Aufbruchstimmung am Rennsteig: Oberhof will zur WM 2023 bester Gastgeber Deutschlands werden

Oberhof  Die Oberhofer Skisprungschanzen sind saniert und locken die Weltelite zum Training. Ein Weltcup-Wettbewerb ist aber nicht in Sicht.

Ministerpraesident Bodo Ramelow (DIE LINKE), links und Frank Eismann (Präsident, Thüringer Skiverband e.V., rechts, beim Pressegespräch auf dem neuem Kampfrichterturm der Schanzenanlage Kanzlersgrund zur Entwicklung des WM-Standortes Oberhof.

Ministerpraesident Bodo Ramelow (DIE LINKE), links und Frank Eismann (Präsident, Thüringer Skiverband e.V., rechts, beim Pressegespräch auf dem neuem Kampfrichterturm der Schanzenanlage Kanzlersgrund zur Entwicklung des WM-Standortes Oberhof.

Foto: Sascha Fromm

Die schwarzen Netze am Schanzenauslauf im Oberhofer Kanzlersgrund, die im Winter die weiße Pracht besser am Hang festhalten sollen, sind längst wieder zum Vorschein gekommen. Nur ganz unten, an der tiefsten Stelle, hat der sich inzwischen grau gefärbte Schnee noch gegen die Frühlingssonne behaupten können. „Nach dem Osterfest ist der Schnee komplett verschwunden. Dann beginnen wir damit, die Anlage für den Sommer fit zu machen“, sagte Tino Feix, der beim Zweckverband Thüringer Wintersportzentrum für die Schanzen im Kanzlersgrund und am Wadeberg verantwortlich zeichnet.

Diese Aufbruchstimmung wird in Oberhof in diesem Sommer auch optisch deutlich sichtbar. Dann nämlich werden die ersten Bagger am Biathlon-Stadion damit beginnen, die Sportstätte auf Vordermann zu bringen. Der Standort am Rennsteig, wo Schanzen, Langlauf- und Biathlon-Arena sowie die Rennschlittenbahn nur einige Hundert Meter voneinander entfernt sind und deswegen in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, rückt in vier Jahren wie noch nie in den Blickpunkt. Während hier im Winter 2023 zum zweiten Mal die Welttitelkämpfe der Skijäger ausgetragen werden, wird Oberhof aller Voraussicht nach nur wenige Tage zuvor die WM der Rennschlittensportler veranstalten. Auf dem Kongress des Weltverbandes (Fil) in Ljubljana wird im Juni darüber entschieden. Allerdings steht mit dem kleinen Thüringer Städtchen nur ein Kandidat zur Wahl.

Ambitionierte Herausforderung

„Mit den Weltmeisterschaften wollen wir einer der besten Gastgeber Deutschlands werden. Wir müssen gleichzeitig alle Anstrengungen nutzen, damit der Thüringer Wald noch besser das ganze Jahr über vom Tourismus profitieren kann“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bei seinem Besuch in Oberhof, wo die sogenannte Steuerungsgruppe WM-Standort Oberhof über weitere Maßnahmen beraten hat. „Der Zeitrahmen ist verdammt eng. Das ist eine ambitionierte Herausforderung. Deshalb müssen alle Vorgänge mit Hochdruck bearbeitet werden“, sagte der Regierungschef mit Blick auf die umfangreichen Baumaßnahmen. Bund und Land lassen sich die Vorbereitungen auf beide Großveranstaltungen immerhin jeweils 25 Millionen Euro kosten. Der Weltcup im Januar 2022 ist die Generalprobe auf die WM. Ein Jahr später soll die sanierte Arena fertig sein.

Mit der unterdessen bereits realisierten Modernisierung der Schanzenanlagen ist ein unhaltbarer Zustand für die Skispringer und Athleten in der Nordischen Kombination beendet worden. Bis nach Oberwiesenthal, den Bayerischen Wald und sogar nach Österreich fuhren in der Vergangenheit die Sportschüler, um trainieren zu können. „Das ist jetzt vorbei. Wir haben beste Bedingungen und von den Athleten schon viel Lob nach dem Umbau erhalten“, sagte Schanzen-Chef Feix.

Die besten Skispringer der Welt kommen nach Oberhof

Die nicht sprungfähigen Schanzen in Oberhof hatten durchaus einen messbaren negativen Einfluss auf die sportliche Entwicklung der Wintersporthochburg, die in vielen Disziplinen jenen Nimbus verloren hat. Andreas Wank, der einst am Sportgymnasium lernte und für den WSV Oberhof 05 startete, verließ nach dem Olympiasieg mit der deutschen Mannschaft im Winter 2014 den Oberhofer Stützpunkt und wechselte nach Hinterzarten. Inzwischen kehren sogar die besten Skispringer der Welt an die Thüringer Schanzen zurück. Im vergangenen Sommer trainierte hier zum Beispiel die Nationalmannschaft aus Österreich um Michael Hayböck und dem einstigen Vierschanzentournee-Gewinner Stefan Kraft, die im Winter WM-Silber mit der Mannschaft eroberten.

Dass es einmal hier wieder einen Skisprung-Weltcup geben wird, dazu wird es dennoch in absehbarer Zeit nicht kommen. Auf der Hans-Renner-Schanze mit dem kritischen Punkt bei 140 Metern fehlt trotz aller Baumaßnahmen noch immer eine gekühlte Anlaufspur für den Winter, wie es der Weltskiverband (Fis) für internationale Top-Wettbewerbe vorschreibt.

Thüringer Verband sieht Junioren-WM als Vision

Dennoch hat der Thüringer Ski-Verband (TSV) mit seinen 76 Vereinen bereits konkrete Vorstellungen, wie denn auch abseits großer Wettbewerbe der mit einem Millionen-Aufwand aus Steuergeldern sanierte Standort mit Leben erfüllt

werden kann. „Nach dem Höhepunkt mit der Biathlon-Weltmeisterschaft im Jahre 2023 ist es unsere Vision, eine Junioren-WM in den nordischen Ski-Disziplinen auszutragen“, sagte TSV-Präsident Frank Eismann.

Beim Deutschen Ski-Verband (DSV) finden die Thüringer Bemühungen großen Anklang. „Wir freuen uns, dass es im Thüringer Verband all diese Initiativen gibt und würden sicherlich auch solch eine Bewerbung unterstützen“, sagte DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger.

Dass auf das Wintersportzentrum nach wie vor Verlass ist, bewies Oberhof einmal mehr im zurückliegenden Winter. Als wegen der Schneemassen in Ramsau der Deutschland-Pokal der Skispringer und nordischen Kombinierer nicht ausgetragen werden konnte, sprang Oberhof kurzfristig ein.

Oberhofer Höhepunkte

Zum zweiten Mal nach 2004 wird im Winter 2023 die Biathlon-WM in Oberhof ausgetragen. Bei der Vergabe auf dem Kongress im September 2018 in Porec (Kroatien) hatte sich der deutsche Bewerber mit 28 zu 21 Stimmen gegen das tschechische Nove Mesto behauptet.

Der Weltverband (Fil) vergibt im kommenden Juni die Rodel-Weltmeisterschaft 2023. Bei der Wahl in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ist der Thüringer Wintersportort der einzige Bewerber. Oberhof war bereits in den Jahren 1973, 1985 und 2008 der WM-Ausrichter.

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