Dem technischen Handel den Weg in die Netzwelt ebnen

Weimar  Bei der Firma Master PIM aus Weimar dreht sich alles um die Aufbereitung von Produktdaten. Land und mp-3-Erfinder investieren

Sven Lachhein (2.v.r.) bei der Erläuterung des Firmenkonzepts. Einer der Investoren ist mp-3-Erfinder Karlheinz Brandenburger. Dessen Firma Ventures investiert bei Master PIM ebenso wie das Land übers Beteiligungsmanagement.

Sven Lachhein (2.v.r.) bei der Erläuterung des Firmenkonzepts. Einer der Investoren ist mp-3-Erfinder Karlheinz Brandenburger. Dessen Firma Ventures investiert bei Master PIM ebenso wie das Land übers Beteiligungsmanagement.

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Der edle Weimaraner und der Hausherr standen erwartungsvoll an der Treppe der blauen Villa bereit, als Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auf dem Hof am Lindenberg Nummer 9 in Weimar vorfuhr. Auf seiner „digitalen Sommertour“ machte Landespolitiker Tiefensee nämlich unlängst auch bei der Firma Master PIM (Produkt-Informations-Management) Halt, um sich bei den sechs IT-Experten um Geschäftsführer Sven Lachhein über den Stand der Entwicklung zu informieren.

Kerngeschäft der Firma ist die zentrale Verwaltung und Aufbereitung von Produktdaten verschiedener Hersteller, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Service für den technischen Handel liegt. Der sei teilweise noch recht konservativ strukturiert, habe also durchaus noch zu oft „digitale Defizite“, so Lachhein. Sprich: Das Fax ist manchem Chef noch näher als das Internetportal. Mittelfristig könne das für die betreffenden Firmen das Aus bedeuten, ist die Kundschaft doch längst auf Homepages, Online-Plattformen und in Online-Shops unterwegs. Für diese die zahlreichen Daten aufzubereiten, zu exportieren und somit schneller mehr Produkte an die Interessenten zu bringen, darum dreht es sich. Um an dieser Stelle also ein Angebot zu unterbreiten, den Händlern den Weg ins Netz zu ebnen, gibt es das 2014 von ihm gegründete Unternehmen, sagt Lachhein. Vereinfach gesagt, legen er und sein Team für Produkte Datensätze an, die unter anderem technische Informationen zum Produkt, Preis, 3-D-Ansichten, Konfigurationsmöglichkeiten und so fort enthalten, um sie dann in netzbasierten Shops zu vermarkten. Anhand solcher Datensätze können beispielsweise auch Informationen an einen 3-D-Drucker übermittelt werden, der den Verbraucher in die Lage versetzt, sich Ersatz beziehungsweise häufig benötigte Ersatz­teile selbst herzustellen. Tiefensee wurde das anhand des Kunststoffflügels eines Quadrocopterpropellers gezeigt.

Master PIM setzt übrigens komplett auf die Cloud-Technologie. So sind die Informationen jederzeit verfügbar.

Der Minister bestätigte, dass es in Thüringen „noch zu viele kleinere Mittelständler“ gibt, die die Zeichen der Zeit offenbar noch nicht erkannt haben. Hier gelte es eben, diejenigen „mehr ins Scheinwerferlicht zu rücken, die im Digitalbereich mit ihrer Kompetenz konkret Unterstützung leisten könnten. Eben auch die Master PIM.

Mit seiner Idee ging Sven Lachhein seinerzeit auf private Investoren zu, denen das Konzept gefiel. Sie stiegen 2015 ein. Auch das Land erkannte das Potenzial und leistete einen finanziellen Beitrag. So zählt die Master PIM unter anderem die Beteiligungsmanagement Thüringen mit Kevin Reeder an der Spitze ebenso zu den Partnern wie die Firma Brandenburg Ventures des mp-3-Erfinders Professor Karlheinz Brandenburger von der Technischen Universität Ilmenau. Alles in allem habe das Start-up-Unternehmen rund eine Million Euro zusammenbekommen, heißt es. Nun gelte es, die Firma weiter auszubauen, den Kreis der Kunden kontinuierlich zu erweitern.

Dass Tiefensee vorbeischaute, hat also einen Grund: Er wollte sich zeigen lassen, was bislang mit dem Geld veranstaltet wurde. Um noch mehr „Publicity“ für Master PIM und andere „Innovationsschmieden“ zu machen, auch dazu diene die Besuchstour, erklärte er. Lachhein versicherte dem Politiker jedenfalls, dass die Firma bereits „alles an Support bekommen habe“, was wünschenswert sei. Tiefensee nahm’s erfreut zur Kenntnis.

Zum Kundenkreis gehören laut Geschäftsführer Lachhein inzwischen Firmen wie Lindig, FHB Arbeitskleidung oder auch Schneider Druckluft.