Warum Nordhausens Stürmer Paul Kirchner Hoffenheim-Anhänger ist

Nordhausen.  Paul Kirchner vom Fußball-Oberligisten Wacker Nordhausen gibt Fans Autogramme, verspricht Tore und verbreitet Zuversicht für den Klassenerhalt.

Paul Kirchner – hier mit Wacker-Anhänger Jörg Hoff – gab Autogramme und verkaufte für den guten Zweck das Rudolstadt-Programm.

Paul Kirchner – hier mit Wacker-Anhänger Jörg Hoff – gab Autogramme und verkaufte für den guten Zweck das Rudolstadt-Programm.

Foto: Michael Liedke

Die weiße Spendendose klapperte fröhlich, obwohl auch etliche Scheine drinsteckten. Die Fans von Wacker Nordhausen zeigten sich spendabel, nicht nur weil Paul Kirchner ein freundliches Gesicht machte. Der Angreifer verkaufte in der Geschäftsstelle in der Parkallee die Programme des am 1. November ausgefallenen Punktspiels gegen Rudolstadt. Bei Einheit waren im Team kurzfristig Corona-Fälle aufgetreten.

Das Heft ist ein Stück für Sammler mit Kirchner auf dem Titelfoto. Wackers Angreifer mit der Nummer 10 machte aus der Benefizaktion gleich noch eine Autogrammstunde. Die Hefte werden von Wacker-Anhängern in ganz Deutschland gesammelt. Eins soll sogar nach Australien gehen. „Ich habe da einen alten Kumpel aus Nordhausen, der wird sich freuen“, sagt Jörg Hoff, nachdem er für eine Handvoll Heftchen einen Schein in die Spendendose gesteckt hatte.

2:2 in Eilenburg macht Hoffnung

Paul Kirchner redete an diesem Abend trotz Corona-Maske viel mit Fans. Und der 21-Jährige verbreitete Zuversicht. Obwohl er und sein Team bisher ohne Sieg auf dem letzten Platz der Oberliga-Tabelle stehen. „Neun von zehn Mannschaften wären nach dem 2:2-Ausgleich von Spitzenreiter Eilenburg eingebrochen. Wir nicht. Auch die meisten anderen Auftritte machen mir Hoffnung. Aber natürlich müssen wir endlich Spiele gewinnen“, sagt Kirchner, der seit fünf Wochen wieder für Nordhausen spielt.

„Ich war froh, dass man mich hier mit offenen Armen wieder aufgenommen hat“, sagt Kirchner, der nach der Insolvenz bei Wacker eigentlich bei Regionalligist Hildesheim sein Glück gesucht hatte. „Es war dort kein Missverständnis“, so Kirchner. „Ich bin aus privaten Gründen nach Nordhausen zurückgekehrt“, sagt er, ohne es näher ausführen zu wollen.

Arbeit in Erfurt, Fußball in Nordhausen

Kirchner wohnt mit seiner Freundin und ihren drei Kindern weiter in der Rolandstadt. „Jetzt können sie mich wieder auch beim Training sehen“, erzählte Kirchner, dessen Ältester bei Wacker bei den C-Junioren spielt. Arbeiten tut der Fußballer in Erfurt in der Familien-Firma, die von seinem Opa, Entdecker und schärfstem Kritiker Hans Kirchner geleitet wird. „Ich helfe meiner Mama in Büro oder in der Werkstatt. Ich bin der Mann für alle Fälle“, lacht Kirchner, der den Hans seines Opas als zweiten Vornamen trägt.

Der gebürtige Erfurter begann bei Dachwig/Döllstädt, spielte dann als Jugendlicher acht Jahre bei Rot-Weiß Erfurt. „RWE war damals die Nummer eins in Thüringen. Gegen den FC Bayern haben wir im DFB-Pokal nur knapp 3:4 verloren“, erinnert sich Kirchner, der damals 2008 als Einlaufkind die Profis auf den Rasen führte. Als A-Junior nahm ihn sein Trainer später mit nach Zwickau. „Eine sehr schöne Zeit. Auch, weil ich dort meine Freundin mit den Kindern kennengelernt habe. Aber ich bekam dort auch den ersten Einblick in den Profifußball“, sagt Kirchner. In Nordhausen eröffneten sich dann für das Talent trotz hochbezahlter Kollegen auch einige Chancen als Amateur Regionalliga-Luft zu schnuppern. Seinen Kinderwunsch einmal Profifußballer zu werden hat Kirchner aktuell „erstmal beiseite gelegt.“ „Aber wenn sich noch einmal eine Tür öffnen, würde ich es versuchen. Ich bin ja noch jung“, erzählt er.

Ibrahimovic als Idol

Jetzt will er mit seinen Jungs zunächst Wacker in der Oberliga halten. Doch dafür braucht es Siege und Tore. Vor allem von Kirchner. „Es ärgert mich schon, dass ich noch nicht getroffen habe“, sagt er. „Die Chancen waren ja da.“

Kirchner kennt die Blockaden, die ein Vollblutstürmer manchmal durchmachen muss. Der Angriff war übrigens schon immer seine Sache. „Ibrahimovic war mein Idol. Lewandowski bewundere ich wegen seiner Spielweise und ich schaue gern Hoffenheim, weil das immer Spektakel ist.“

Nach seiner Autogrammstunde durfte Kirchner feiern. Die TSG gewann haushoch 5:0 gegen Liberec.