Endlich - Nach Bauverzug Normalschanze in Oberhof eingeweiht

Oberhof. Im Oberhofer Kanzlersgrund ist am Montag die komplett neu errichtete Normalschanze eingeweiht worden. Den ersten Sprung absolvierte der 23-jährige Nordische Kombinierer Philipp Blaurock vom SV Biberau, der unter großem Beifall bei 101,0 Metern sicher landete.

Lange musste die thüringische Wintersport-Hochburg Oberhof auf eine neue Schanze warten. Am Montag wurde nun die 100-Meter-Anlage eingeweiht. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Anschließend folgten die ersten Versuche von über 20 weiteren Spezialspringern und Springerinnen sowie Nordischen Kombinierern aus verschiedenen Wintersportregionen Deutschlands.

Erst in der vergangenen Woche waren die letzten günen Matten aus finnischer Produktion auf dem neu profilierten Aufsprunghang verlegt worden. Die Schanze selbst verfügt über eine Keramikspur der modernsten Version, die im Winter-Betrieb gekühlt werden kann und dann über eine Eisspur verfügt. Die Kosten für die neue Anlage waren mit zunächst knapp acht Millionen Euro veranschlagt, die zum größten Teil das Land und der Bund tragen. Unterm Strich wird allerdings noch mehr Geld fließen, weil auch die direkt neben dem Neubau befindliche Hans-Renner-Schanze (HS 140) eine Erfrischungskur erhält. Das Profil ihres Aufsprunghangs wurde nach neuesten Erfordernissen verändert, der vollständige Mattenbelag fehlt allerdings noch. Auch diese Schanze soll noch vor dem Winter flugbereit sein.

In die Freude über die endlich verfügbare neue Anlage mischten sich bei den Thüringern indes auch unerfreuliche Erinnerungen, denn der Neubau kommt viel zu spät. Zudem musste die Fertigstellung wegen bautechnischer Verzögerungen mehrfach verschoben werden. Ursprünglich sollten schon die Deutschen Meisterschaften dieses Jahres Anfang August in Oberhof die Bühne gehen, mussten dann aber nach Hinterzarten verlegt werden.

Vor allem für das Training ist die neue Schanze unverzichtbar. Da auf der maroden und inzwischen abgerissenen alten Rennsteigschanze seit über vier Jahren nicht mehr gesprungen werden konnte, haben die bekanntesten aktiven Springer der Region längst den Rücken gekehrt. Prominentestes Beispiel ist Team-Olympiasieger Andreas Wank, der 2010 in den Scharzwald umgesiedelt war.

Den gleichen Weg ging fast zeitgleich der ein Jahr jüngere Danny Queck, der zumindest noch für seinen heimatlichen WSV Lauscha startet und mit seiner Weltcup-Erfahrung als Thüringens neue Nummer 1 gilt. Auch der erst 18-jährige Sebastian Bradatsch wechselte ebenso wie Thüringens beste Springerin Juliane Seyfahrth (beide WSC Ruhla) angesichts des Schanzendilemmas südwärts, nämlich nach Oberstdorf.

Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz sprach ungeachtet der vielen Probleme und der längeren Bauzeit von "einem glücklichen Moment. Der Freistaat Thüringen hat nun wieder die Möglichkeit, seine einstige Rolle als Kaderschmiede des Skispringens zurück zu gewinnen und zu behaupten", sagte Schulz.

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