Weltgesundheitsorganisation interessiert sich für Neustädter Corona-Studie

Neustadt.  Zwei Wochen war Neustadt am Rennsteig im März von der Außenwelt abgeriegelt. Fast 900 Menschen wurden damals getestet. Nun soll eine Studie des UKJ Jena neue Erkenntnisse bringen.

Hunderte Neustädter sind aufgefordert, sich an einer Studie zu Infektions- und Krankheitsverläufen zu beteiligen.  Lea Kittel lässt sich mit ihren beiden Söhnen Samuel und Anton testen.

Hunderte Neustädter sind aufgefordert, sich an einer Studie zu Infektions- und Krankheitsverläufen zu beteiligen. Lea Kittel lässt sich mit ihren beiden Söhnen Samuel und Anton testen.

Foto: Hanno Müller

Am zweiten Tag der Corona-Studie zum „Quarantäne-Ort“ Neustadt am Rennsteig ziehen die Verantwortlichen ein erstes positives Fazit. „Am ersten Studientag konnten bereits 200 Tests durchgeführt werden. Wir sind überwältigt von der grandiosen Hilfsbereitschaft der Neustädter“, sagte Mathias Pletz, Chefinfektiologe am Universitätsklinikum in Jena, bei einer Pressekonferenz im Gemeindezentrum des Ortes. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Ilm-Kreis Landrätin Petra Enders verwies auf die besondere Ausgangslage. Im März war der Ort für zwei Wochen als erster in Deutschland wegen einer Häufung mit Corona-Infektionen komplett unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt worden. Bei 865 der 925 Einwohner fanden daraufhin Virentests statt. „Auf dieser Basis kann die Studie helfen, viel über das Virus zu lernen“, sagte Enders.

Erstmals werden auch Kinder getestet

Dafür füllen die Probanten ausführliche Fragebögen zu ihrem Gesundheitszustand sowie zu Erfahrungen mit der Pandemie aus. Getestet wird sowohl auf Viren als auch auf Antikörper und Abwehrzellen. Dafür nehmen die Wissenschaftler den Probanten Blut und Speichelproben ab, die ein Kurier zweimal am Tag in die Jenaer Labore transportiert. Beteiligt an der Auswertung sind dort Infektiologen, Klinikchemiker und Mikrobiologen. Bei der Auswertung von Infektionsketten und Pandemieverhalten werden die Jenaer Wissenschaftler von der Universität Ilmenau unterstützt.

Interesse von WHO an Studie

Infektionloge Pletz verwies in Neustadt auf inzwischen verbesserte Tests und Testmethoden. Anders als bei der Studie im Landkreis Heinsberg erlaubten sie verlässlichere Erkenntnisse über Krankheitsverläufe, Immunität sowie Infektionen und deren Dunkelziffer. Auch zahlreiche Kinder würden sich testen lassen, für die eigens ein Kinderarzt mit vor Ort ist. Dies habe es so bisher noch nicht gegeben. So habe vorab auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits Interesse an den Erkenntnissen angemeldet.

Für die Studie stellt das Wissenschaftsministerium 500.000 Euro zur Verfügung.