Beschäftigte aus 60 Nationen bei Zalando in Erfurt

Erfurt  Aktuell arbeiten rund 3000 Menschen in dem Logistikcenter in Erfurt. Das Einzugsgebiet des Thüringer Standortes reicht bis nach Mühlhausen und Gera.

Pausenlos rollen die Sattelschlepper im Erfurter Logistikzentrum des Versandhändlers Zalando an die Rampen. Es sind Millionen Kisten und Pakete, die hier jährlich ankommen und in neuer Kombination an die Kunden in Deutschland und in angrenzenden Ländern versandt werden.

Rund 3000 Mitarbeiter zählt das Berliner Unternehmen inzwischen an seinem Thüringer Standort, berichtet der Logistikchef von Zalando, Daniel Behlert, am Freitag der Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, bei deren Besuch im Verteilzentrum.

Fahrgemeinschaften werden gebildet

Rund 60 Nationen versammeln sich hier regelmäßig unter den Hallendächern, erklärte der Betriebsratschef des Standortes, Bernd Demel. Die Beschäftigten kommen aus Polen. Tschechien und der Slowakei, aber auch aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak. Bei der Beschäftigung von Migranten und geflüchteten Menschen arbeite man eng mit den örtlichen Behörden zusammen, so Standortleiterin Christina Kraft.

Sie hat die Verantwortung für das Erfurter Logistikzentrum im September letzten Jahres von Daniel Behlert übernommen, der in die Berliner Firmenzentrale wechselte. Längst kommen die Mitarbeiter nicht mehr nur aus Erfurt und Umgebung zur Arbeit in drei Schichten im Zalando-Verteilzentrum. Der Einzugsbereich ist mit dem Logistikzentrum und dem Paketaufkommen gewachsen.

Eigene Buslinien für Beschäftigte eingerichtet

„Wir haben am Standort Beschäftigte, die aus Mühhausen oder aus Gera hierher zur Arbeit kommen“, bestätigte Betriebsrat Demel. Eigene Buslinien wurden dafür eingerichtet. Zudem bildet man Fahrgemeinschaften in den Regionen, diese werden mit firmeneigenen Kleinbussen ausgestattet.

„Damit wollten wir Chancengleichheit für Mitarbeiter in den ländlichen Regionen herbeiführen, die über kein eigenes Auto verfügen und keine Buslinie vor der Tür finden“, sagte Behlert. Die Mitarbeiter könnten die Kleinbusse am Wochenende mit nach Hause nehmen und gegen eine kleine Gebühr auch privat nutzen, bestätigte Behlert.

Eine Mitarbeiterin der ersten Stunde ist Christine Schmettow aus Erfurt, wie sie den Besuchern berichtet. Aus der Langzeitarbeitslosigkeit sei sie über ein Trainingscenter der Arbeitsagentur und des Unternehmens auf die Arbeit im Logistikzentrum vorbereitet worden. „Und jetzt werden es am 20. August schon sieben Jahre, die ich hier arbeite“, so Schmettow. Sie ist zweischichtig eingesetzt.

Man versuche den Wünschen und Möglichkeiten der Mitarbeiter beim Schichtrhythmus so weit wie möglich entgegen zu kommen, berichtet Betriebsratschef Bernd Demel. So gebe es Beschäftigtem die – auf freiwilliger Basis – ausschließlich in den Nachtschichten eingesetzt werden. Auch die Frage nach einer Mutti-Schicht bejaht der Betriebsrat, „wir nennen sie hier allerdings Mutti- und Vati-Schichten, denn wir haben auch alleinerziehende Väter in der Belegschaft“, so Demel. Rund 200 derartige Stellen habe man eingerichtet, 166 davon sind aktuell besetzt, die übrigen Anspruchsberechtigten derzeit noch in der Elternzeit.

Ausbildungsplätze können mangels Bewerbern nicht besetzt werden

Auftragsspitzen werden auch im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt durch den Einsatz von Zeitarbeitern abgefangen. Allerdings übernehme man immer wieder Zeitarbeiter in die Festanstellung, berichtet Christina Kraft. Das sei ein Weg zur Rekrutierung von Personal, der sich bewährt habe. Rund 1200 ehemalige Zeitarbeiter wechselten so schon in die Belegschaft.

Probleme bereitet – wie an allen Standorten des Unternehmens – auch in Erfurt die Tatsache, dass man ausgeschriebene Ausbildungsplätze mangels Bewerbern nicht besetzen kann, bedauerte Daniel Behlert.

Dagegen sind zurückgesendete Waren in Erfurt so gut wie kein Thema mehr. „Wir haben die Aufarbeitung der Retouren näher an unsere Kunden heranrücken lassen“, so Behlert. Vor Ort würden die eingehenden Artikel gewaschen oder aufgebügelt und neu verpackt, erst danach kehrten sie über die Verteilzentren in den Kreislauf zurück. Lediglich ein Bruchteil aller zurückgeschickten Artikel müssten – etwa aus hygienischen Gründen – vernichtet werden, bestätigte Behlert.

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