Rodler Felix Loch im Interview: „Ich kämpfe immer um den Sieg“

Winterberg  Ausnahmerodler Felix Loch über seine WM-Chancen, Zukunftspläne und eine Trainingsfahrt auf dem Zipfelbob.

SVEN VOSS, FELIX LOCH DAS AKTUELLE SPORTSTUDIO ZDF MAINZ PUBLICATIONxNOTxINxUSA

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Foto: Martin Hoffmann

Kein Weltcupsieg in dieser Saison, nicht der Titelverteidiger und auch nicht der Top-Favorit – die Großwetterlage für Felix Loch scheint vor den Weltmeisterschaften der Rennrodler am kommenden Wochenende in Winterberg ungewöhnlich eingetrübt. Doch Deutschlands Vorzeigepilot gibt sich gelassen und kämpferisch zugleich. Auf der Bahn im Hochsauerland peilt Loch seinen sechsten WM-Titel an, mit dem er Rekordchampion Armin Zöggeler (Italien) einholen würde.

Herr Loch, können Sie den Schnee nach all diesen Rekordmarken des Januars eigentlich noch sehen oder haben Sie den Winter schon satt?

Ich hab’s gern, wenn es weiß ist. Ich mag den Winter, der gehört nun mal zu unserem Sport dazu. Zugleich ist es das Schöne beim Rodeln, dass wir nicht drauf angewiesen sind. Schlittenfahren in der Kunsteisbahn funktioniert auch ohne Schnee.

Sie kommen direkt von zu Hause aus Berchtesgaden nach Winterberg. War die junge Familie Loch eingeschneit?

Nein, nein. Es ist einfach mal a bissl mehr Schnee gefallen. Weiter oben auf der Buchenhöhe sah’s natürlich schwieriger aus. Bei uns war es kein Problem.

Die deutschen Rodler und mit ihnen Felix Loch sind erfolgsverwöhnt. Doch die alte Regel, wonach sie immer auch gewinnen, gilt wohl nicht mehr?

Die Ergebnisse schauen schlechter aus, als die Situation tatsächlich ist. Zumindest bei mir. Die erste Saisonhälfte mit dem zweiten Platz in Whistler hat ganz gut gepasst. Auch in Calgary bin ich gut mitgefahren, hatte leider nur im ersten Lauf einen größeren Fahrfehler. Dadurch war nicht mehr zu holen. Zu Hause am Königssee hatten wir dann die Schneelotterie und den Abbruch nach nur einem Lauf.

Thüringer Rodler im Schneetreiben am Königssee vorn

Die anderen haben ihre Chancen dann gnadenlos genutzt . . .

Klar, die Konkurrenz ist in den letzten Jahren einfach immer größer geworden. Und enger zusammengerückt. Vor allem bei den Männern. Dadurch kommen dann auch andere Ergebnisse zusammen. Die Jungs, egal ob sie aus Russland sind, aus Österreich oder Italien, die können verdammt schnell rodeln und haben gutes Material. Wenn alles passt, sind sie vorn dabei. Ich finde das gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich bin froh, wenn es an der Spitze so eng ist, denn dann man muss immer alles geben, wenn man aufs Podest will. Auch wenn es der Zuschauer gern anders hat: man kann nicht immer gewinnen.

Hat die WM einen Favoriten oder gibt es inzwischen so viele Kandidaten, dass der Ausgang völlig offen ist?

Da gibt es einige Sieganwärter. Johannes Ludwig, der in Winterberg immer sehr schnell ist. Die Österreicher mit David Gleirscher und Reinhard Egger. Auch Wolfgang Kindl, selbst wenn es bei ihm heuer ein bissl wie bei mir läuft. Er tut sich etwas schwerer, aber als Weltmeister muss man ihn natürlich auf der Rechnung haben. Dann die beiden Fischnallers aus Italien. Oder die Russen Semen Pawlitschenko und Roman Repilov, die sowieso immer vorn mitmischen. Jeder von ihnen kann gewinnen.

Ist es Ihnen vielleicht sogar ganz angenehm, wenn Sie nicht den Rucksack des Top-Favoriten tragen?

Ich habe damit kein Problem. Weder so, noch so. Ich kenne die Situation ja aus den Jahren zuvor, als alle immer nur auf mich geschaut haben.

