Batterie-Konzern plant seine Europazentrale in Thüringen

Erfurt  Die Chinesische Firma CATL will bereits im kommenden Jahr Personal einstellen. Für Thüringen bedeutet das Werk „die bedeutendste Industrieinvestition der letzten Jahre“, sagte Wirtschaftsminister Tiefensee.

CATL-Europa-Chef Matthias Zentgraf. 

CATL-Europa-Chef Matthias Zentgraf. 

Foto: Martin Debes

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Der chinesische Konzern CATL forciert den Bau einer Batteriefabrik im Erfurter Kreuz im Amt Wachsenburg. Zudem will er seinen thüringischen Standort zur Zentrale für das künftige europäische Geschäft aufwerten. Auch andere mögliche Werke sollten von hier aus koordiniert werden, sagte der Europa-Chef des Unternehmens, Matthias Zentgraf, der Thüringer Allgemeinen.

„Es geht um Tempo“, erklärte er. „Wir gehen schneller vor als bisher geplant.“ CATL will deshalb mit den Einstellungen nicht bis 2021 warten und bereits im nächsten Jahr das erste Personal rekrutieren.

Der Konzern ist nach eigenen Angaben inzwischen der Weltmarktführer bei der Produktion von Speicherzellen für Autos, Busse und lokale Energiespeicher. Ein Grund für die Eile ist, dass mit der sogenannten Dieselkrise die Nachfrage der Autokonzerne nach Batterien für E-Autos stark steigt. Hinzu kommt laut Zentgraf der zunehmende weltweite Wettbewerb unter den Speicherproduzenten.

Investitionssumme von mehr als einer Milliarde Euro

In der ersten Ausbauphase sollen 240 Millionen Euro investiert und 600 Arbeitsplätze geschaffen werden. Mittelfristig ist eine Investitionssumme von mehr als einer Milliarde Euro und einer vierstelligen Zahl von Arbeitsplätzen im Gespräch. Insgesamt steht eine Fläche von rund 70 Hektar zur Verfügung.

Um Zeit zu gewinnen, prüft CATL, leer stehende Immobilien auf dem Gewerbegebiet am Erfurter Autobahnkreuz zu nutzen. Details wollte Europa-Chef Zentgraf auf Nachfrage noch nicht nennen. Allerdings kann es sich bei den Gebäuden nur um die Immobilien der insolventen Solarworld AG handeln.

Büroräume in Erfurt bezogen

Bereits in dieser Woche bezog CATL eigene Büroräume im Gebäude der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) in der Erfurter Innenstadt. Für Thüringen bedeute das Werk „die bedeutendste Industrieinvestition der letzten Jahre“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Immerhin entstehe der erste europäische Produktionsstandort für die Produktion von Batteriezellen überhaupt.

Thüringen hatte sich im Frühjahr in einem harten Wettbewerb gegen andere Standorte in Ungarn, Polen, Belgien und den alten Bundesländern durchgesetzt. Wichtigster Vorteil sei die zentrale Lage und die gute Verkehrsanbindung von Erfurt, sagte Zentgraf. Zudem gebe es ausreichend Fachkräfte. Zugleich lobte er die Arbeit von LEG und Wirtschaftsministerium.

Der Manager sieht ein großes Potenzial für Zulieferfirmen in Thüringen. Bereits jetzt gebe es Gespräche für weitere Investitionen am Erfurter Kreuz. Geprüft wird auch eine Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut in Hermsdorf, das Batterietechnologien erforscht. Zusammen mit dem Spatenstich soll auch ein sogenannter Batterie-Gipfel gemeinsam mit örtlichen Unternehmen der Autoindustrie stattfinden.

Die Förderung durch das Land ist wegen der strengen EU- Vorgaben übersichtlich. So können maximal 7,5 Millionen Euro fließen.

In sieben Jahren an die Weltspitze

Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) mit Sitz im chinesischen Ningde wurde 2011 gegründet und ist seit diesem Jahr an der Börse notiert. Das Unternehmen hat 18.000 Beschäftigte; es entwickelt und produziert Lithium-Ionen-Batterien und Batteriesysteme. 40 Prozent der in China produzierten E-Autos fahren mit CATL-Batterien. Die vollautomatisierte Produktion des Werkes bei Erfurt soll am Ende der ersten Ausbaustufe eine Kapazität von 14 Gigawattstunden haben. Europa-Chef Matthias Zentgraf spricht jedoch davon, dass sich diese Leistung mittelfristig verdrei- oder sogar vervierfachen könnte.

Leitartikel: Mehr als nur ein Werk

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