Eisenbahn-Bundesamt verweigert Freigabe der neuen ICE-Brücken

Erfurt. Ein Versprechen droht zu platzen: Eigentlich soll die ICE-Neubaustrecke zwischen Leipzig/Halle und Erfurt im Dezember in Betrieb gehen. Doch nach einem Entscheid des Eisenbahn-Bundesamtes werden bahnintern drei Jahre Bauverzug befürchtet.

Wann der ICE mit Tempo 300 wie hier beim Test im September vergangenen Jahres über die Neubaustrecke gefahren werden kann, scheint fraglich Foto: Marco Kneise

Wann der ICE mit Tempo 300 wie hier beim Test im September vergangenen Jahres über die Neubaustrecke gefahren werden kann, scheint fraglich Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Der Vorstandschef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, hatte erst am Donnerstag die Freigabe des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 8.2 zwischen Leipzig/Halle und Erfurt für den 13. Dezember 2015 angekündigt. Am Tag darauf wurde bekannt, dass das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) keine Freigabe für die Feste Fahrbahn auf den Brücken erteilt hat.

Der Behörde zufolge hat die Gleisbaufirma im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Neubaustrecke einen Antrag auf allgemeine Zulassung ihres Systems einer Festen Fahrbahn gestellt, also die Art und Weise, wie die Schienen verlegt sind.

„Das System unterscheidet sich von herkömmlichen Kons-truktionsweisen und weicht von den anerkannten Regeln der Technik und eingeführten Technischen Baubestimmungen ab“, sagte EBA-Sprecher Moritz Huckebrink. Die Antragstellerin müsse deshalb einen Verwendbarkeitsnachweis für die Kons-truktion führen. „Das hat sie auch nach mehrfacher Aufforderung bislang nicht getan. Das EBA hat darum im Mai 2015 den Antrag für die Anwendung auf Brücken zurückgewiesen.“

Möchte die Bahn als Bauherrin die Konstruktion dennoch auf der ICE-Strecke in Betrieb nehmen, so müsse sie hierfür einen sogenannten Nachweis gleicher Sicherheit erbringen. Dieser gelte nur für den Einzelfall, so Huckebrink weiter: „Die Bahn müsste dazu zeigen, dass über die Nutzungsdauer ein mindestens gleich hohes Sicherheitsniveau erreicht wird wie bei Einhaltung der Technischen Baubestimmungen.“

Die Deutsche Bahn bestätigt das Problem. „Es liegt in der Natur der Sache, dass vor Zulassung einer neuen Technik unterschiedliche Fragestellungen geklärt werden müssen“, sagte ein Sprecher. „Wir arbeiten daran, die Zulassungsvoraussetzungen für die Feste Fahrbahn zu schaffen.“ Dazu stehe die Bahn mit allen Beteiligten eng im Austausch: „Wir gehen davon aus, dass der Inbetriebnahmetermin durch das Zulassungsverfahren nicht gefährdet ist.“

Intern bestehen jedoch erhebliche Zweifel, ob der Starttermin zu halten ist. Wenn der Nachweis nicht gelingt und ein anderer Aufbau der Schienen auf den Brücken notwendig wird, ist von einem Bauverzug von bis zu drei Jahren die Rede.

Die 123 Kilometer lange ICE-Strecke verfügt über sechs Talbrücken mit insgesamt 14,4 Kilometer Länge. Im Sommer will die DB Projektbau die Strecke an die DB Netz AG übergeben – dafür braucht es zuvor die Freigabe durch das EBA.

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