Wintertage im Schnee an der Alten Ruhl sehen auch „Verrückte“

Ruhla  Ski-Trainer und Tourismusförderer Klaus Baacke kennt die Probleme beim individuellen Skilaufvergnügen im und am Loipengarten

Mann für alle Fälle: Klaus Baacke (2. von links). Foto: Jensen Zlotowicz

Mann für alle Fälle: Klaus Baacke (2. von links). Foto: Jensen Zlotowicz

Foto: zgt

Wie der Wintersportbetrieb am ersten schneereichen Wochenende des Jahres an der Schanzenanlage „Alte Ruhl“ in Ruhla lief, erzeugt bei WSC-Aktivposten und Trainer Klaus Baacke zum Teil Kopfschütteln. „Das war ziemlich chaotisch“, sagt er. Hunderte Menschen strömen an solchen Schneetagen mit Schlitten oder Langlaufski an die Anlage, wo es neben einem Rodelhang einen Loipengarten gibt. Das ist ein Segen, aber auch ein Fluch.

Trotz Beschilderung fahren dort Menschen entweder, wie und wo sie wollen. Gerodelt wird mitunter sogar auf der kleinen Abfahrt des Langlaufkurses. Wo manche Leute ihre Autos parken, spotte jeder Beschreibung, kritisiert Baacke. Die Vertreter des WSC Ruhla, die an der Alten Ruhl ihr Vereinsdomizil haben, seien mit der Situation oft überfordert. Warum es dort keine öffentliche Toilette gäbe, keinen Skiverleih oder einen Imbiss, seien Fragen von Wochenendbesuchern, darunter auch Touristen. „Wir können unsere kleine Toilette im Vereinshaus doch nicht für Hunderte Leute öffnen“, sagt Klaus Baacke. Für den Skiverleih sei der WSC Ruhla ebenso wenig verantwortlich wie für einen Imbiss. Ein Skiverleih rentiere sich bei den wenigen Schneewochenenden in Ruhla nicht.

Der individuelle Wintersportbetrieb in Ruhla hat im Vergleich zum Vereinssport weniger Struktur, was aber kaum an der Verwaltung oder dem Wintersportverein liege, sondern daran, dass es ein paar „Verrückte“ zu viel und zu wenig „Ski & Rodel gut“-Wochenenden im Jahr gibt. Bei guten Verhältnissen nimmt die Sache schnell Fahrt auf, tummeln sich Massen im Loipengarten, aber mit Tauwetter sind die Menschen ebenso schnell wieder verschwunden. Dann interessieren WC, Imbiss oder Skiverleih nicht mehr.

Dass Fußgänger trotz Hinweisschild mit ihrem Hund durch gespurte Loipen latschen, sei ebenso bedauerlich wie einiges mehr. Es fange im Prinzip schon beim Autoparken an der Schanzenanlage an, so Baacke. Der Weg von der Straße hinunter an die Schanze mit der kleinen Fläche sind Forstareal. Schon dort könnte Ruhlas Revierförsterin genau genommen abkassieren. Aus Faulheit und Unwissenheit nutzen Leute den Parkplatz am unterhalb gelegenen Gasthaus Schützenhaus nicht, weiß Klaus Baacke.

Mit einem Mitstreiter und dem Spurfahrzeug sorgt Baacke seit Jahren dafür, dass bei ausreichender Schneedecke für Langläufer Loipen und Skatingbahn gezogen werden. Obwohl es in den Höhenlagen der Bergstadt derzeit weiß ist, reiche der Schnee allerdings noch bei Weitem nicht aus, um mit dem Kettenfahrzeug ein größeres Loipensystem anzulegen. Was auf Flächen wie der Storchswiese noch funktioniere, sei im Wald mangels Schnee kaum möglich. Da werfe die Kette mehr Erdreich auf, als die Maschine Spur in den Schnee bringe. Die Zeiten haben sich geändert. Die durchschnittliche Schneefallgrenze sei in den vergangenen 20 Jahren von Eisenach bis weit hinauf nach Ruhla gestiegen. Waren Eisenach und Wutha damals die Weißgrenze, ist es heute die Höhe der Schanzenanlage, bedauert der WSC-Trainer.

Das nächste Winterwochenende steht vor der Tür, mit neuem Schnee und erneuten Gästen. Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler (SPD) kennt die Vorzüge und die Probleme der Anlage. Er stehe voll hinter den unersetzlichen WSC-Leuten und ihrem Einsatz. Die Verwaltung tue alles, um Wintersportler „in die Spur“ zu bringen. Es gibt eine Toilette am Schützenhaus und Gaststätten in der näheren Umgebung. Alles sei kein Problem. Und wer sich als Autofahrer oder Fußgänger im Wintersportareal nicht an Regeln halte, verdiene eine Anzeige.

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