Deutsche Kombinierer und Skispringer holen Gold bei Weltmeisterschaft

Seefeld  Eric Frenzel und Fabian Rießle holen sich bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld den Titel im Teamsprint der Kombinierer. Nur wenige Stunden später feiern auch die Skispringer den Mannschafts-Titel.

Die Deutschen Skispringer jubeln über den Weltmeistertitel.

Die Deutschen Skispringer jubeln über den Weltmeistertitel.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Eric Frenzel und Fabian Rießle brüllten ihre Freude in die Kamera, dann herzten sich die Teamsprint-Weltmeister erleichtert im Zielbereich. Die beiden Nordischen Kombinierer haben dem deutschen Team bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld die nächste Goldmedaille beschert. Nach je einem Sprung von der Schanze in Innsbruck und 2 x 7,5 Kilometern Langlauf landeten Frenzel und Rießle vor Norwegen (8,2 Sekunden Rückstand) und Österreich (9,2 Sekunden Rückstand).

„Es ist perfekt aufgegangen, unsere Taktik. Ich bin wieder sehr bewegt und überglücklich, dass wir schon wieder eine Goldmedaille gewonnen haben“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch in der ARD.

Für Frenzel, der den Wettbewerb vor zwei Jahren noch mit dem diesmal nicht berücksichtigten Johannes Rydzek gewann, war es das siebte WM-Gold und die 14. Medaille bei einer WM, der 30 Jahre alte Oberwiesenthaler ist damit der erfolgreichste Kombinierer der WM-Geschichte. Rießle ist zum dritten Mal Weltmeister.

20. Goldmedaille bei Großereignissen für Bundestrainer

„Ich habe versucht, alles nochmal zu geben, dass ich es auf der Zielgerade genießen konnte. Ich habe jubeln können, das war doch ziemlich cool. Ich bin grad ein bisschen fertig“, sagte der Schwarzwälder Rießle. Der völlig ausgepumpte Frenzel meinte nüchtern: „Mich freut es, dass es so gut angeht. Wir wollen den Moment aufsaugen.“

Der Sachse hatte mit einem satten Flug auf 130 Meter gezeigt, dass sein Siegsprung am Freitag kein Zufall war. Auch Rießle holte auf der Schanze trotz verkürzten Anlaufs mit 128 Metern das Maximale heraus. Rechtzeitig zu den Titelkämpfen ist die Sprungform der Deutschen wieder auf hohem, konkurrenzfähigem Niveau.

Dafür hatten Bundestrainer Weinbuch, der in seiner 26-jährigen Karriere als verantwortlicher Coach seine 20. Goldmedaille bei Großereignissen feiern konnte, und sein Team extrem viel investiert. Da sich das Springen mit starken Athleten und immer weniger Anlauf komplett verändert hat, darf man sich keine Fehler mehr erlauben. Dafür benötigt der Athlet Sicherheit.

Deutsche auch im Teamwettbewerb klarer Favorit

„Das bedeutet für uns, dass wir noch mehr Augenmerk auf die Feinheiten des Springens legen müssen, gleichzeitig das Laufen aber nicht vernachlässigen können. Die Kombination ist wieder sprunglastiger geworden, nur mit Laufen gewinnt man nicht mehr“, sagte Weinbuch. Doch auch in der Loipe waren seine beiden Schützlinge nicht zu schlagen und wehrten sich erfolgreich gegen die Angriffe des Verfolger-Trios Österreich, Japan und Norwegen, die am Ende immer näher kamen.

Erst in den letzten Tagen vor der WM hat das Springen auch bei den Weinbuch-Schützlingen plötzlich wieder geklappt, der Einzeltitel von Frenzel schürte bei den weiteren Kombinierern neue Zuversicht. Nun winkt eine Erfolgsserie wie in Lahti 2017 und in Pyeongchang 2018: Denn auch im Teamwettbewerb wird das deutsche Team, das dann um Rydzek und Vinzenz Geiger ergänzt werden dürfte, als klarer Favorit an den Start gehen.

