Wacker-Coach Kreidemeier: „Die Liga hat mich gereizt“

Nordhausen.  Sven Kreidemeier, Trainer der Fußball-A-Junioren von Wacker Nordhausen, spricht über die Herausforderung Regionalliga.

Für Sven Kreidemeier, Trainer der A-Junioren von Wacker Nordhausen, und seine Jungs ist die Regionalliga ein Abenteuer.

Für Sven Kreidemeier, Trainer der A-Junioren von Wacker Nordhausen, und seine Jungs ist die Regionalliga ein Abenteuer.

Foto: Michael Liedke

Das Wort Abenteuer wird oft gebraucht, jedoch ist dessen Bedeutung kaum passender als für die A-Junioren von Wacker Nordhausen. Der älteste Nachwuchs versucht sich, trotz der schwierigen Zeiten bei Wacker, in dieser Saison in der Regionalliga. Dass es dabei zum Teil herbe Rückschläge geben wird, ist allen klar. Wir sprachen mit Sven Kreidemeier, dem Trainer der A-Junioren. Der 42-jährige selbstständige Versicherungsmakler ist seit gut vier Wochen dabei, ein Team zu formen.

Das erste Spiel in Aue ging 0:7 verloren. War das zu erwarten?

Naja, wir wissen, wie schwer wir es haben und haben werden. Aue ist für mich ein Favorit auf die Meisterschaft und wir sind Aufsteiger mit einer eher durchwachsenen Vorbereitung. Da muss man kein Prophet sein, um die Lage einzuschätzen.

Wie lief denn die Vorbereitung?

Wir haben vor gut vier Wochen überhaupt erst angefangen mit dem Training und nur ein Testspiel gehabt. Das ist freilich zu wenig, egal ob für eine Regionalliga oder Kreisliga. Und wir trainieren meist nur drei Mal die Woche, normalerweise müssten wir jeden Tag trainieren. Wir brauchen noch eine ganze Weile und die Mannschaft ist ohnehin sehr jung.

Wie jung?

Wir haben Spieler drin, die könnten noch U 17 spielen. Mehrere. Das muss man sich mal vorstellen. Kevin Schlesier beispielsweise. Der 16-Jährige ist von der FSG Salza zu uns gekommen und spielt gleich Regionalliga.

Haben denn die Jungs in irgendeiner Weise Erfahrungen mit der zweithöchsten Liga im Nachwuchsbereich?

Ganz klar, nein. Unsere Jungs wurden zum Teil ins kalte Wasser gestoßen, was keinesfalls schlecht ist. Zum Beispiel Felix Leibiger. Der Junge hat bis vor kurzem noch in Urbach in der Kreisklasse gespielt. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Sie sind auch erst seit ein paar Wochen bei Wacker Nordhausen. Wie kam es dazu?

Ich war zuvor in Leimbach und habe die Kreisoberliga-Jungs betreut. Der Kontakt zu Torsten Klaus und Philipp Seeland war immer da. Dadurch, dass ich auch Stützpunkttrainer des DFB bin, war ich in Nordhausen immer wieder präsent. Und so kam eins zum anderen.

Und dann war die Entscheidung sofort klar?

Nein, keinesfalls. Es ist mir enorm schwer gefallen und ich habe mir selbst vier Tage Bedenkzeit gegeben. Denn ich wusste, auf was ich mich da in etwa einlasse.

Auf was haben Sie sich denn eingelassen? Was war der Beweggrund, dieses Abenteuer einzugehen?

Die Liga war und ist der Reizpunkt. So eine Chance bekommt man nicht alle Tage und diese muss man nutzen. Geld oder einen Vertrag gibt es nicht, was viele immer glauben. Ich wollte dieses Abenteuer eingehen, weil ich Spaß an meinem Hobby haben. Ich muss mich auch erstmal an die Umstände gewöhnen und daran, zu verlieren.

Wie sind denn die Umstände und wie sehr beeinflusst sie die Insolvenz von Wacker?

Das Drumherum interessiert mich nicht und kann ich auch nicht beeinflussen. Ich will einfach auf dem Platz stehen und mit den Jungs trainieren.

Was sind denn die Ziele mit der Mannschaft?

Wir wollen Erfahrungen sammeln und den Jungs die Möglichkeit geben Regionalliga zu spielen. Daran werden sie sich wohl ihr Leben lang erinnern. Die Jungs sollen das beste für sich herausnehmen. Natürlich möchte ich als Trainer eine ständige Verbesserung sehen. Vor allem ab der Rückrunde wollen wir einen positiven Trend sehen. Das muss trotz der Umstände schon der Anspruch sein. Und wir wollen alle anderen Mannschaften ärgern und ihnen es so lange wie möglich schwer machen.

Haben Sie die Befürchtung, dass bei mehreren Niederlagen einige Jungs das Handtuch werfen könnten?

Das ist eine gute Frage. Aber ich denke nicht. Die Jungs können das schon sehr gut einschätzen und sie wissen, worauf es ankommt. Alle werden alles geben. Schon beim Spiel in Aue habe ich gesehen, dass selbst beim 6:0 gegen uns kein Kopf runter ging. Das ist die richtige Einstellung.

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