Demografischer Wandel verteuert Abwasser in Thüringen

Der demografische Wandel könnte für die Menschen im Freistaat die Abwasserentsorgung verteuern. Das Ministerium will der drohenden Kostensteigerung nun mit Investitionsempfehlungen für die kommunalen Entsorger begegnen.

Das Ministerium will dem drohenden Kostenanstieg nach eigenen Angaben mit einer Planungshilfe für die kommunalen Entsorger begegnen. Archiv-Foto: Philipp Guelland

Das Ministerium will dem drohenden Kostenanstieg nach eigenen Angaben mit einer Planungshilfe für die kommunalen Entsorger begegnen. Archiv-Foto: Philipp Guelland

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Erfurt. Auf die Thüringer kommen möglicherweise steigende Abwasserkosten zu. Wie aus einem am Dienstag in Erfurt vorgestellten Gutachten des Umweltministeriums hervorgeht, könnte der demografische Wandel vor allem im ländlichen Raum für die Haushalte Mehrausgaben mit sich bringen.

Das Ministerium will der drohenden Kostensteigerung nun mit Investitionsempfehlungen für die kommunalen Entsorger begegnen. Scharfe Kritik an den neuen Planungen kam von der Linkspartei.

Teuer werden könnte der demografische Wandel dem nun vorgestellten Gutachten zufolge vor allem, da 85 Prozent der Aufwendungen für die Abwasserentsorgung Fixkosten sind. In der Folge könnten bereits kleine örtliche Bevölkerungsrückgänge dafür sorgen, dass nahezu gleichbleibend hohe Kosten auf weniger Haushalte umgelegt werden müssen, hieß es.

Um Abhilfe zu schaffen, will das Umweltministerium den kommunalen Entsorgern nun Handreichungen für angepasste Investitionen geben: Ab sofort könnten die kommunalen Entsorger mithilfe eines "Demografie-Checks" des Ministeriums überprüfen, wie kommende Kosten durch sinnvolle Planungen und Ausgaben minimiert werden können, sagte Umweltstaatssekretär Roland Richwien (CDU).

Neue Konzepte sollen Kosten sparen

Als mögliche konkrete Lösung für Kommunen im ländlichen Raum benannte einer der Verfasser der Studie unter anderem die Option, kleinere, abwassertechnisch bislang nicht erschlossene Ortsteile künftig an Kläranlagen anzuschließen, in denen durch den Bevölkerungsrückgang Kapazitäten frei werden. Aber auch eine "dezentrale Entsorgung" über Kleinkläranlagen oder abflusslose Gruben könne einen geeigneten Schritt darstellen.

Derzeit ist nach Angaben des Umweltministeriums nur gut ein Viertel der Einwohner in Thüringer Gemeinden unter 2.000 Einwohner an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Die kommunalen Entsorger müssen laut Thüringer Wassergesetz bis zum 1. Januar 2014 ihre Abwasserbeseitigungskonzepte fortschreiben.

Der Umweltexperte der CDU-Fraktion, Egon Primas, begrüßte die Einführung des Checks. Er forderte die Zweckverbände auf, von dem Werkzeug bei der Fortschreibung der Entsorgungskonzepte Gebrauch zu machen.

Von einem "Scheitern der bisherigen Abwasserpolitik des Landes Thüringen" sprach hingegen der kommunalpolitische Sprecher der Linksfraktion, Frank Kuschel. Ohne eine gezielte Förderpolitik des Landes sei mit einer enormen Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren zu rechnen. Der Freistaat versuche aber, "den Schwarzen Peter den Kommunen zuzuschieben".