Dieser Container ist der neue Dorfladen in Großwelsbach

Landkreis  Innerhalb von drei Tagen baute das Unternehmen die Verkaufsstelle in Großwelsbach. Das Eröffnungsdatum ist noch unbekannt.

Noch befindet sich der Container hinter einem Zaun, vor neugierigen Blicken ist er nicht geschützt.

Noch befindet sich der Container hinter einem Zaun, vor neugierigen Blicken ist er nicht geschützt.

Foto: Daniel Volkmann

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Innerhalb von drei Tagen stand er plötzlich – der neue Dorfladen in Großwelsbach. Es ist der erste Einkaufscontainer, der in Deutschland eröffnen wird. Er soll den ländlichen Raum revolutionieren. Denn er kommt ohne Verkaufspersonal aus und hat keine Schließzeiten.

Vor drei Jahren hatte Ortsteilbürgermeister Horst Aurin (parteilos) Kontakt zum Unternehmen IVVB aufgenommen, das seinen Sitz in Hannover hat. Denn gleich nach der Wende schloss der Konsum. Und die kleine Verkaufstelle am Sportlerheim, die daraufhin öffnete, hielt sich nicht lange. Seitdem gibt es keine Einkaufsmöglichkeit mehr im Ort.

Bisher hat die Firma nur ein Musterhaus: in Plsezew in Polen. Aurin fuhr hin zur Besichtigung – und war begeistert.

Fragen beantwortet Unternehmen bisher nicht

Auf dem neuen Einkaufsareal in Großwelsbach in der Neunheilinger Straße stand einst ein Stall. Das Gelände gehört der Agrargenossenschaft Neunheilingen. Die stellte es dem Bad Langensalzaer Ortsteil kostenlos zur Verfügung. Wie Geschäftsführer Marko Hesse informiert, um „den älteren Menschen das Leben zu erleichtern“.

Denn viele von ihnen haben früher bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) gearbeitet, aus der das Unternehmen hervorging. „Das ist unser Beitrag zum Erhalt des dörflichen Lebens“, sagt Hesse unserer Zeitung.

Die Pflege für die Grünfläche am Einkaufscontainer will der Ort übernehmen. Auch eine Sitzgruppe – eine Waldschänke – soll aufgestellt werden, damit der neue Dorfladen zum Treffpunkt wird. „Geschnackt wird immer“, sagt Aurin. Er weiß allerdings bisher noch nicht, wann der Laden eröffnet wird. Auch den Namen des künftigen Betreibers kennt er nicht.

Überhaupt gibt sich das Unternehmen geheimnisvoll. Ins Handelsregister eingetragen ist die Firma IVVB Immobilien Vermögens-, Verwaltungs- und Bau GmbH seit 2014. Derzeit stellt das Unternehmen in vielen Orten in Thüringen das Konzept vor. Unter anderem waren Vertreter in Sundhausen, Ballhausen und Kutzleben.

­Betreten wird der Laden mit der EC-Karte, damit wird auch bezahlt. Einmal pro Tag soll der Containerladen mit Waren aufgefüllt werden. ­Verkauft werden der Firmen-Präsentation zufolge ­frisches Obst und Backwaren, Getränke, Tiefkühlprodukte, Drogerieartikel. Außerdem werde es im Container eine Packstation für Pakete und einen Kaffeeautomaten geben.

Fragen unserer Zeitung beantwortete die IVVB bisher nicht. Auch die angeblichen Partner des Konzepts – Rewe und Rossmann – streiten bis jetzt jede Beteiligung ab.

Interesse an einem solchen Einkaufscontainer bekundet auch die Gemeinde Altengottern. Erst dieser Tage ist nach Auskunft von Bürgermeister Jan Tröstrum (CDU) ein Fachmann im Dorf gewesen, um sich den möglichen Stellplatz für den Container anzusehen. Der soll recht zentral im Dorf liegen. „Wenn uns als Gemeinde keine Kosten entstehen, stellen wir unser Land dafür bereit“, meint Tröstrum. Er sei allerdings nur „vorsichtig optimistisch“, dass die Einkaufsmöglichkeit bald nach Altengottern zieht. „Schon im vergangenen Jahr hieß es, der Betreiber wolle das Weihnachtsgeschäft mitnehmen und sich schnell ansiedeln. Nur getan hat sich dann über Monate nichts“, erinnert sich der Bürgermeister.

Auch für die Menschen im Flüchtlingsheim in Obermehler suchte der Landkreis nach einer Einkaufsmöglichkeit. In naher Zukunft lässt sich das laut Landrat Harald Zanker (SPD) nicht verwirklichen. Der Behördenleiter gab Probleme mit dem Landesrechnungshof als Grund dafür an. Ein solcher Einkaufscontainer war den Mehlerschen und den Schlotheimern mehrfach versprochen worden, um die Situation in den Märkten in der Bahnhofstraße der Seilerstadt zu entspannen. Die waren zu einem Schwerpunkt der Kriminalität geworden, vor allem durch Diebstähle.

Auch Nägelstedt will einen Ladencontainer der IVVB im Ort. Der Ortsteilbürgermeister Torsten Wronowski (CDU) hat zudem für die Bad Langensalzaer Ortsteile die Federführung bei dem Projekt übernommen. Denn ­Interesse bekundet haben auch Merxleben, Großwelsbach, Wiegleben, Aschara, Henningsleben und Zimmern. Bisher fehlen dort jedoch noch die Plätze für die Container.

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