Wacker-Präsident Klaus: „Haben unsere Rechnungen immer bezahlt“

Nordhausen.  Torsten Klaus, seit Sommer Vereinspräsident von Fußball-Oberligist Wacker Nordhausen, über fehlende Punkte, die Insolvenz und Ärger mit einigen Fans.

Wacker Nordhausens Präsident Torsten Klaus. 

Wacker Nordhausens Präsident Torsten Klaus. 

Foto: Christoph Keil

Seit vier Monaten stehen Torsten Klaus und sein Präsidium an der Spitze von Wacker Nordhausen. Die Aufräumarbeiten nach der Insolvenz von Profiabteilung und Gesamtverein gestalten sich wie erwartet wirtschaftlich und sportlich schwierig. Die Oberliga-Mannschaft liegt sieglos auf dem vorletzten Platz, auch der Saisonetat ist noch nicht gesichert. Aber der 36 Jahre alte frühere Mittelstürmer kann erste Erfolge vermelden.

Was verbuchen Sie nach ihrer Wahl zum Wacker-Präsidenten auf der Habenseite?

Dass die Nachwuchsmannschaften weiterlaufen. Hier gilt der Dank unseren Trainern, die ja jetzt alles ehrenamtlich machen. Wir haben auch bei der Wirtschaft wieder Vertrauen aufgebaut und den Verein in ruhiges Fahrwasser geführt.

Das Oberliga-Team hat aber nur einen Punkt geholt. Werden Sie langsam unruhig?

Wir haben nicht so viel auf der Habenseite wie erhofft. Aber ich besitze weiter volles Vertrauen in den Trainer und unsere sehr junge Mannschaft. Wir üben da keinen Druck aus. Die Stimmung ist trotz allem gut. Die Jungs müssen sich einfach weiterentwickeln. Und die Niederlagen fielen ja meist knapp aus. Gegen Martinroda hat es leider mit dem ersten Sieg nicht geklappt. Gegen Ludwigsfelde sollte nun am kommenden Sonntag aber ein Dreier her, damit der Abstand ans Mittelfeld nicht immer größer wird.

Welche negativen Dinge erleben Sie und ihre Präsidiumskollegen nach dem Neuanfang noch?

Leider kommen immer noch jede Woche Sachen aus der Vergangenheit ans Licht, die den Verein, unsere Arbeit und den Aufbau neuer Strukturen bremsen. Aber wenigstens ist es weniger geworden.

Haben Sie Kontakt zu Ex-Präsident Kleofas?

Es gibt keinen Kontakt zu ihm und auch keinen Anlass dazu.

Peter Staufenbiel, der Insolvenzverwalter der Spielbetriebs-GmbH, soll erklärt haben, dass es keine Forderungen an den ebenso insolventen Stammverein geben wird.

Das wäre natürlich gut. Aber alles was ich nicht schriftlich habe, zählt für mich nicht.

Wann könnte das Insolvenzverfahren für den Verein abgeschlossen werden?

Mein Wunsch wäre es, wir könnten – bei optimalen Verlauf – die Insolvenz Ende des ersten Quartals 2021 beenden. Das Ziel ist, das Verfahren mit einem Insolvenzplan abzuschließen. Unser Insolvenzverwalter Thomas Dithmar aus Erfurt ist sehr engagiert. Ich habe laufend Kontakt mit ihm. Er war auch schon bei diversen Oberliga-Spielen unserer Mannschaft dabei.

Wie geht es dem Verein aktuell?

Dem Verein geht es weiter finanziell schlecht. Aber seit wir im Amt sind, konnten wir unsere Rechnungen immer pünktlich bezahlen. Wir wirtschaften sehr vernünftig. Unser Etat ist allerdings noch nicht bis zum Saisonende gesichert. Die Corona-Krise macht uns da zu schaffen. Unternehmen, die gerade Corona-Hilfe beantragen müssen, können uns nicht in dem Umfang unterstützen, wie wir das erhoffen.

Suchen Sie nach Verstärkungen?

Die gute Nachricht war erstmal, dass uns bis zum Ende der Transferperiode kein weiterer Spieler verlassen hat. Bei uns kann man zwar kein großes Geld verdienen, kann sich aber sportlich als junger Spieler in der fünfthöchsten Spielklasse durchaus entwickeln. Wir helfen mit unseren Partnern bei Ausbildung, Job und Wohnung. Mit Paul Kirchner und Elias Gorges haben wir jetzt noch wichtige Akteure hinzubekommen. Wir suchen weiter in der Region, um uns im Winter vielleicht nochmals zu verstärken. Oberstes Ziel bleibt schließlich, die Klasse zu halten.


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  • Die Fans gehen diesen Weg offenbar mit Geduld auch mit. Leider kam es wiederholt zu Verstößen, so zuletzt in Martinroda. Wie reagiert der Verein?

    Fußball ist emotional und wir sind dankbar für unsere zahlreichen Fans, vor allem auswärts. Doch nach dem E-Zigaretten-Wurf in Martinroda auf den Linienrichter erwarten wir eine saftige Geldstrafe, die wir uns eigentlich nicht leisten können. Es war ja schon nach der Partie gegen Fahner Höhe bei uns außerhalb des Stadions zu Rangeleien gekommen. Sollten Täter von der Polizei ermittelt werden, werden wir als Verein hart durchgreifen.

    Der FC Rot-Weiß Erfurt steht trotz Insolvenz schon wieder an der Spitze der Oberliga. Haben Sie das erwartet?

    Wir können uns mit Rot-Weiß nicht vergleichen. In Erfurt herrscht wirtschaftlich eine andere Infrastruktur. Die haben 2500 Fans als harten Kern – wir 350. Ich habe mich gefreut, dass es dort weitergeht. Ich habe fünf Jahre dort im Nachwuchs gespielt. Für Thüringen ist Rot-Weiß wichtig. Für uns ist das in der aktuellen Lage aber kein Konkurrent.

    Wacker Nordhausen – Ludwigsfelder FC, Sonntag, 14 Uhr, A.-Kuntz-Sportpark