Wandern, schunkeln, Fieber messen: Urlaub in Corona-Zeiten

Oberhof.  Spaß mit Sicherheit: Wie das Panorama-Hotel in Oberhof trotz strenger Hygienevorschriften Urlaubsfreude bietet.

Das Ahorn Panorama-Hotel in Oberhof ist in den Ferien  gut gebucht. Ein Hygiene-Konzept zum Schutz vor Corona gilt im ganzen Haus.

Das Ahorn Panorama-Hotel in Oberhof ist in den Ferien gut gebucht. Ein Hygiene-Konzept zum Schutz vor Corona gilt im ganzen Haus.

Foto: Gerald Müller

Edeltraud Lux und Enkelin Lina huschen am Popcorn-Automaten am Eingang vorbei. Sie haben es eilig, wollen noch zur Schanze im Kanzlersgrund, bevor sie nach „einem schönen Aufenthalt“ wieder nach Hause fahren. In die Hauptstadt. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Nicht ganz so weit hat es Silvio Berg, der mit der Familie aus Ostthüringen nach Oberhof gekommen ist. „In Zeiten von Corona einfach mal einige Tage raus und entspannen“, erklärt er das Vorhaben. Der Mann aus der Nähe von Altenburg kennt das über 50-jährige Panorama-Hotel noch aus DDR-Zeiten als es einen exzellenten Ruf hatte. Doch nicht nur der Putz bröckelte nach der Jahrtausendwende, sogar die dauerhafte Schließung des Hauses wurde diskutiert. Erst seit der Übernahme 2018 durch die Ahorn-Gruppe wird das Image aufpoliert – mit Millionen-Investitionen, die unter anderem in die Renovierung der 488 Zimmer und in die Erneuerung der Außenanlagen fließen. Dass sich was tut, das hat sich herumgesprochen.

Das Hotel in Thüringens Wintersportort Nummer eins ist in den jetzigen Schulferien jedenfalls bestens gebucht. Und das trotz sehr strenger Hygienevorschriften, die für alle Hotels der Ahorn-Gruppe – also auch in Friedrichroda, Altenberg, Oberwiesenthal, Templin und am Fichtelberg – gelten. Bei deutschen Urlaubern aus Risikogebieten wird inzwischen entsprechend der Angaben und anhand von Fakten über einen Aufenthalt entschieden. Aus dem Ausland anreisende Gäste müssen grundsätzlich einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Nach 22 Uhr wird kein Alkohol mehr ausgeschenkt

Das steht auf der Homepage, genauso wie der Hinweis, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in allen öffentlichen Einrichtungen eingehalten werden muss. Davor schützt auch ein Attest nicht. Und wer sich nicht an die Vorgabe hält oder Verschwörungserzählungen im Zusammenhang mit Corona unter Gästen und Personal verbreitetet, wird um Abreise gebeten. Das Hausrecht macht’s möglich.

Jeder neue Gast muss beim Check-in kontaktlos die Körpertemperatur messen lassen. In Sekundenschnelle wird bei einem Abstand von 50 Zentimetern durch Sensoren erfasst, ob eine erhöhte Temperatur vorliegt. Die Anzeige ist auf einem Tablet hinter dem Tresen auch für den Mitarbeiter an der Rezeption sichtbar. Bei 37,5 Grad ertönt ein Signal, eine individuelle Kontrolle mit einem Thermometer wäre die Folge. Das soll in den bisherigen sechs Wochen – seit Anschaffung der zwei Spezialgeräte – allerdings noch nicht vorgekommen sein, heißt es. Die Messungen ergänzen die zahlreichen Maßnahmen, zu denen neben Abstandsregelungen und Tragen der Maske, auch der Einsatz von Luftfiltern, das Vorhandensein von Desinfektionsspendern und Plexiglasscheiben sowie ein Alkohol-Ausschankverbot ab 22 Uhr zählen.

All diese Maßnahmen dienen der Sicherheit, hatte Michael Bob, hundertprozentiger Eigentümer und Geschäftsführer der Ahorn-Hotelgruppe, kürzlich erklärt. So hätte man die Gewissheit für sich selbst und im Umgang mit den Mitmenschen. Während der rund achtwöchigen Komplett-Schließung des Hauses zwischen März und Mai waren die etwa 100 Mitarbeiter in Oberhof in Kurzarbeit, seit Juni sind sie alle wieder im Einsatz.

Bei aller Achtsamkeit darf die Herzlichkeit nicht leiden

Und sie müssen sich – wie die Gäste, Bauarbeiter oder Lieferanten – täglichen Fiebermessungen unterziehen. Bei Krankheitsanzeichen stehen für die Angestellten Corona-Schnelltests zur Verfügung. Denn eine nochmalige Schließung des Hotels – wie in der vergangenen Woche wegen Positiv-Befunden beispielsweise in einer Einrichtung am Timmendorfer Strand geschehen – wäre für das großen 3-Sterne Superior-Hotel eine mittlere Katastrophe. Allerdings darf bei aller Achtsamkeit die Herzlichkeit nicht leiden. Die Leitung sei daher unentwegt bemüht, die hohe Anzahl an Gästen zu steuern: Das gilt im Restaurant beim Buffet-Essen, in der Kinderwelt oder im Schwimmbad. Überall gibt es zeitlich und personell begrenzte Durchgänge. Die Nachfragen sind dabei enorm, die Schlangen sind oft lang, aber das Verständnis ist überwiegend groß. Derweil werden unterschiedliche Angebote – Wandern, Biathlonschießen oder Body & Workout – gemacht. Und dabei wird sogar die legendäre Diskothek „Waldmarie“ einbezogen. In ihr zeigt DJ Kalex aus Friedrichroda Videos aus den 70er und 80er-Jahren, zu denen zwar nicht getanzt, aber geschunkelt und gewippt werden kann.

Urlauberin Edeltraud Lux würdigt die ständigen Bemühungen von früh bis spät. Dennoch wünscht sich die Berlinerin schnellstmöglich die Rückkehr zu einem normalen Hotel-Alltag – und dann möchte sie gern wiederkommen.

Riesiger Aufwand

  • Der Deutsche Hotel – und Gaststättenverband (Dehoga) Thüringen lobt die Umsetzung der Hygienevorschriften und Abstandsregelungen in den Beherbergungsbetrieben im Freistaat. Die Herausforderungen für Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels wären „enorm“, so Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger.
  • Die Branche beklagt teilweise Umsatzeinbußen von weit über fünfzig Prozent. Beherberungsunternehmen sind zum Teil auch von Pleiten bedroht. Dabei werde mit einem riesigen Aufwand „oft Großartiges“ geleistet, so Ellinger. Es sei ihm nicht bekannt, dass in Thüringen wegen eines positiven Corona-Falls ein Hotel schließen musste. „Wir sind in dieser Hinsicht unentwegt auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern angewiesen“, sagt Ellinger.
  • Thüringens neuer Tourismuschef Franz Hofmann hat jüngst die Buchungslage während der jetzigen Schulferien als gut bezeichnet.

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