„Wir wollen in jedem Rennen möglichst auf dem Stockerl stehen. Ich denke, die schwierigste Hürde haben wir überwunden. Jetzt heißt es, die Spannung aufrechtzuerhalten. Die Jungs haben so viele Medaillen. Es ist eh ein Wunder, dass man das immer so rauskitzelt“, lobte Weinbuch vor den weiteren Entscheidungen am Donnerstag und Samstag.

Perfektes WM-Auftaktwochende für Skispringer

Nur wenige Stunden nach dem Erfolg von Frenzel und Rießle haben auch die deutschen Skispringer mit der Goldmedaille im Teamwettbewerb ein perfektes WM-Auftaktwochende gekrönt. Das Team von Bundestrainer Werner Schuster setzte sich am Sonntag in Innsbruck in der Besetzung Karl Geiger, Richard Freitag, Stephan Leyhe und Markus Eisenbichler mit riesigem Vorsprung vor Gastgeber Österreich und Japan durch und sorgte damit nur einen Tag nach dem Doppelerfolg von Eisenbichler und Geiger im Einzel für den nächsten Glanzpunkt bei den Titelkämpfen in Seefeld. Zugleich war es das erste deutsche Teamgold bei den Männern seit 18 Jahren.

„Eigentlich passt dieser Titel richtig gut zu unserem Team. Denn auch der Ersatzmann Andreas Wellinger hat sich super verhalten“, sagte Schuster in der ARD und betonte: „Das war heute eine Flugshow vom ersten Sprung weg. Da bin ich sehr froh, dass ich da dabei war. Das bedeutet mir sehr viel.“

Mit zwei Triumphen an den beiden ersten Wettkampf-Tagen haben die DSV-Adler um Eisenbichler Erinnerungen an die glorreichen Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald geweckt. Vergleichbare Erfolge im Männereinzel und Team gab es zuletzt 1999 in Ramsau und 2001 in Lahti, als sich Schmitt jeweils zum Einzel-Weltmeister krönte und das Quartett auch auf dem Weg zu Team-Gold anführte.

Eisenbichler jetzt dreimaliger Weltmeister

Und Eisenbichler, der seinen Sieg im Einzel mit zahlreichen Jubelschreien und einigen Tränen gefeiert hatte, ist nach Mixed-Gold vor zwei Jahren plötzlich dreimaliger Weltmeister. Am berüchtigten Bergisel sahen am Sonntag 11.300 Zuschauer einen überragenden Auftritt des Schuster-Teams, das bei der Vierschanzentournee so häufig dort gepatzt hatte und schon mehrere Male den Gesamtsieg bei dem Traditionsevent verspielte. Bereits nach dem ersten Sprung von Geiger auf 129 Meter lagen die Deutschen deutlich in Führung. „Es war echt geil“, sagte der 26-Jährige. „Das macht richtig Spaß hier.“

Die ungeliebte Rolle des Ersatzmannes, die vor einem Jahr bei Olympia in Südkorea noch Eisenbichler inne hatte, wurde diesmal Andreas Wellinger zuteil. Schlechte Laune verbreitete er aber nicht - im Gegenteil. „Das ist geil, was die Jungs abliefern“, sagte er in der ARD und freute sich mit seinen Teamkollegen. Der Einzel-Olympiasieger hatte am Samstag mit Rang 32 enttäuscht und wurde danach von Zimmerkollege Leyhe ersetzt, der im Team mit starken Sprüngen auf 126 und 128,5 Meter aufwartete. Garant für den Erfolg waren vor allem Geiger, der im 2. Durchgang sogar 130 Meter weit sprang, und Eisenbichler mit Sätzen auf 128 und 128,5 Meter.

Für die Skispringer gibt es in der kommenden Woche zwei weitere Chancen, dann auf der Normalschanze in Seefeld: Am Freitag (16.00 Uhr) wartet ein weiteres Einzel, am Samstag zur gleichen Zeit dürfen dann zwei Männer im Mixed-Wettbewerb mit zwei Frauen antreten. Auch dort gilt das DSV-Team als Favorit.

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