Es gibt nicht nur „Smart Cities“, sondern jetzt auch „Smartinfeld“

Martinfeld  Martinfeld und ein IT-Unternehmen setzen auf eine intelligente Straßenbeleuchtung und haben Pläne.

Mitarbeiter der Eichsfelder Firma leitec begannen gestern in Martinfeld mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung.

Mitarbeiter der Eichsfelder Firma leitec begannen gestern in Martinfeld mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung.

Foto: Sigrid Aschoff

Moderne Städte. Von „Smart Cities“ – Städten, die unter anderem effizienter, technologisch fortschrittlicher werden – haben viele schon gehört. Aber was ist eigentlich mit modernen Dörfern? Nun gibt es „Smartinfeld“. Denn, wenn aus Visionen Wirklichkeit wird, muss das nicht zwangsläufig nur in Großstädten passieren, sondern kann das auch in einem Eichsfelddorf der Fall sein – wie in Martinfeld.

Gestern fiel dort der Startschuss für die Umsetzung eines Projektes, an dem das ortsansässige IT-Unternehmen Alpha-Omega Technology und der Schimberger Ortsteil Martinfeld arbeiten. Auf den ersten Blick sieht es aus, als hätte sich der Ort einfach für die Umrüstung auf eine moderne LED-Straßenbeleuchtung entschieden. Mit dieser sollen die bisher anfallenden Energiekosten von 6600 Euro im Jahr um die Hälfte gesenkt werden. Investiert werden dafür jetzt erst einmal 50 000 Euro, sagt Ortschef Gerhard Stitz.

Doch es steckt noch weit mehr dahinter als auf lange Sicht Kosten zu reduzieren und Sicherheit zu erhöhen. „Im Hintergrund läuft eine Weichenstellung für zukünftige Services in der Gemeinde“, sagt der Chef von Alpha-Omega Technology, Jan Bose. Vor zwei Jahren liefen die Planungen für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung an, die um die 100 Leuchten umfasst und die seit gestern von der Firma leitec vorgenommen wird. Schon in der ersten Phase machten sich Ortschaftsbürgermeister und Geschäftsführer Gedanken darüber, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Lösung zu schaffen, die weit über die Steuerung der Beleuchtung gehen kann. Warum sollte man nicht, wenn investiert wird, gleich weiter und damit zukunftsorientiert denken? Bose und Stitz wissen, dass Fortschritt wie auch Anforderungen und neue Herausforderungen nicht vor dem Ortsschild eines Dorfes Halt machen. „Fündig sind wir in einer Technologie geworden, die in den letzten Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat und sich aktuell speziell in Städten großer Beliebtheit erfreut – einem LoRaWAN-Netz“, sagt Bose. Dieses biete die Möglichkeit, Mess- und Sensordaten mit wenig Energie über sehr große Distanzen zu übertragen. Und ein Anwenderfall wäre die Steuerung von Straßenleuchten. Dazu, so Jan Bose, werde jede Leuchte mit einem Sensor ausgestattet und könne separat überwacht beziehungsweise gesteuert werden. Geht zum Beispiel eine Leuchte kaputt, könnte der Ortschef darüber per App übers Handy informiert werden. Und auch bei einem Fest im Dorf wie der Kirmes ist die Schaltzeit abweichend vom normalen Alltag steuerbar.

„Ziel ist es im ersten Schritt, einen stabilen Betrieb der Straßenleuchten sicherzustellen – wohlwissend, dass man als Pionier auf dem Gebiet ein gewisses Risiko eingeht. Vergleichbare Projekte in der Größenordnung und der Technik gibt es aktuell in Deutschland nicht“, sagt der IT-Unternehmer. Vorreiter zu sein, das macht aber nicht nur ihn, sondern alle Beteiligten stolz. Vielleicht entschließen sich noch weitere Orte im Eichsfeld, Martinfeld zu folgen.

Ortschaftsbürgermeister Gerhard Stitz und Jan Bose gehen gedanklich noch einen Schritt weiter: Zukünftig könnten weitere Sensoren im Rahmen von „Smartinfeld“ zum Einsatz kommen. Denkbar wäre es, den Füllstand öffentlicher Abfallbehälter zu überwachen. Dann bräuchte ein Gemeindearbeiter die nicht immer wieder kontrollieren. „Personal könnte effizienter gesteuert werden“, nennt Stitz einen Vorteil.

Kern von „Smartinfeld“ ist die Schaffung eines LoRaWAN-Netzwerkes, das durch Alpha-Omega Technology betrieben wird. Über dieses werden verschiedenste Anwendungen betrieben, nicht nur die intelligente Straßenbeleuchtung. In Martinfeld werden bereits jetzt Wetterdaten erhoben, so die Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Und auch auf oder besser gesagt in die Rosoppe soll ein Blick geworfen werden. Hier geht es um die Wasserqualität. Erfasst werden könnten nicht zuletzt Umweltdaten wie Feinstaub oder Ozonwerte. Die gesammelten Daten können am Ende analysiert und Schlussfolgerungen gezogen werden, wo noch Potenzial ist.

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