67 Corona-Infizierte - Thüringen schränkt öffentliches Leben drastisch ein

Erfurt.  Auch in Thüringen soll das öffentliche Leben weiter eingeschränkt werden. Es soll ähnlich weitgehende Maßnahmen wie in Bayern geben. Bodo Ramelow kündigt an, in Kliniken Corona-Zentren einzurichten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff gemeinsam auf der Regierungsbank im Landtag.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff gemeinsam auf der Regierungsbank im Landtag.

Foto: Sascha Fromm/TA

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, wird auch in Thüringen das öffentliche Leben noch stärker eingeschränkt. Die Landesregierung bereitet nach Informationen dieser Zeitung einen umfassenden Erlass vor, der ähnlich weitgehende Maßnahmen wie Bayern vorsieht. Er soll an diesem Montag beschlossen werden.

16 Fälle: Corona-Zahlen steigen in Erfurt stark an

Bayern hat am Montag den Katastrophenfall ausgerufen. Damit ist die weitgehende Schließung von Begegnungsstätten wie Bars, Schwimmbädern, aber auch Museen verbunden. Es soll zudem starke Einschränkungen in der Gastronomie und für Geschäfte geben.

Schulen und Kindergärten schließen im ganzen Freistaat

Bereits jetzt sind in Thüringen Versammlungen mit mehr als 50 Personen verboten. Schulen und Kindergärten schließen ab Dienstag, in Weimar und im Weimarer Land schon am Montag. Für berufstätige Eltern und Alleinerziehende, die in systemrelevanten Bereichen wie dem Gesundheitssektor beschäftigt sind, sollen Notfallbetreuungsangebote organisiert werden.

Unter: 0361/573411 500 soll ab Montag, 7 Uhr, eine Hotline Fragen beantworten.

Am Montagnachmittag erhöhte sich die Zahl der bestätigten Krankheitsfälle im Land auf 67. Keiner der Erkrankten musste auf einer Intensivstation behandelt werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) geht davon aus, dass sich binnen der nächsten zwei Jahre bis zu 1,5 Millionen Menschen in Thüringen mit dem Virus infizieren. Rund 60.000 davon könnten schwer erkranken.

Zahl der Betten auf den Intensivstationen von 650 auf 1400

Ramelow kündigte an, dass auch an Thüringer Krankenhäusern medizinisch nicht unbedingt notwendige Operationen ausgesetzt werden sollen. So würden Kapazitäten für die erwarteten Krankheitsfälle von Covid-19 frei gehalten. Die Anzahl der Betten in den intensivmedizinischen Stationen solle so schnell wie möglich von 650 auf 1400 mehr als verdoppelt werden, sagte der Regierungschef. In den großen Kliniken würden sogenannten Corona-Zentren eingerichtet, die Federführung liege hier beim Universitätsklinikum Jena.

Laut Ramelow wird das Kabinett spätestens am Dienstag dafür sorgen, dass der Krisenstab auf Landesebene einsatzbereit sei. Im Fall der Aktivierung werde Staatskanzleichef Benjamin Hoff (Linke) die Leitung übernehmen. Als Stellvertretung sei Innenstaatssekretär Udo Götze (SPD) vorgesehen.

CDU-Sicherheitsexperte Raymond Walk hatte bereits das Hochfahren des Krisenstabes gefordert. Die aktuelle Lage überschreite aus seiner Sicht inzwischen die Möglichkeiten des Gesundheitsministeriums und der Kreisverwaltungen. Der Krisenstab vereine alle Ministerien und weitere Landes- sowie die Sicherheitsbehörden. Je nach Situation unterstützten weitere Ämter und auch Experten das neue Gremium. IMAS arbeitet in Erfurt in einem eigenen Lagezentrum, welches über alle notwendigen Kommunikations- und Informationskanäle verfüge.

Ansturm und Supermärkte und Discounter

Supermärkte und Discounter erlebten Freitagabend und am Samstag einen Kundenansturm. Teilweise gab es Wartezeiten von 20 Minuten und länger an den Kassen. Vergriffene Waren wie Klopapier, Konserven oder beispielsweise preiswerte Nudeln und Reis sollen nachgeliefert werden. Desinfektionsmittel und Hygienetücher bleiben Mangelware.

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