus der Mode gekommen. Früher war eben nicht nur mehr Lametta. Die Ausnahme von der Regel bilden dörfliche Vereine wie Eintracht Ifta. Da grätscht „Piet“ (Carsten Glock), schlägt „Hombre“ (Marcel Schwanz) weiche Pässe, während vorn „Ramiro“ (Damian Wallstein), der „Hunter“ (Tobias Leinhos) und „Hippel“ (Karsten Schwanz) auf die Bälle lauern. Gefühlt hat bis heute jeder Iftaer einen Spitznamen. Und seien wir doch ehrlich, irgendwie gehören die zum Amateurfußball wie das Bier nach dem Spiel.