Also bleibt Ihnen doch wieder mal der Druck des Gejagten?

Den mache ich mir schon selbst. Sonst bräuchte ich da nicht mehr mitfahren. Ich kämpfe immer um den Sieg und bin ja nicht dabei, damit der Bus voll wird. Das wäre das völlig falsche Herangehen.

Liegt Ihnen die Bahn in Winterberg?

Eigentlich schon. Ich fahre dort sehr gern. Auch wenn – und jetzt sind wir wieder bei dem anfangs erwähnten Phänomen – meine Ergebnisse in den letzten Jahren hier gar nicht so gut waren. Wir hatten in Winterberg oft Pech mit dem Wetter. Ich kann mich an ein Rennen erinnern, bei dem ich gewonnen habe, da hat alles gepasst. Sonst hatten wir hier immer was Wildes: Regen, Schneeregen, Superschnee. Deswegen hoffe ich auf den Wetterbericht. So, wie es jetzt aussieht, wird es deutlich besser. Kalt, kein Niederschlag. Darüber wäre ich schon sehr froh.

In den vergangenen beiden Jahren haben Sie in Winterberg immerhin den Weltcup-Sprint gewonnen. Angenommen, es klappt am Freitag: wäre Sprint-Gold schon ein vollwertiger Titel? Oder betrachtet man den so ein bisschen als Zugabe, als Anhängsel?

Man schaut schon mehr auf das Hauptrennen am Sonntag, das ist das wichtigere. Aber wenn es im Sprint ordentlich losgeht, wäre das schon mal gut.

Sie feiern in diesem Jahr runden Geburtstag, werden 30. Welche Ziele bleiben?

Natürlich Olympia 2022. Die Spiele in Peking sind das große Ziel, da will ich mit dabei sein. Danach lasse ich mal alles offen. Es muss passen, körperlich, gesundheitlich. Aber ich kann mir schon vorstellen, nach Peking noch weiterzumachen. Ich bin dann 33, da kann man noch das ein oder andere Jahr fahren.

Sie sind inzwischen Familienvater. Sind Sie dadurch auf dem Schlitten nicht mehr ganz der Draufgänger? Oder verleiht Ihnen das sogar Flügel?

Es macht mich nicht langsamer. Auf keinen Fall. Ob’s mich schneller macht, puh, das kann ich so auch nicht sagen. Aber es ist auf jeden Fall etwas sehr, sehr Schönes, wenn man heimkehrt und dann kommt einen einer entgegengelaufen und bald sind es zwei. Darauf freue ich mich immer wieder.

Denken Sie manchmal noch an Pyeongchang und den verpassten Olympiasieg?

Mit Sicherheit. Aber nicht so, dass ich dann anfange zu weinen. Es war mir ja sofort nach dem Rennen klar, was passiert war. Seitdem gehört das nun mal zu meinem Leben dazu. Aber es ist abgehakt. Auch wenn ich immer wieder mal darauf angesprochen werde.

Haben Sie sich den Lauf mal auf Video angesehen?

Ja natürlich, sogar zeitnah, gleich am nächsten Tag. Es gab die ganz normale Auswertung wie nach jedem Rennen.

Blicken wir lieber nach vorn. In knapp drei Wochen geht’s zum Weltcup nach Oberhof, da gewinnt seit Jahren immer nur einer – Felix Loch.

Als gebürtiger Thüringer ist das immer sehr schön für mich. Zumal bestimmt wieder Oma und Opa an der Bahn sein werden. Sie freuen sich, ich freue mich. Es bleibt ja übers Jahr immer nur wenig Zeit, dass man sich mal sieht.

Ehe es ab Freitag in Winterberg richtig zur Sache geht – haben Sie am Wochenende zu Hause mit Ihren Söhnen noch mal eine Trainingsfahrt machen können?

Ja, Lorenz und ich haben es auf dem Zipfelbob ordentlich krachen lassen (lacht)! Ludwig ist noch zu klein zum Rodeln, aber Lenzi, er ist jetzt zweieinhalb, macht Schlitten fahren wahnsinnig Spaß. Herrlich. Das beflügelt dann auch mich.

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