Wenn im Schach keine Könige mehr fallen ...

Weimar.  Weimars Schachspieler vom SSV Vimaria trainieren derzeit über das Internet fleißig weiter. Alle Turniere sind natürlich abgesagt.

Derzeit werden Figuren nur im Internet geschlagen.

Derzeit werden Figuren nur im Internet geschlagen.

Foto: MAXIM THORE / imago

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Die Corona-Krise verhindert den Sport in allen Bereichen, davon sind auch die Schachspieler betroffen. Das Kandidatenturnier der weltbesten Spieler, es dient zur Ermittlung des Herausforderers des Weltmeister, wurde in Jekatarinenburg nach der Hälfte der gespielten Partien abgebrochen. Nahschach kann also nicht mehr gespielt werden und Fernschach hat mit der Entwicklung der Computertechnik an Reiz verloren. Wurden früher die Züge mit der Post wechselseitig zugeschickt, lässt sich dies heute per E-Mail besser und vor allem schneller realisieren, aber es gewinnt meistens der, der zu Hause in seinem Rechner die besten Züge findet. Eigenes Denken ist also hier nicht mehr so gefragt.

So sind auch Weimars Vimaria-Schachspieler gezwungen, die Spielpause zu Hause zum individuellen Training zu nutzen. Alle Turniere sind abgesagt, die Mannschaftswettkämpfe im Erwachsenenbereich sind nach sechs von neun Runden eingestellt. In den Thüringer Ligen ist Vimaria Weimar mit sechs Mannschaften vertreten. Von den insgesamt 72 Vereinsmitgliedern, davon 35 Nachwuchsspieler, sind in diesen Mannschaften 38 Spieler gemeldet. Dass hierbei natürlich auch die besten Nachwuchsspieler eingesetzt sind, ist selbstverständlich, vor allem dann, wenn bei Ausfall infolge privater oder gesundheitlicher Gründe Ersatzspieler eingesetzt werden müssen.

„Aushängeschild“ des Vereins ist der Nachwuchs. Vimaria gehört zu den spielstärksten Nachwuchsvereinen Thüringens. Die jahrelange konsequente Nachwuchsförderung durch die besten Spieler der ersten Männermannschaft, beginnend mit Toralf Rensch und Michael Philipp, hat dazu geführt, dass inzwischen mit Jürgen Albrecht, Jörg Mysliewic, Mathias Philipp, Finn Riedel und Andreas Günther die Spitzenbretter der Thüringenliga-Mannschaft das wöchentliche Training des Nachwuchses übernommen haben. Diese Nachwuchsförderung durch die Spitzenspieler des Vereins ist in dieser Breite unter den Thüringer Schachclubs einmalig und zeigt zwischenzeitlich auch Erfolge. Unzählige Thüringen-Meister in den verschiedensten Altersklassen zeugen vom intensiven und erfolgreichen Training.

So konnten im Jahre 2019 Henriette Stadelmann (AK U-8-w), Leonas Bock (U-10), Marlon Bock (U-12) den Thüringenmeistertitel erringen sowie Emanuel Krömer Vizemeister (U-12) und Andreas Roth (U-10) Dritter werden. Die U-10- und die U-12-Mannschaft wurden ebenfalls Thüringenmeister und nahmen gemeinsam mit dem U-8-Team an den Deutschen Meisterschaften in Magdeburg teil. Gegenwärtig spielen in den Nachwuchsligen fünf Mannschaften, die erste Mannschaft der U-16 und die erste Mannschaft der U-12 führen jeweils die Tabellen an.

Noch zu erwähnen sind die Arbeitsgemeinschaften an der Park-Grundschule sowie an der Fürnbergschule. Unter den hervorragenden Ergebnissen bei den Schulschachmeisterschaften sind der Thüringenmeister in den Jahren 2017, 2019 und 2020 und der Vizemeister 2018 sowie der sechste Platz bei den Deutschen Schulschachmeisterschaften 2019 durch die Fürnbergschule sowie im Jahre 2020 der zweite Platz des Schiller-Gymnasiums in der Wettkampfklasse 4 (13 Jahre und jünger) und der dritte Platz des Humboldt-Gymnasiums in der Wettkampfklasse 3 (13 bis 15 Jahre) hervorzuheben.

Für die Thüringer Einzelmeisterschaften, die in den Osterferien vom 4. bis 7. April im Harz-Park Güntersberge stattfinden sollten, hatten sich in den verschiedensten Altersklassen insgesamt 14 Kinder des SSV Vimaria qualifiziert – so viele, wie noch nie. Durch die Thüringer Schachjugend wurden sie zwischenzeitlich abgesagt. Für die weiteren Meisterschaften des Nachwuchses gibt es zur Zeit keine Terminplanung. Der gesamte Spielbetrieb ist zum Erliegen gekommen. Die Spielstätte in den Stadtwerken, sie wird als bestes Spiellokal der Thüringer Ligen bezeichnet, sowie das Trainingsdomizil im Mehrgenerationshaus in Weimar-West bei der Weimarer Wohnstätte sind geschlossen. So gibt es nur über das Internet ein individuelles Training, für das das Spitzenbrett der ersten Mannschaft, Mathias Philipp, ein Trainingsprogramm aus dem Internet für den Weimarer Nachwuchs ausfindig gemacht und aufbereitet hat. Viele Fragen bleiben offen. Aber so ist es ja wohl nicht nur in allen Sportarten sondern im gesamten öffentlichen Leben. Alles wird sich nach Beendigung der Coronakrise neu orientieren müssen.

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