Condomi stellt in Erfurt Kondom-Komplettproduktion ein

Die älteste Kondomfabrik Deutschlands "taucht" nicht mehr: Die Erfurter Condomi Produktions GmbH hat zum Jahresende die Komplett-Produktion von Kondomen eingestellt. Nun werden am Traditionsstandort die Präservative nur noch geprüft, gesiegelt und verpackt. Knapp die Hälfte der Belegschaft musste gehen.

Die Erfurter Condomi Produktions GmbH hat zum Jahresende die Komplett-Produktion von Kondomen eingestellt. Foto: Archiv

Die Erfurter Condomi Produktions GmbH hat zum Jahresende die Komplett-Produktion von Kondomen eingestellt. Foto: Archiv

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Erfurt. Condomi ist seit über 80 Jahren in Erfurt ansässig. Nach Informationen eines Gewerkschaftssprechers der IG Bergbau, Chemie und Energie in Mittelthüringen sei die erst 2001/2002 gebaute modernste Produktionsanlage "nie hundertprozentig ausgelastet" gewesen. Von den Ende 2010 Beschäftigten rund 100 Mitarbeitern sind nur noch 60 übrig geblieben. Die fertigen Kondome werden aus Südostasien angeliefert. Das Aus für den Erfurter Komplett-Produktionsstandort sei vor allem auf die gestiegenen Kautschuk- und Energie-Preise zurückzuführen. "Es gab nur die Wahl zwischen der Halbierung der Belegschaft oder dem kompletten Aus", so der Sprecher.

Condomi-Geschäftsführer Manfred Förtsch relativiert gegenüber unserer Zeitung die Unternehmensentwicklungen. "Wir haben nur einen Produktionsschritt, das Tauchen, aufgegeben", so Förtsch. Beim Tauchen werden Glasformen in ein mit Latexgemisch gefülltes Becken getaucht, dabei entsteht auf den Formen ein dünner Film. Den typischen Rand erzeugen rotierende Bürsten. Anschließend werden die Kondome erhitzt, in ein heißes Wasserbad getaucht und mit Maispuder in "Waschmaschinen" bestäubt. In Erfurt werden die so hergestellten Rohlinge mit Hochspannung einzeln auf Lochfreiheit geprüft, auf Folierungsmaschinen eingesiegelt, beschichtet dann verpackt. Rund 100 Millionen Kondome haben nach Angaben der Geschäftsleitung 2010 das Werk in Erfurt, das immer noch als weltweit modernste Kondomfabrik gilt, verlassen. Die Rohware beziehe man von Schwesterunternehmen in Deutschland und Asien.

"Ein Grund, die getauchten Produkte nicht mehr selbst herzustellen, sind natürlich auch die geringeren Löhne in Asien", erklärt Förtsch. Die Präservative aus Erfurt werden weltweit verkauft. Seit 2007 gehört das Erfurter Unternehmen zum australischen Konzerns Ansell. Ansell beschäftigt weltweit mehr als 11.000 Mitarbeiter mit Niederlassungen in 26 Ländern in Amerika, Europa und Asien.