Wie Martin Vopel Torwarttrainer bei Wacker Nordhausen wurde

Nordhausen.  Beim Grillfest fing alles an: Martin Vopel war lange Zeit Torhüter bei Wacker Nordhausen. Nun kehrte er als Torwarttrainer zurück.

Martin Vopel (Mitte) beobachtet seine Schützlinge Valentin Henning (links) und Lucas Treiber ganz genau beim harten Training.

Martin Vopel (Mitte) beobachtet seine Schützlinge Valentin Henning (links) und Lucas Treiber ganz genau beim harten Training.

Foto: Christoph Keil

Einige bunten Stangen liegen wild durcheinander auf dem Rasen. Nur wenige Minuten später steht ein Viereck, zusammengesteckt von Valentin Henning und Lucas Treiber. Für die Torhüter des Fußball-Oberligisten FSV Wacker Nordhausen standen noch bis vor Kürzen unter anderem Sprünge auf dem Trainingsplan. „Die Sprungkraft ist das A und O“, betont Torwarttrainer Martin Vopel und erklärt sogleich die erste Übung im selbst ernannten „Viereck des Grauens“. Ohne Zwischenpause gilt es jede der vier Stangen in diesem Viereck zu überspringen. Mindestens alle zwei Wochen baut Vopel das Viereck in das Torwarttraining mit ein, auch wenn es derzeit nicht möglich ist. Auch wenn es von den beiden nicht geliebt wird.

„Ich habe ihnen versprochen, wenn sie es schaffen, in einem der kommenden Spiele hinten die Null zu halten, dann gibt es eine längere Pause für das Trainingsgerät“, sagt der 35-Jährige schmunzelnd. Diese Pause müssen sie sich nun verdienen. In den bisherigen Saisonspielen war dies noch nicht der Fall. Die jungen Torhüter arbeiten aber hart daran. Auf der anderen Seite steht Vopel. Ihr Trainer. Im Sommer kehrte er zurück zu Wacker. Zu einem Verein, in dem er selbst neun Jahre als Torhüter aktiv war. Seine Rückkehr beginnt bei einem Grillfest seiner Eltern. Es war eine Zeit, in der niemand wusste, wie es beim Verein weitergehen sollte. Insbesondere mit der ersten Mannschaft. Oberliga? Verbandsliga?

Für Vopel schließt sich der Kreis

„Ich saß mit meinem Bruder Marcus am Tisch und habe aus Spaß zu ihm gesagt, ich bekomme bestimmt am Montag einen Anruf von euch und ihr braucht einen Torhüter.“ Sein Bruder verneinte, es gäbe schon zwei. Sein Handy sollte trotzdem klingeln. Am andere Ende der neue Wacker-Präsident Torsten Klaus. „Ich brauche dich“, waren seine ersten Worte. Vopel leicht zusammenzuckend: „Wie jetzt?“ Klaus beruhigte im gleichen Moment: „Als Torwarttrainer.“ Daraufhin folgten Gespräche mit seinem vorherigen Verein, dem SV Bielen, und seiner Familie. Von beiden Seiten gab es grünes Licht für die neue Aufgabe. „Ich habe dann recht zügig eine Entscheidung gefasst und zugesagt“, so Vopel, für den sich ein Kreis schließt.

In einem für ihn gesundheitlich schwierigen Jahr 2015 musste er seine Torwarthandschuhe zur Seite legen. Mit der Zeit ging es ihm wieder besser. Er fragte den damaligen Wacker-Präsidenten Nico Kleofas nach einer sportlichen Aufgabe. „Er hatte zu der Zeit nichts für mich. Ich bin dann zum SV Bielen gegangen“, erinnert sich Vopel zurück. Im Sommer schloss sich nun der Wacker-Kreis. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich wieder bei Wacker bin und helfen kann.“ Und das einmal für eine gute Stunde. Meist zu Wochenbeginn steht er mit den Jungs für diese zusätzliche Einheit – neben dem normalen Mannschaftstraining – auf dem Platz. „Ich bin sehr zufrieden mit den beiden, sie ziehen ordentlich mit.“

Tests mit Fußbällen und Zahlen

Zurück auf dem Platz: Vopel braucht sechs Bälle, legt sie dicht aneinander auf den Rasen. Henning und Treiber begeben sich in den Liegestütz. Vopel ruft ihnen im wilden Mix die Zahlen eins, zwei und drei zu. Ist es die zwei, tippen sie den mittleren Ball mit dem Finger an. Plötzlich ruft er ihnen die Vier zu. Henning reagiert als Einziger, tippt zweimal auf den mittleren Ball. „Das war von ihm clever gelöst. Ich wollte sehen, ob sie aufpassen.“ Dann kommt endlich das Tor ins Spiel: Treiber muss als erster zwischen die Pfosten. Mal flach, mal hoch fliegen ihm die Bälle um die Ohren. Mal aus kürzer, mal aus weiterer Distanz. Anschließend ist Henning dran. Ihm attestiert Vopel „eine enorme Ausstrahlung. Er ist beidfüßig sicher und für mich mit seinen 19 Jahren ein fast kompletter Torhüter. Ihm kommt zugute, dass er im Nachwuchs schon Torwarttraining in Aue und Erfurt hatte.“

Letzteres fehlt wiederum Treiber, der nun mit dieser speziellen Einheit an seinen Defiziten arbeitet. Anregungen für die Übungen holt sich Vopel im Internet oder greift auf seinen Erfahrungsschatz zurück. In seiner Laufbahn hatte er das Glück, erfahrene Torwarttrainer wie Jens Adler (ehemalige DDR-Nationaltorhüter) und Bernd Lindrath (Carl Zeiss Jena) um sich zu haben. „Ich habe mir viel von den beiden abgeschaut, so dass ich jetzt die Übungen in mein eigenes Training mit einbauen kann.“ Um dieses nicht eintönig erscheinen zu lassen, variiert Vopel in den jeweiligen Einheiten. E ins bleibt vorerst noch im Programm: das „Viereck des Grauens“. Irgendwann wird der Tag kommen, wo am Spieltag hinten die Null steht. Dann wäre das nicht nur ein großer Erfolg für ihn als Torwarttrainer. Auch für seine Jungs, die dann nicht mehr das Stangengewirr aufbauen müssten.