Zweieinhalb Jahre vor Biathlon-WM: Sportstätten in Oberhof verwandeln sich

Oberhof.  Wie auf den WM-Baustellen am Rennsteig die Biathlon-Arena und die Rennschlittenbahn neue Gestalt annehmen.

Rechts neben dem Schießstand entsteht ein Funktionshaus für Technik, Kampfrichter und Helfer.

Rechts neben dem Schießstand entsteht ein Funktionshaus für Technik, Kampfrichter und Helfer.

Foto: Ronny Knoll/Thüringer Wintersportzentrum

Oben am Zaun legen die Wanderer bei Sonnenschein und blauem Himmel eine kurze Rast ein – und staunen. Vor ihnen liegt eine der größten Baustellen von Thüringen. Im Oberhofer Biathlonstadion bleibt in diesen Tagen kein Stein auf dem anderen. Ein paar Hundert Meter weiter, an der fast 50 Jahre alten Rennschlittenbahn, dominieren ebenso die Bagger. Dass hier wie da in ein paar Monaten trotz des laufenden Baubetriebs die Weltcups der Biathleten und Rennschlitten-Asse veranstaltet werden sollen, ist kaum vorstellbar.

Trotz der im Frühjahr aufziehenden Corona-Pandemie haben am 6. April die Arbeiten an den beiden Oberhofer WM-Sportstätten planmäßig begonnen. Aus heutiger Sicht soll bis zu den Titelkämpfen der Skijäger vom 8. bis 19. Februar 2023 und der Rodler (23. bis 29. Januar 2023) alles fertig sein.

25 Bauunternehmen beteiligt

Die Bauarbeiten sind eine logistische Herausforderung. An beiden WM-Projekten sind 25 verschiedenen Bauunternehmen beteiligt. Allein für das Biathlon-Stadion wurden 15 Aufträge vergeben, von denen vier bereits abgeschlossen sind. Das Land investiert insgesamt 50 Millionen Euro in Thüringens Wintersport-Hochburg. Der Bund macht noch einmal zehn Millionen Euro locker.

Auf der Rennschlittenbahn geht man in diesen Tagen der Sache sozusagen auf den Grund. In Kurve neun und zehn ist die Oberschicht der Fahrbahn entfernt. Unter einem Geflecht von Draht schaut der Beton hervor, der hier vor einem halben Jahrhundert verbaut wurde. Nun wird an jener Stelle die Geometrie der Kurve verändert, womit die Fahrsicherheit erhöht werden soll. Ziel ist es zudem, im Zuge der Umbauten die enormen Energiekosten der Anlage von einer halben Millionen Euro pro Jahr zu senken.

Gebaut wird aber auch für die Zuschauer. Neben der 1354 langen Eisschlange entsteht eine neue Straße, damit sich die Zuschauer sowie Sportler, Trainer und Techniker nicht mehr in die Quere kommen. An den jeweiligen Starts werden neue Gebäude errichtet. An der beeindruckenden Anlage sind 100.000 Meter an Schläuchen, Kabeln oder Rohren verlegt.

Im November soll die Bahn fertig sein, die Strecke wird dann vereist. Die Bauarbeiten sind damit aber noch nicht abgeschlossen. Endgültig fertig sein soll alles 2022. Bis dahin werden hier aber weitere Wettbewerbe und Training stattfinden.

Kurze Pause für den Weltcup

Dagegen wird das benachbarte Biathlon-Stadion nur kurz aus dem Tiefschlaf geholt, während sich unaufhörlich die Kräne drehen, schwer beladene Lkw sich den Weg bahnen oder Rohre verlegt werden. Nur für den Weltcup vom 7. bis 10. Januar werden die Bauarbeiten unterbrochen.

An jener Stelle, wo 1983 die Arena zur Bezirksspartakiade eröffnet wurde und damit bereit war für internationale Wettbewerbe, ist in diesen Tagen schon zu erahnen, wie das weite Rund zur Fertigstellung aussehen soll. Wo am Schießstand ein inzwischen winzig anmutendes Holzhäuschen für die Kampfrichter sein Dasein fristet, entsteht nur wenige Meter entfernt gerade ein massives Gebäude für die Technik, Kampfrichter und Helfer.

Wo einst in der Arena die letzte Treppenstufe in den Waldboden versenkt war, schließen sich nun noch ein paar Reihen an, die sich seit wenigen Tagen gut sichtbar als weißer Beton abheben. Darauf soll zu den Weltcups und der WM eine mobile Tribüne gesetzt werden. Auf diese Weise wird die Kapazität noch einmal leicht angehoben, und zwar auf 27.000 für die komplette Wettkampfstätte.

Um den Besucherandrang besser zu bewältigen, werden im Wald gerade zahlreiche Tunnel vergraben. Fast noch wichtiger als die Loipen sind ohnehin die Bauwerke, die abseits der Strecke entstehen sollen. Geplant ist es, die Kapazität der Depots auf fast 50.000 Kubikmeter Schnee zu erhöhen.

Weiteres Schneedepot errichtet

Es ist wohl die wichtigste Vorgabe des Biathlon-Weltverbandes, nachdem Oberhof angesichts der Wetterunbilden in den zurückliegenden Jahren immer wieder ein Vabanquespiel erlebte, ob der Weltcup tatsächlich ausgerichtet werden kann. Neben dem direkt an der Skihalle vorhandenen Depot sind Arbeiter gerade dabei, mitten im Wald, direkt an der Strecke ein weiteres Lager zu errichten.

Was die Präparierung der Loipe betrifft, steht Oberhof sozusagen unter besonderer Beobachtung. Beim jüngsten Weltcup im Januar übten die norwegischen Skitechniker harsche Kritik am Untergrund, sprachen gar von einer Schotterpiste, weil teilweise Steine und Dreck auf der Strecke lagen.

Die Organisatoren gelobten Besserung und erhoffen sich auch durch die Erweiterung der Depots künftig eine andere Schneesituation. Mit jenen Investitionen soll die Austragung sichergestellt werden – ob nun viel oder wenig Schnee fällt. Ohne die von viel kritisierten Lkw-Transporte mit Schnee auf der Ladefläche von der Arena Gelsenkirchen nach Thüringen wäre der Weltcup im vergangenen Winter aber womöglich ausgefallen.

So gestaltet sich die bevorstehende Saison so oder so einmal mehr zu einer Oberhofer Gratwanderung. Alle im Thüringer Wald wünschen sich einen Winter, der den Namen auch verdient hat. Aber ebenso wäre es wichtig, dass die Bagger und Kräne so lang wie möglich in Bewegung bleiben. Damit den Weltmeisterschaften 2023 der Biathleten und Rennrodler tatsächlich nichts im Wege steht.

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