Der Abrissbagger rückt Tannrodas alter Papierfabrik zu Leibe

Es wird ernst: Tannrodas alter Papierfabrik geht es an den Kragen. Der Abrissbagger steht bereit. Die Container auch, die den Bauschutt aufnehmen. Mutter Natur soll in naher Zukunft ein Fleckchen Erde zurückbekommen, das fast einhundert Jahre industriell genutzt wurde

In den nächsten Tagen und Wochen dürfte die noch nagelneue Schaufel des Abrissbaggers so manche Schramme abbekommen. Er bleibt indes nicht der einzige, der den alten, vom Verfall gezeichneten Fabrik-Gebäuden zu Leibe rückt. Foto: Marco Schmidt

In den nächsten Tagen und Wochen dürfte die noch nagelneue Schaufel des Abrissbaggers so manche Schramme abbekommen. Er bleibt indes nicht der einzige, der den alten, vom Verfall gezeichneten Fabrik-Gebäuden zu Leibe rückt. Foto: Marco Schmidt

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Tannroda. Das einstige Korbmacherstädtchen ist nicht nur Bad Berkas größter Ortsteil - es erlebt in den kommenden Wochen und Monaten auch das seit Jahren größte kommunale Vorhaben - den Abriss der 1906 eröffneten und 1992 geschlossenen Papierfabrik. Investiert wird auf einer Fläche von rund 1,4 Hektar in die Beseitigung einer Industriebrache und eines städtebaulichen Missstandes, zugleich aber auch in den Hochwasser- und Naturschutz. Insgesamt sind dafür Kosten von rund 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Über 700.000 Euro stellt das Amt für Flurneuordnung und Landentwicklung bereit, weit über 300.000 Euro kommen von der Stadtbauförderung, und mehr als 200.000 Euro bringt die Kommune aus ihrem eigenen Haushalt auf.

Er wisse, so sagte gestern Bürgermeister Thomas Liebetrau vor Ort, dass nicht wenige Tannrodaer mit etwas Wehmut den Abriss beobachten werden, war die Papierfabrik doch über Jahrzehnte Tannrodas größter Arbeitgeber. Und mit den Gebäuden geht auch ein Stück Stadtgeschichte. Allerdings zeigte er sich sicher, dass vor allem die Tannrodaer und ihre Stadt Nutznießer der Maßnahme sein werden. Ein Ort steter Gefahren verschwinde, auch ein Schandfleck im Ortsbild. Zugleich verbessere sich der Hochwasser- und Naturschutz, entstehe mit der renaturierten Ilm-Insel ein Kleinod in unmittelbarer Nachbarschaft des Ilmradweges.

Nicht unerwähnt blieb der erhebliche Zeitdruck, unter dem das Projekt seit der Übergabe des Förderbescheides am 4. August 2010 stand. Kostete es zuvor ein vierjähriges Bemühen, um es überhaupt auf den Weg zu bringen, so müssen bis Ende November bereits die ersten 350 000 Euro in den Abriss geflossen sein. Dass das gelingt, dafür hat ab morgen nicht zuletzt die Recycling und Abbruch GmbH Dotzauer aus dem vogtländischen Lengenfeld den Hut auf. Da sich ein Wechsel der Bauabschnitte erforderlich machte, wird sie mit dem Abriss der einstigen Schlosserei und der sogenannten Villa beginnen. Als echte Herausforderung gilt zudem der Abriss der beiden Ilmbrücken, die in der Vergangenheit ob ihres zu geringen Querschnittes für manches Hochwasser verantwortlich gemacht wurden. Allerdings steht für deren Abriss nahe dem Gleisbett der Ilmtal-Bahn nur ein Zeitfenster von drei Nächten zur Verfügung. Ebenfalls im zweiten Bauabschnitt, der nun als erster an der Reihe ist, muss ein alter Dieseltank aus dem Erdreich geholt werden. Und begonnen werden soll auch mit dem mit 27 Metern höchsten Gebäude - der einstigen Papierverarbeitung. Der anfallende Bauschutt, so hieß es gestern, wird auf dem Gelände sortiert, aber nicht recycelt. Eine Brecheranlage müssen die Tannrodaer also nicht fürchten. Dennoch werden gerade die unmittelbaren Anlieger mit Behinderungen und Belastungen leben müssen, für die der Bürgermeister schon vorab um Verständnis bat.

Trotz allen Zeitdrucks will die Stadt allen Anforderungen nachkommen, die ihr in punkto Artenschutz auferlegt sind. Auf der Basis einer artenschutzrechtlichen Untersuchung hat sie sich dafür die wissenschaftliche Begleitung durch die Fachhochschule Erfurt gesichert. Und ganz praktisch werden noch vor Abrissbeginn Gewölbekeller in der alten Untermühle so hergerichtet, dass sie als Unterschlupf für Fledermäuse dienen können, sollten diese ihren angestammten Wohnsitz verlieren.

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