Auf der „Unne“-Brache in Ilversgehofen entstehen Wohnungen und Geschäfte

Erfurt  Das Bistums-Unternehmen GSW hat die Fläche des alten Union-Kinos gekauft und will dort im nächsten Jahr rund 70 Mietwohnungen bauen

Die Brache am Ilversgehofener Platz soll bald Gebäude mit Geschäften und Wohnungen beherbergen. Foto: Paul-Philipp Braun

Die Brache am Ilversgehofener Platz soll bald Gebäude mit Geschäften und Wohnungen beherbergen. Foto: Paul-Philipp Braun

Foto: zgt

Das seit 18 Jahren brach liegende Gelände des einstigen Union-Kinos am Ilversgehofener Platz soll wieder bebaut werden. Das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW) aus Frankfurt am Main hat die Fläche im Vorjahr erworben, bestätigt GSW-Geschäftsführer Andreas Ruf. Das Unternehmen plant nun, 60 bis 70 Wohnungen im Geschosswohnungsbau und zwei bis drei Geschäfte zu errichten.

Baustart könnte bereits in einem Jahr sein, sagt Ruf. In Absprache mit der Stadt soll der vorhabenenbezogene Bebauungsplan durch einen kleinen Einladungswettbewerb für Ar-chitekten entstehen. Aufgabe des Entwurfes sei, eine Blockrandbebauung zu entwickeln. Möglicherweise könnte auch die zweite Reihe bebaut werden.

„Wir streben eine gute städtebauliche Lösung an, bei der bezahlbarer Wohnraum in einem Mix aus kleinen, mittleren und großen Wohnungen entsteht“, sagt Ruf. Das Siedlungswerk plane an diesem Standort ausschließlich Mietwohnungen. Im Bereich der Straßenbahnhaltestelle seien im Erdgeschoss der Wohnhäuser zudem zwei bis drei Gewerbeeinheiten, etwa für Geschäfte, vorgesehen.

„Wir sehen den Bedarf an Wohnraum in Erfurt“, sagt Ruf. „Und wir sind der Meinung, dass sich diese Ecke von Ilversgehofen positiv entwickelt.“

Ilversgehofen erlebt seit Jahren einen Entwicklungsschub. Dazu trug maßgeblich das Förderprogramm „Soziale Stadt“ bei, das auch private Investitionen nach sich zog.

Wegen ihrer Größe und Lage gilt die Brache als markantester Schandfleck im Stadtteil. „Die Fläche liegt direkt neben der Straßenbahn und ist in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsent“, sagt die Sprecherin des Ilversgehofener Bürgerbeirats, Uta Fischer. „Wir begrüßen es sehr, dass diese Brache nun verschwindet.“

Uta Fischer bestätigt die positive Entwicklung des Stadtteils. Ilversgehofen profitiere auch vom generellen Zuzug nach Erfurt. „Wegen der Nähe zu Uni und Fachhochschule wollen besonders junge Leute nach Ilversgehofen ziehen“, sagt Fischer.

Das Union-Kino wurde im Volksmund „Unne“ genannt und genoss zeitweise einen Kultstatus im Erfurter Norden. Es wurde 1929 eröffnet und bot 1100 Filmfans Platz. Zu DDR-Zeiten trug das Kino den Namen „Theater der Jugend“.

Gemeinsam mit 15 anderen Thüringer Lichtspielhäusern wurde es 1991 von der Treuhand an die Ufa verkauft. Einige Jahre später erfolgte der Abriss.

Erfurts Stadtchronist im Stadtarchiv, Kai-Uwe Schellenberg, verweist auf ein Foto vom 31. März 1998. „Der Abriss war zu diesem Zeitpunkt fast abgeschlossen“, sagt Schellenberg.

Seitdem scheiterten alle Pläne, die Fläche zu entwickeln. Neben einer Wohnbebauung und einem Kaufhaus war zwischenzeitlich ein Bürgerpark geplant. Zuletzt glaubte allerdings kaum noch ein Anwohner an eine Zukunft für den zentralen Platz.

Das Gemeinnützige Siedlungswerk ist eine Immobilienfirma, die im Auftrag von vier Bistümern arbeitet, darunter dem Erfurter. Das Unternehmen besitzt in Erfurt mehrere hundert Wohnungen und ist seit einiger Zeit auch stark auf dem Erfurter Neubau-Markt präsent. Zu den bekanntesten Projekten gehören die Druckerei Fortschritt, das Wohnen an der Weißen Gasse und die Entwicklung des Braugold-Areals.