Allgemeine Verunsicherung vor der Öffnung von Hotels und Restaurants

Gotha.  Die Einrichtungen in Thüringen freuen sich auf die Gäste, aber kommen diese und sind die Regeln einzuhalten?

Steffi Herrmann ist Chefin im Erfurter Restaurant Übersee.

Steffi Herrmann ist Chefin im Erfurter Restaurant Übersee.

Foto: Gerald Müller

Brunnenkressesuppe. Das könnte die Vorspeise sein. Brotsalat, Bauernfrühstück, Rinderroulade, Brätel oder Forelle dann als Hauptgericht folgen. Klingt nach üppiger Speisekarte, doch das Angebot im Gothaer Hotel „Der Lindenhof“ ist deutlich kleiner als im Februar. Damals, als die Menschen auch in Thüringen noch in Hotels und Restaurants gestürmt sind, ausgiebig getrunken, gegessen, gefeiert und geschlafen haben, es teilweise Überbuchungen für Plätze und Zimmer gab. Dann machte sich Corona breit, das Publikum rar, und Mitte März mussten die Türen in der Gastronomiebranche schließen. Einige Lokale bemühten sich fortan im Außer-Haus-Verkauf, manche Hotels durften noch Geschäftsleute beherbergen. Versuche im Überlebenskampf. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Nun, wenn die Hotels und Restaurants wieder öffnen können, hört dieser nicht auf. Er wird noch Wochen andauern.

Dennoch: Mit viel Freude werden ab heute wieder Gäste begrüßt. Zum Empfang gehören aber auch große Anspannung, allgemeine Verunsicherung und spürbare Begrenzung. Das Restaurant vom „Lindenhof “ öffnet abends jeweils für vier Stunden. Mehrere Tische und Stühle wurden weggeräumt, um die Abstandsregeln einzuhalten. Olaf Seibicke, Direktor des Hauses, setzt die lange Durststrecke von zwei Monaten fast mit einem „Berufsverbot“ gleich. Gut, dass das nun beendet sei und „wir wieder für unsere Gäste da sein zu dürfen.“ Doch er weiß: „Der Ansturm wird nicht riesig sein.“ Viele werden abwarten. So glaubt er, dass nicht nur die Bedienung mit Masken, sondern auch die namentliche Registrierung, die das Gesundheitsamt fordert, abschreckend wirkt. „Denn dadurch geht Leichtigkeit verloren“, so Seibicke, der das Hotel seit rund 20 Jahren führt. Buchungen für die Zeit ab 15. Mai sind bisher kaum erfolgt.

Gastronom des Jahres geht mit gemischten Gefühlen in den Neustart

Bestellungen im Restaurant „Vergissmeinnicht“ liegen schon einige vor. Fünf Hauptgänge, zwei Vorspeisen, ein Dessert – so wird die Karte ab heute im Hotel in Oberhof aussehen. Dort, wo mit Martin Hofmann, Thüringens Gastronom des Jahres 2019 am Herd tätig ist. Er sieht der Wiedereröffnung, die er seit Tagen vorbereitet, mit gemischten Gefühlen entgegen. „Zum einen freue ich mich riesig, zum anderen wird es aus kaufmännischer Sicht sehr kompliziert.“ Nach totalen Einbußen in den letzten Wochen würde zwar nun Geld fließen. „Doch, während ich sonst 50 bis 60 Personen bedienen konnte, werden es jetzt nur etwa 30 sein.“ Es würde große Mühe kosten, zumindest „die Hälfte des sonstigen Umsatzes zu erreichen“, ist Hofmann sicher. Das sei auch bitter für seine Angestellten, die vorerst weiter in Kurzarbeit bleiben. Die Zukunft könne man schwer voraussagen, in der Gegenwart herrsche immense Unsicherheit.

Das bestätigt Thomas Brandt, der in Schmiedefeld den „Grünen Baum“ besitzt und sehnsüchtig auf genaue Vorgaben wartet, damit man keine Fehler macht.

Die wollen natürlich auch fernab des Rennsteigs vermieden werden. In Erfurt, im „Übersee“, hat Chefin Steffi Herrmann die Zeit zu einer Teilrenovierung genutzt. Sie ist gespannt, wie sich die fünfzigprozentige Reduzierung der Platz-Kapazitäten auswirkt. „Volle Kosten, halber Umsatz“ ist ihre Vorahnung. Ihr tun vor allem die Mitarbeiter leid, die durch die Schließung wochenlang auch auf Trinkgeld verzichten mussten. Nun kommen manche zurück. „Aber man kann sich auf nichts richtig einstellen, ist fast hilflos, was die Planung betrifft.“

Tobias Dittrich vom Schlosshotel Eyba in Saalfeld teilt diese Meinung. Sein Haus war in den letzten Wochen geöffnet, doch mehr als eine Handvoll Businessgäste nicht anwesend. Er spricht vom „Sterben auf Raten“ – trotz der heutigen Öffnung. Es gebe im Landkreis aktuell keinen Infektionsfall, dennoch seien die Beschränkungen enorm. Das Essen im Restaurant wird er wegen der verminderten Kapazitäten in zwei Durchgängen – 18 und 20 Uhr – anbieten. Und er hofft, dass es bald eindeutige Regelungen betreffs Veranstaltungen gibt.

Gefährdungsbeurteilung und Pandemienotfallplan

Mit diesen hat sich auch die „Fabrik Worbis“ im Eichsfeld über Thüringen hinaus einen Namen gemacht Andre Schäfer hat lange überlegt, ob er an diesem Freitag öffnet, da die Vorgaben so unterschiedlich und auch unkonkret waren. Doch nach dem Besuch bei der Schulung durch den Dehoga Thüringen hat er sich durchgerungen. Und sagt: „Die Stammgäste freuen sich.“

Monika Völker dagegen wird ihren „Sonnenhof“ in Behringen noch geschlossen lassen. Jeder Gastronom müsse eine Gefährdungsbeurteilung und einen Pandemienotfallplan erstellen – das sei viel Aufwand. Und sie denke an die Kontrollen, dass nur Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen. „Mit Gastlichkeit hat das doch wenig zu tun.“ Und ergänzt: „Wir leben vor allem von Familienfeiern, die derzeit nicht stattfinden dürfen.“ Nein, das sei keine schöne Situation. „Wir öffnen jedenfalls erst am 23. Mai.“ Die Vorschau auf diesen Tag verheißt dann auch deutlich wärmere Temperaturen als jetzt.

Jana Sörgel, die das Ausflugslokal „Zur Kanone“ in Tautenhain leitet, hofft auf schönes Wetter. Denn im Biergarten könnten ungefähr 50, 60 Gäste Platz finden. Wenn sie denn kommen.

Olaf Seibicke fordert sich derweil indes selbst ein wenig zur Geduld. „Das wird schon.“ Appetit könnte ja auch das heutige Dessert in der Karte machen: Apfel-Mandel-Küchlein und Schokoladen-Erdbeere-Sorbet.

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