Viele Kinder in Thüringen sehen schlecht – Handys und Computer als Ursache vermutet

Erfurt.  Kinder, die zu oft und zu lange vor Computer oder Handy hocken, werden leichter kurzsichtig. Augenärzte fordern spezielle Vorsorgeuntersuchungen.

Bei den Fünf- bis Neunjährigen braucht fast jedes vierte Kind eine Brille (Archivbild).

Bei den Fünf- bis Neunjährigen braucht fast jedes vierte Kind eine Brille (Archivbild).

Foto: Daniel Naupold / dpa

Bei rund 33.000 Thüringer Kindern unter zehn Jahren ist im Jahr 2018 eine Sehschwäche diagnostiziert worden. Das geht aus einer aktuellen, kassenübergreifenden Auswertung der Krankenkasse Barmer hervor. Bei den Fünf- bis Neunjährigen braucht fast jedes vierte Kind eine Brille. „Die Dunkelziffer dürfte bei jüngeren Kindern weit höher liegen, weil Probleme mit den Augen oft unentdeckt bleiben. Daher ist es wichtig, die regelmäßigen Untersuchungen beim Kinderarzt wahrzunehmen“, empfiehlt Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk. Zudem sollten Eltern auf Anzeichen für eine Fehlsichtigkeit achten. „Sucht ein Kind selten Blickkontakt, blinzelt häufig, hält den Kopf schief oder ist lichtscheu, kann dies an einer Sehschwäche liegen“, sagt Birgit Dziuk, „ebenso Kopfschmerzen, Probleme beim Ausschneiden oder Ballfangen.“ Zwar könne das kindliche Gehirn Sehschwächen teilweise ausgleichen – allerdings gehe dies dauerhaft zu Lasten der Gesundheit.

Hohe Zahl von Kindern mit Sehschwäche

Augenärzte wie Ulrich Voigt von der Klinik für Augenheilkunde am Uniklinikum Jena fordern seit Jahren spezielle Vorsorgeuntersuchungen von Kindern beim Augenarzt. Doch bislang vergeblich. Die hohe Zahl von Kindern mit Sehschwäche sieht er in der mangelnden Vorsorge: „Bei vielen Kindern wurde die Fehlsichtigkeit nicht oder viel zu spät erkannt“, so der Oberarzt. „Sehen lernen ist ein Prozess. Damit er reibungslos verläuft, darf keine Fehlsichtigkeit vorliegen – oder sie muss rechtzeitig korrigiert werden.“

Bei Kindern im Alter von vier bis 15 Jahren, so hätten Studien gezeigt, nimmt zudem die Kurzsichtigkeit zu. Gründe dafür seien unter anderem die verstärkte Nutzung von digitalen Medien wie Handy oder Tablet-Computer in jungen Jahren. Ärzte befürchten eine Gewöhnung des Auges an den Nahbereich. Um dem Auge aber auch die Weitsichtigkeit zu erhalten, sollten Kinder regelmäßig draußen spielen. „Mindestens zwei Stunden täglich“, rät Oberarzt Voigt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Zu viel Zeit vor dem Bildschirm ist für Kinder schädlich

Kurzsichtige Kinder: Können diese Augentropfen helfen?