25 Jahre Opel in Eisenach: Über wilde Wendejahre und die wieder einmal ungewisse Zukunft

Eisenach  Eine Zeit des Hoffens und Bangens: Zum Jubiläum blicken Gründerväter zurück auf die wilden Wendejahre. Zukunft des Werkes wieder einmal ungewiss.

Erinnerten sich an die Gründung des Opelwerks: Betriebsratschef Harald Lieske (links), der damalige Chef des Automobilwerks Eisenach, Wolfram Liedtke (2. von links) und Ex-Opel-Vorstand Louis Hughes (rechts).

Erinnerten sich an die Gründung des Opelwerks: Betriebsratschef Harald Lieske (links), der damalige Chef des Automobilwerks Eisenach, Wolfram Liedtke (2. von links) und Ex-Opel-Vorstand Louis Hughes (rechts).

Foto: Dietmar Grosser

Über drei Millionen richtige Autos wurden seit der Wende im kleinen Opelwerk am Rande Eisenachs gebaut. Damit setzt sich eine Tradition fort, die 1899 mit dem ersten „Wartburg-Motorwagen“ begann und über schnittige BMW-Sportwagen sowie den Wartburg 353 bis in die Neuzeit hinein reicht. Vectra, Astra, Corsa und Adam – so heißen die Eisenacher Autos nach der deutschen Wiedervereinigung.

Kurz vor der Wende waren es im AWE knapp 10 000 Beschäftigte – heute finden bei Opel rund 1800 Menschen gut bezahlte Arbeit, noch einmal ein Vielfaches davon im Umfeld bei Zulieferern und Dienstleistern.

Das alles war Grund genug für Tausende, sich am Wochenende ganz in Familie aufzumachen, um den Tag der offenen Tür bei bestem Sonnenschein zu genießen. In Scharen nutzten sie die Chance, sich Teile der Produktionsstrecken anzusehen, mit den Montagearbeitern ins Gespräch zu kommen oder sich einfach nur die alten Modelle aus der automobilen Geschichte Eisenachs anzuschauen, die auf dem Gelände präsentiert wurden.

Der Weg in Eisenach war stets ein sehr holpriger

Alles Sonnenschein also? Mitnichten, denn der Weg von Opel Eisenach war stets ein sehr holpriger. Ausgebremst wurde das Werk seit dem Start vor 25 Jahren immer wieder durch rückläufige Marktanteile, Missmanagement des amerikanischen Mutterkonzerns, Kurzarbeit, Übernahmepläne anderer Hersteller oder Gerüchte um Werksschließungen. Darüber hinaus gab und gibt es noch einen einfachen Grund: Überkapazitäten in ganz Europa. Denn: Rein wirtschaftlich und von den Stückzahlen her brauchte man ein Opelwerk Eisenach nie, weil sich die in Thüringen montierten Autos ganz leicht in anderen größeren Werken billiger herstellen lassen. In Polen oder Korea etwa.

Wie aber konnte Eisenach dann überhaupt zu seinem neuen Opelwerk kommen? Es war das Glück der Wiedervereinigung und ein cleveres Zusammenspiel jener drei Männer, die sich zur Jubiläumsfeier am Wochenende nach vielen Jahren in einer Gesprächsrunde trafen: der einstige Chef des Automobilwerkes Eisenach (AWE), Wolfram Liedtke, der damalige Opel-Vorstand Louis Hughes und der Betriebsrat der ersten Stunde, Harald Lieske. Sie saßen in jener Halle zusammen, in der die ersten Opel Vectra sozusagen auf Probe montiert wurden. Am 5. Oktober 1990, nur zwei Tage nach der deutschen Wiedervereinigung nämlich, war dies der erste Opel aus Eisenach, der von einem provisorischen Montageband fuhr. Der einstige Opel-Boss Louis R. Hughes erinnert sich: „Eisenach hatte nur eine Chance. Wir bauten hier ein Werk, das mit der aus Japan importierten Methode einer schlanken Fertigung mit der Hälfte der Mannschaft Autos in Spitzenqualität baute.“ AWE-Chef Liedtke trat dazu mit seinem volkseigenen Betrieb – ein waghalsiges Abenteuer – aus dem damaligen DDR-Kombinat aus. Und Betriebsrat Lieske sorgte gemeinsam mit der IG-Metall für die nötigen Tarifstrukturen. Es gab aber noch eine vierte Person, die an einer wichtigen Weiche stand: Ex-Kanzler Helmut Kohl. Der nämlich drückte 1990 beim Start des ersten Vectra in Eisenach auf den berühmten roten Knopf – und die Amerikaner konnten sich nicht mehr aus Thüringen zurückziehen, ohne politischen Schaden anzurichten.

Das alles ist Geschichte, General Motors hat Opel inzwischen verkauft. Der französische Autokonzern PSA übernahm die einstige deutsche Vorzeige-Marke. Ein Ziel: Von 2020 an soll Opel endlich Gewinne erwirtschaften. Und wieder einmal heißt es für die 1800 Beschäftigten: bangen und hoffen.

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