Die Klima-Pioniere

Nordhausen  Heute spricht jeder davon. Klimaschutz, dezentrale Energieversorgung, Blockheizkraftwerke.

Viel Lob gibt es zum 40. Firmenjubiläum von der Inhaberfamilie Meinhold für die Nordhäuserin Monika Port. Gründer Hermann Meinhold erinnert daran, dass sie die Übernahme der IFA-Abteilung im Jahr 1992 maßgebend mit initiierte.

Viel Lob gibt es zum 40. Firmenjubiläum von der Inhaberfamilie Meinhold für die Nordhäuserin Monika Port. Gründer Hermann Meinhold erinnert daran, dass sie die Übernahme der IFA-Abteilung im Jahr 1992 maßgebend mit initiierte.

Foto: Thomas Müller

Was inzwischen Allgemeingut ist, galt, als Hermann Meinhold sein Unternehmen gründete, noch als etwas spinnert. Dabei hatte der Fachmann Ahnung. „In die Industrie hätte er gehen können“, sagt Ehefrau Angelika. „Aber er wollte lieber sein eigener Chef sein.“

So entstand 1977 in dem kleinen nordrhein-westfälischen Ort Hiddenhausen Sokratherm, ein Pionier für Kraft-Wärme-Kopplung. „Doch der Anfang war gar nicht so leicht. In der Garage setzten wir die ersten Module zusammen, beschäftigten unsere drei Monteure teilweise mit konventionellem Heizungsbau“, erzählt Angelika Meinhold.

Das tut sie gestern vor einem großen Publikum. Die Zeiten nämlich sind vergangen. 40 Jahre. Seit der Firmengründung wurden über 1500 BHKW-Kompaktmodule in mehr als 20 Länder geliefert. Grund genug, sich mit Mitarbeitern und Partnern zum Geburtstag zu treffen. Das allerdings nicht in Hidden-, sondern in Nordhausen.

Auch in der Rolandstadt feiern die Meinholds ein Jubiläum. Vor 25 Jahren übernahmen sie eine kleine Abteilung der IFA-Motorenwerke. Der sterbende Gigant suchte neue Betätigungsfelder. Und kam auf die BHKW. IFA kaufte von Sokratherm eine Lizenz. Doch schon bald wollte man sich aus dem Geschäft wieder verabschieden. Die Treuhand plante den Verkauf.

In dieser Stunde war es die Nordhäuserin Monika Port, die schaltete. Sie rief Hermann Meinhold an und erklärte ihm: Wenn Sokratherm Interesse habe, dann müsse er schnell handeln. Gut gesagt, bei einer kleinen Firma im Aufbau mit sechs Mitarbeitern.

Meinhold griff zu. „Vielleicht der wichtigste Schritt in der Unternehmensgeschichte“, hieß es bei der gestrigen Feier. Sechs Ifaraner übernahm Sokratherm. Schon bald investierte man an der Helmestraße, richtete dort den neuen Sitz ein.

Seit dieser Zeit arbeitet auch Wilfried Müller vom gleichnamigen Isolierbetrieb mit dem BHKW-Hersteller zusammen. Es sei, lobt er gestern, eine sehr bodenständige Liaison.

Auch in den Reden der Kommunalpolitiker klingt heraus: Familienunternehmen wie Sokratherm seien das Beste, was Mitarbeitern und einer Region passieren könnten. Hier, bei den Meinholds, ist bald der Sohn Johannes als Geschäftsführer mit eingestiegen. Konstanz gilt viel. Das belegt sich auch daran, dass von den sechs ersten Mitarbeitern heute noch drei im Dienst sind. Nur: Inzwischen arbeiten fast 100 Leute hier.

Vater Hermann konstruiert selbst, kümmert sich bis heute um die strategische Ausrichtung. Die Kraftwerke – von 50 bis über 500 Kilowattstunden erzeugen sie – stehen deutschland-, ja weltweit in Industriebetrieben, in Bürogebäuden, Krankenhäusern, Schwimmbädern, Schulen und Pflegeheimen. Kurzum, überall, wo Wärme und Strom benötigt werden.

Deshalb sieht Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann (pl) Sokratherm auch als Standortbotschafter für die Stadt. In dem Unternehmen lebe ein Stück der IFA weiter, lobt Landrat Matthias Jendricke (SPD).

Monika Port – sie wurde Fertigungsleiterin – ist stolz auf die Entwicklung. Vor kurzem erst ging sie in den Ruhestand. Mit dem guten Gefühl, für Nordhausen das Richtige getan zu haben.