Waltershäuser Karate-Geschwister fahren zu den Weltspielen

Waltershausen. Die Zusammenkunft der Geschwister musste noch ein wenig aufgeschoben werden. Während Noah unter der Woche in Frankfurt im Trainingslager weilte, war Schwester Jana zwar in Duisburg ebenfalls aktiv, aber auch noch an der Uni in Köln gefordert. Am gestrigen Freitag gab sie ihre Bachelorarbeit ab. Dass diese über das Karate geschrieben ist, überrascht nicht wirklich.

Fleißige Trophäensammler: Noah und Jana Bitsch gehören in Deutschland zur Leistungsspitze. In Kolumbien treten sie gegen die sieben besten Kontrahenten an. Foto: privat

Fleißige Trophäensammler: Noah und Jana Bitsch gehören in Deutschland zur Leistungsspitze. In Kolumbien treten sie gegen die sieben besten Kontrahenten an. Foto: privat

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Der Name Bitsch könnte im Wörterbuch als Synonym für die japanische Kampfsportart stehen. Vater Klaus gilt als einer der erfolgreichsten Übungsleiter in Deutschland und bekleidet das Amt des Bundesjugendtrainers Kumite der Schüler und Jugend. Mutter Bianca ist ebenfalls im Bushido Waltershausen, der Heimatstätte, als Trainerin aktiv und übernimmt zudem die Pressearbeit. So ist es wenig überraschend, dass auch den Kindern Noah (23), Jana (22) und Mia (9) der Sport in die Wiege gelegt wurde. Mit drei Jahren begann Noah, Jana gar mit 2 1/2. "Ich kann gar nicht ohne Karate leben", sagt Jana (Gewichtsklasse bis 55 kg), die in Deutschland mit ihrem Bruder zur absoluten Spitze gehört. Mehrfach schon wurde das Duo deutscher Meister, wobei Noah in seiner Klasse (bis 75 kg) seit 2006 in Deutschland ungeschlagen ist und zudem Europameister mit der deutschen Mannschaft wurde.

Der Kaderathlet hat für seine Erfolgsgeschichte neben dem harten Training auch eine andere Erklärung. "Ich gebe nie auf, bin nicht so der emotionale Typ. Man hat einen Kampf erst verloren, wenn Schluss ist." Auch die Verlockungen im Jugendalter "überstanden" die beiden. "Natürlich gab es immer mal Punkte, wo man überlegt hat, warum man sich Tag für Tag quält, während die Freunde im Freibad sind. Doch genau in diesen Situationen entscheidet sich, ob man das Zeug zum Leistungssportler hat oder nicht", ist Noah überzeugt.

Obwohl das Geschwisterpaar die Anzahl der Trophäen wohl kaum mehr zählen kann, brennen sie auf die nächste Woche startenden World Games im kolumbianischen Cali. "Sie sind neben einer Weltmeisterschaft das größte, was man erleben kann", sagen sie unisono. Gegen sieben Kontrahenten - die besten aus aller Welt - müssen sich die Waltershäuser behaupten und dürfen sich keine schwache Sekunde erlauben. Die acht Kämpfer werden in zwei Gruppen zu je vier Athleten eingeteilt, nur die zwei besten jeder Gruppe kommen weiter. "Es wird unwahrscheinlich schwer. Man kann alle Kämpfe gewinnen, aber auch alle verlieren", sagt Noah, der sich wie Jana aber ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat. Mindestens ins Halbfinale wollen sie vorstoßen.

Trainingslager in Miami zur Vorbereitung

Die Vorbereitungen auf die World Games verliefen für beide unterschiedlich. Noah, der sich dank der Sportfördergruppe der Bundeswehr neben seinem Karate-Traineramt voll und ganz auf Cali konzentrieren konnte, ist hier im Vorteil. Jana hingegen büffelte bis zuletzt an der Uni. "Sicher war die Vorbereitung nicht ideal. Mein Tagesablauf bestand nur aus lernen, schreiben, trainieren und schlafen", sagt sie. Als Ausrede will sie dies aber nicht gelten lassen.

Im Trainingslager in Miami wird in den kommenden Tagen der letzte Feinschliff geholt, ehe die Anreise nach Kolumbien erfolgt. Die Zeit in den USA dient auch der Umstellung auf die andere Zeit. Insgesamt fünf deutsche Karateka gehen an den Start. Und auch für die "Familienidylle" ist gesorgt. Denn neben Noah ist auch Janas Freund Alexander Heimann bei den World Games dabei. Dieser startet in der Klasse bis 60 kg und ist - wie sollte es auch anders sein - natürlich Karateka.

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